Ludwig Börne (1786–1837)

53 Sprüche Klassik

Was ist das Glück? Eine demi-tasse im Café de la bourse. Von außen ist die Tasse groß, und man glaubt, es werde uns viel eingeschenkt. Trinken wir aber, erfahren wir, daß man uns keine fünfzig Tropfen gegeben, so spitzbübisch dick sind Boden und Wände des Gefäßes.

Börne, L., Nachlass. Anhang zu den Briefen aus Paris, 30. November 1831, in: Nachgelassene Schriften, 5. Band, 1850

Glücklich zu sein ist auch eine Tugend.

Börne, Aphorismen und Miszellen, 1828/32. [288]

Die Bewunderung preist, die Liebe ist stumm.

Börne, Denkrede auf Jean Paul, Frankfurt/Main am 2. Dezember 1825

Liebe ist eine Schmeichelei, die allen gefällt, Hohen wie Niedern, Kindern wie Erwachsenen, Guten wie Bösen – und sie ist auch Gott gefällig.

Börne, Über den Umgang mit Menschen, 1824

Bei Weibern ist die Liebe so oft eine Tochter als die Mutter der Eifersucht.

Börne, L., Tagebücher. 25. Mai 1830

Soll man die Menschheit beweinen oder über die Menschen lachen? Jeder, wie er will: es ist eines wie das andere. Ob wir spotten oder ernst sind, kriechen oder hüpfen, zaudern oder fortstürmen, hoffen oder fürchten, glauben oder zweifeln – am Grabe begegnen wir uns alle. Doch eins ist, was nützt: die Klarheit. Eins ist, was besteht: das Recht. Eins ist, was besänftigt: die Liebe.

Börne, Aphorismen und Miszellen, 1828/32. [274]

Jeder hat in seinem Leben einen schönen Kindertag, wo er, wie die ersten Menschen im Paradiese, die Früchte des Feldes, so auch Liebe ohne Sorgen und Mühe findet. Ist dieser Tag aber vorüber, erwirbst du wie dein Brot so auch Liebe nur im Schweiße deines Angesichtes.

Börne, Über den Umgang mit Menschen, 1824

Liebe einzuflößen ist das unaufhörliche Bestreben der Weiber.

Börne, Fastenpredigt über die Eifersucht, 1818

Die wahre Liebe würdigt ihren Gegenstand, aber das ist die wahre Liebe nicht, die nur das Würdige liebt.

Börne, L., Dramaturgische Blätter. Sappho. Trauerspiel von Grillparzer, 1820

Die glückliche Liebe ist ein Verbrechen, die unglückliche ein verbrecherischer Wunsch.

Börne, L., Kritiken. Kritiken und Aufsätze. Göthe's Briefwechsel mit einem Kinde, geschrieben in Autenil bei Paris im Sommer 1835

Wer in der wirklichen Welt arbeiten kann und in der idealen leben, der hat das Höchste errungen.

Burow (Hg.), Denk-Sprüche für das weibliche Leben. Gesammelte Perlen zur Veredlung für Geist, Gemüth und Herz, 1857

Der Mensch wird in der Fremde geboren, leben heißt die Heimat suchen, und denken heißt leben.

Börne, Die Kunst, in drei Tagen ein Original-Schriftsteller zu werden, 1823

Die wahre feine Lebensart, welche mehr tut, als mit Blitzesschnelle eine gefallene Stricknadel aufheben, entspringt entweder aus der Tiefe des Geistes oder aus der Fülle des Herzens, und weder der Tanzmeister lehrt sie noch Chesterfield.

Börne, Aphorismen und Miszellen, 1828/32. [97]

Was nützen uns oft die wärmsten Freunde? Sie lieben uns höchstenswie sich selbst– aberwielieben sie sich selbst!

Börne, Aphorismen und Miszellen, 1828/32. [138]

Nichts bereuen ist aller Weisheit Anfang.

Börne, Aphorismen und Miszellen, 1828/32. [209]

Alle Narrheit erschöpfen – so gelangt man zum Boden der Weisheit.

Börne, Aphorismen und Miszellen, 1828/32. [286]

Die Natur führt uns auf dem Wege der Zuckerbäckerjungen zur Weisheit: sie übersättigt uns mit den Genüssen, die wir meiden sollen.

Börne, Aphorismen und Miszellen, 1828/32. [257]

Ihr müßt Herzen säen, wollt ihr Herzen ernten.

Börne, Über den Umgang mit Menschen, 1824

Humor ist keine Gabe des Geistes, er ist eine Gabe des Herzens, er ist die Tugend selbst, wie ein reichbegabtes Herz sie lehrend übt, weil es sie nicht übend lehren darf.

Börne, Denkrede auf Jean Paul, Frankfurt/Main am 2. Dezember 1825

Gewöhnlich schreibt man dem das Werk zu, der die letzte Hand daran legte. Daher trägt ein Tölpel so oft den Preis davon, wenn er geschickt genug ist, zu einer Geige den mangelnden Bogen zu verfertigen.

Börne, Werke. Historisch-kritische Ausgabe in zwölf Bänden, 1911-13

Die nächsten Jahrhunderte werden weder den Deutschen noch den Franzosen noch sonst einem andern Volke oder einem Fürsten gehören; sondern der Menschheit.

Börne, Menzel der Franzosenfresser, 1837