Ludwig Eichrodt (1827–1892)

6 Sprüche Romantik

Gefesselt Liebesglück und Liebesschmerz – Die Minute macht zum Sklaven, O des Gottes Pfeile trafen Mein gestählt gewappnet Herz. Trage Ketten, golden süß, Aber immer sind es Ketten, Goldne Ketten, süße Ketten, Aber Ketten sinds gewiß. In des Lebens Blütenzeit Tief verletzt und schwer gebunden, Und in Fesseln und in Wunden Dennoch diese Seligkeit?

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Zuvor Wellenschäume, Wolkensäume, Wünsche, Träume, Im Entfalten, Im Zerfließen festgehalten; Manch Erlebtes Längst Entschwebtes, Mit Gestalten Leicht Verwebtes, Wie sie kommen, wie sie fliehn – Launekinder, Phantasien, Bilder im Vorüberziehn, Liebespoesien!

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Am Scheideweg Es gilt ein Mann zu sein, ein Fürst des Lebens! Steck dir ein Ziel, verwirf den Traum! Die tausend Wünsche loderten vergebens, Und herrschen kannst du nur im Raum. Der Jüngling flieht – Jugend grüne weiter! In Thaten wohnet Poesie. Sei der Humor dein schützender Begleiter! Verlasse dieser Gott dich nie! Verzage nicht in Ungemach und Sorgen, Kampf ist die Loosung bis zum Tod. Hast du nicht Freunde treu für Heut und Morgen, Die Vieles wenden, was dir droht? Es holt der Geist vom Geiste sich Genesung, An treuer Brust ruht aus die Brust, Nur die Verlassenheit ist auch Verwesung Jedweder Kraft, jedweder Lust. Die Liebe aber, die du kennst, die Liebe, Gibt sie nicht allen Wesen Schwung? Wenn sie ein Dämon aus dem Busen triebe, Dir fehlte die Beseligung.

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Es ist so gut und leicht gesagt, Ich liebe, liebe dich, Man hat so schnell sich eingeliebt, So ganz herzinniglich. Man fällt sich um den Hals und küßt, Bis man vor Liebe trunken ist; Und kann sein Glück nicht fassen, Und will sein Glück nicht lassen. Und wenn man einmal Abschied nimmt, Ist man zum Tod betrübt; Da fühlt man erst, da weiß man erst, Wie sehr man sich geliebt. Man küßt sich fort und bleibt allein, Man weint sich aus und schickt sich drein, Und träumet unterdessen, Und kann sich nicht vergessen. Und süß ist auch, wenn aus der Fern Die Grüße kommen, gehn – Was aber drum am schönsten bleibt, Das ist das Wiedersehn. Da wird man stumm vor Schreck und Freud, Und möcht in alle Ewigkeit Sich aneinander weiden, Und nun und nimmer scheiden.

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Ist mir oft der Wunsch gekommen Abzuschütteln diese Glieder, Dieses Herz voll Sturm und Wunden – Seid mir theuer, bittre Stunden, Aber kehret niemals wieder! Kannst du zwischen Zeilen lesen, Steht es flammend dir geschrieben: Nur der Wahnsinn flucht dem Leben, Nur den Thoren macht es beben – Wers begriffen, wird es lieben.

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Von der Freundschaft Wer keinen Freund gefunden, Und immer stand allein, Der hat auch nie empfunden recht Das Glück, ein Mensch zu sein. Wer keinen Freund gefunden, Der ist vielleicht ein – Christ; Der ist vielleicht ein Schurke traun! Wenn er kein Esel ist. Vielleicht ein Unglücksvogel Mag der Verkannte sein, Doch der ist auch der Einzige, Dem ich es kann verzeihn.

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