Ludwig Feuerbach (1804–1872)

40 Sprüche Klassik

Deine erste Pflicht ist, dich selbst glücklich zu machen. Bist du glücklich, so machst du auch andere glücklich. Der Glückliche kann nur Glückliche um sich sehen.

Feuerbach, Philosophische Kritiken und Grundsätze, 1846

Wo keine Liebe, ist auch keine Wahrheit. Und nur der ist etwas, der etwas liebt – Nichts sein und nichts lieben ist identisch.

Feuerbach, Grundsätze der Philosophie der Zukunft, 1843

Liebe, aber wahrhaft! – und es fallen dir alle andern Tugenden von selber zu.

Feuerbach, Fragmente zur Charakteristik meines philosophischen Curriculum vitae, 1846

Die Liebe ist Leidenschaft, und nur die Leidenschaft ist das Wahrzeichen der Existenz.

Feuerbach, Grundsätze der Philosophie der Zukunft, 1843

Je mehr du von deinem Selbst aufgibst, desto größer und wahrer ist deine Liebe.

Feuerbach, Gedanken über Tod und Unsterblichkeit, Erstdruck 1830 (anonym). Die ethische Bedeutung des Todes

Du bist nur, wenn du liebst; Sein ist erst Sein, wenn es Sein der Liebe ist, aber zugleich geht in der Liebe dein persönliches Dasein, dein abgesondertes Fürdichsein zu Grunde. Du bist nur noch in dem geliebten Gegenstande, Alles außer ihm, du selbst ohne ihn bist dir Nichts. Die Liebe ist die Quelle aller Freuden, aber auch aller Schmerzen.

Feuerbach, Gedanken über Tod und Unsterblichkeit, Erstdruck 1830 (anonym)

So ist die Liebe der wahre ontologische Beweis vom Dasein eines Gegenstandes außer unserem Kopfe – und es gibt keinen anderen Beweis vom Sein als die Liebe, die Empfindung überhaupt. Das, dessen Sein Dir Freude, dessen Nichtsein Dir Schmerz bereitet, das nur ist.

Feuerbach, Grundsätze der Philosophie der Zukunft, 1843

Nur der Gegenstand der wahren Liebe entwickelt und offenbart auch das wahre Wesen des Menschen.

Feuerbach, Tagebuch, 1834-36

Die Liebe macht den Menschen zu Gott und Gott zum Menschen.

Feuerbach, Das Wesen des Christentums, 1841. Erster Teil. Das wahre, d. i. anthropologische Wesen der Religion. 4. Kapitel: Gott als moralisches Wesen oder Gesetz

Die Liebe ist das Band, das Vermittlungsprinzip zwischen dem Vollkommnen und Unvollkommnen, dem sündlosen und sündhaften Wesen, dem Allgemeinen und Individuellen, dem Gesetz und dem Herzen, dem Göttlichen und Menschlichen. [...] Die Liebe stärket das Schwache und schwächt das Starke, erniedrigt das Hohe und erhöhet das Niedrige, idealisiert die Materie und materialisiert den Geist. [...] Lieben heißt vom Geiste aus: den Geist, von der Materie aus: die Materie aufheben.

Feuerbach, Das Wesen des Christentums, 1841

Nur der ist etwas, der etwas liebt.

Feuerbach, Grundsätze der Philosophie der Zukunft, 1843. § 36

Die Liebe ist nichts andres als das Selbstgefühl der Gattung innerhalb des Geschlechtsunterschieds.

Feuerbach, Das Wesen des Christentums, 1841. Erster Teil. Das wahre, d. i. anthropologische Wesen der Religion. 17. Kapitel: Der Unterschied des Christentums vom Heidentum

Das Leben muß wie ein kostbarer Wein mit gehörigen Unterbrechungen Schluck für Schluck genossen werden. Auch der beste Wein verliert für uns allen Reiz, wir wissen ihn nicht mehr zu schätzen, wenn wir ihn wie Wasser hinunterschütten.

Feuerbach, Abälard und Heloise oder der Schriftsteller und der Mensch, 1834

Ewiges Leben – was ist das anderes als eine Wunschprojektion.

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Im Leben ist der Mensch zehn Jahre im Kriege und zehn Jahre in der Irre, gleich dem Ulysses.

Feuerbach, Abälard und Heloise oder der Schriftsteller und der Mensch, 1834

Um das Leben zu erkennen, muß man sich vom Leben absondern.

Feuerbach, Abälard und Heloise oder der Schriftsteller und der Mensch, 1834

Die Schmerzen, die wir dem Freunde offenbaren, sind schon halb geheilt. Worüber wir sprechen, darüber mildern sich unsre Leidenschaften; es wird helle in uns; der Gegenstand des Zornes, des Ärgers, des Kummers erscheint uns in einem Lichte, in welchem wir die Unwürdigkeit der Leidenschaft erkennen. Worüber wir im Dunkel und Zweifel sind, wir dürfen nur darüber sprechen – oft in dem Augenblick schon, wo wir den Mund auftun, um den Freund zu fragen, schwinden die Zweifel und Dunkelheiten.

Feuerbach, Das Wesen des Christentums, 1841. Erster Teil. Das wahre, d. i. anthropologische Wesen der Religion. 8. Kapitel: Das Geheimnis des Logos und göttlichen Ebenbildes

Gott war mein erster Gedanke, die Vernunft mein zweiter, der Mensch mein dritter und letzter Gedanke.

Feuerbach, Fragmente zur Charakteristik meines philosophischen Curriculum vitae, 1846. 1843-44

Der Ursprung, ja das eigentliche Wesen der Religion, ist der Wunsch. Hätte der Mensch keine Wünsche, so hätte er auch keine Götter. Was der Mensch sein möchte, aber nicht ist, dazu macht er seinen Gott.

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Wahres Prinzip Wahre Religion ist gebaut auf das Wahre, das Gute In der Menschennatur, nicht auf der Sünde Morast.

Feuerbach, Gedanken über Tod und Unsterblichkeit, Erstdruck 1830 (anonym). Satyrisch theologische Distichen, 1830

Der Mensch ist der Anfang der Religion, der Mensch der Mittelpunkt der Religion, der Mensch das Ende der Religion.

Feuerbach, Das Wesen des Christentums, 1841. Erster Teil. Das wahre, d. i. anthropologische Wesen der Religion. 19. Kapitel: Der christliche Himmel oder die persönliche Unsterblichkeit