Ludwig Feuerbach (1804–1872)

40 Sprüche Klassik

Einst ist nicht Jetzt Sonst war die Religion, ich gesteh's, die Stütze des Staates; Aber jetzt ist der Staat Stütze der Religion.

Feuerbach, Gedanken über Tod und Unsterblichkeit, Erstdruck 1830 (anonym). Satyrisch theologische Distichen, 1830

Die christliche Religion ist die Religion des Leidens.

Feuerbach, Das Wesen des Christentums, 1841. Erster Teil. Das wahre, d. i. anthropologische Wesen der Religion. 6. Kapitel: Das Geheimnis des leidenden Gottes

Menschlich zu sterben, zu sterben mit dem Bewußtsein, daß du im Tode deine letzte menschliche Bestimmung erfüllst, zu sterben also im Frieden mit dem Tode – das sei dein letzter Wunsch, dein letztes Ziel. Dann triumphierst du auch noch im Tode über den üppigen Traum der christlichen Unsterblichkeit.

Feuerbach, Gedanken über Tod und Unsterblichkeit, Erstdruck 1830 (anonym). Der rationalistische oder ungläubige Unsterblichkeitsglaube

Mann und Weib zusammen machen erst den wirklichen Menschen aus; Mann und Weib zusammen ist die Existenz der Gattung – denn ihre Verbindung ist die Quelle der Vielheit, die Quelle anderer Menschen.

Feuerbach, Das Wesen des Christentums, 1841

Der Mensch schuf [...] Gott nach seinem Bilde.

Feuerbach, Das Wesen der Religion, 1846; erweitert zu: Vorlesungen über das Wesen der Religion, 1851. Zwanzigste Vorlesung

Dem wahrhaft religiösen Menschen ist Gott kein bestimmungsloses Wesen, weil er ihm ein gewisses, wirkliches Wesen ist. Die Bestimmungslosigkeit und die mit ihr identische Unerkennbarkeit Gottes ist daher nur eine Frucht der neuern Zeit, ein Produkt der modernen Ungläubigkeit.

Feuerbach, Das Wesen des Christentums, 1841. 2. Kapitel: Das Wesen der Religion im allgemeinen

Wenn Gott sein Ebenbild wie sich selbst liebt, warum soll nicht auch ich das Bild Gottes wie Gott selbst lieben?

Feuerbach, Das Wesen des Christentums, 1841. Erster Teil. Das wahre, d. i. anthropologische Wesen der Religion. 8. Kapitel: Das Geheimnis des Logos und göttlichen Ebenbildes

Was dem Menschen Gott ist, das ist sein Geist, seine Seele, und was des Menschen Geist, seine Seele, sein Herz, das ist sein Gott [...].

Feuerbach, Das Wesen des Christentums, 1841. 2. Kapitel: Das Wesen der Religion im allgemeinen

Gott ist eine Träne der Liebe, in tiefster Verborgenheit vergossen über das menschliche Elend.

Feuerbach, Das Wesen des Christentums, 1841. Erster Teil. Das wahre, d. i. anthropologische Wesen der Religion. 13. Kapitel: Die Allmacht des Gemüts oder das Geheimnis des Gebets

Denn nicht Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde, wie es in der Bibel heißt, sondern der Mensch schuf, wie ich im »Wesen des Christentums« zeigte, Gott nach seinem Bilde.

Feuerbach, Das Wesen der Religion, 1846; erweitert zu: Vorlesungen über das Wesen der Religion, 1851. Zwanzigste Vorlesung

Gott ist eine leere Tafel, auf der nichts weiter steht, als was du selbst darauf geschrieben.

Feuerbach, Erläuterungen und Ergänzungen zum Wesen des Christenthums, 1846. Das Wesen des Glaubens im Sinne Luthers, 1844

Je mehr das Sinnliche verneint wird, desto sinnlicher ist der Gott, dem man das Sinnliche opfert.

Feuerbach, Das Wesen des Christentums, 1841

In der Persönlichkeit Gottes feiert der Mensch die Übernatürlichkeit, Unsterblichkeit, Unabhängigkeit und Unbeschränktheit seiner eignen Persönlichkeit.

Feuerbach, Das Wesen des Christentums, 1841. Erster Teil. Das wahre, d. i. anthropologische Wesen der Religion. 10. Kapitel: Das Geheimnis des Mystizismus oder der Natur in Gott

Gott ist der Spiegel des Menschen.

Feuerbach, Das Wesen des Christentums, 1841. Erster Teil. Das wahre, d. i. anthropologische Wesen der Religion. 6. Kapitel: Das Geheimnis des leidenden Gottes

Das göttliche Wesen, das sich in der Natur offenbart, ist nichts anderes, als die Natur selbst, die sich dem Menschen als ein göttliches Wesen offenbart, darstellt und aufdrängt.

Feuerbach, Das Wesen der Religion, 1846; erweitert zu: Vorlesungen über das Wesen der Religion, 1851

Die Inkarnation ist nichts andres als die tatsächliche, sinnliche Erscheinung von der menschlichen Natur Gottes.

Feuerbach, Das Wesen des Christentums, 1841. Erster Teil. Das wahre, d. i. anthropologische Wesen der Religion. 5. Kapitel: Das Geheimnis der Inkarnation oder Gott als Herzenswesen

Die einfachsten Wahrheiten sind es gerade, auf die der Mensch immer erst am spätesten kommt.

Feuerbach, Erläuterungen und Ergänzungen zum Wesen des Christenthums, 1846. Zur Beurteilung der Schrift: "Das Wesen des Christentums", 1842

Der Theologie, sage ich, sei nur das ihr Heilige wahr, der Philosophie aber nur das Wahre heilig.

Feuerbach, Das Wesen der Religion, 1846; erweitert zu: Vorlesungen über das Wesen der Religion, 1851. Zweite Vorlesung

Wo keine Liebe ist, ist auch keine Wahrheit.

Feuerbach, Philosophische Kritiken und Grundsätze, 1846