Ein Lämpchen aufgeglommen, Solch Lämpchen, Glück, bist du: Aus Nächten hergekommen, Den Nächten geht es zu. Es glüht vor deinen Schritten; Herzklopfend bleibst du steh'n. – Und ist vorbeigeglitten, Eh' du es recht geseh'n. –
Das Glück liegt nicht auf der Straße, Das Elend nur liegt so herum.
Du bist … Du bist für meine arme Seele Wie treuer Stab dem Sinkenden, Wie Wein dem gierig Trinkenden, Wie Himmelstrost in Falsch und Fehle. So lebt mein Herz, das ängstlich-zage, Beglückt im Schatten deiner Mächte Das halbe Leben meiner Tage, Das ganze Leben meiner Nächte.
Nicht? Mund, der dürstend mir am Munde lag, Und die Augen halb erschöpft geschlossen, Füßchen, die ich hob zum Wagenschlag, Irre Worte, die in eins verflossen, Nachts in finst'ren Fluren Kuß um Kuß, Lange Blicke, die wie Fackeln brannten, Zwischen Tagesanfang und -beschluß Briefe und Verse, die mir Flammen sandten – – Komm' nur her und sprich, du liebst mich nicht! Und hast mondelang um mich geworben, Mondelang bist du um mich gestorben! Jetzt her den Blick und sprich: "Du liebst mich nicht!"
Tanz Wenn du dein Köpfchen an mich legst, Dann hör' ich kaum die Geigen spielen. Ich seh nur dich und kann nur fühlen, Wie du mich ganz in Händen trägst. Und weiß nicht hin mit meiner Lust, Denn selig strömen jetzt zusammen Zwei Herzen und zwei goldne Flammen, Und heimlich drängt sich Brust an Brust…
Nicht genug Ich liebe dich, doch nicht genug Für deine Seele, deine süße. Ich hab' ja Augen nicht genug Für ihre tausend stummen Grüße. Nicht Hände habe ich genug, Um Glück, nur Glück, dir zuzutragen, Und habe Atem nicht genug, Um soviel Liebe auszusagen!
Liebe Liebe ist wie alter Flammenwilder Wein; Liebe will mit Fürsicht Fein genossen sein. Tumbe nur und Toren Trinken sich zur Qual, Und mit langen Ohren Taumeln sie ins Tal. Doch der Zecher fürnehm Ist im Rausche rar. – So bleibt Lieb bei Liebe An die hundert Jahr.
Sphinx Und wärst du das teuflische Nixenweib, Das die Seele mir saugt aus dem sehnenden Leib, Mit grausamem Blick im düst'ren Gesicht, – Ich fürchte mich nicht, ich fürchte dich nicht! Und ruhten wir beide so Brust an Brust, Und rissest das Herz du mir aus vor Lust, Ich schaute dich an, ich lachte dich an Und wär' noch im Sterben ein seliger Mann.
Spiel des Lebens Zwischen Hassen, zwischen Lieben Seltsam hin und her getrieben, – Heute voll von Zärtlichkeiten, Morgen schwertbereit zum Streiten, – Diesen Händedruck empfangen, Jenem aus dem Weg gegangen, – Jetzt Hans Dampf in allen Gassen, Später gott- und weltverlassen, – In der Frühe flammentrunken, Abends kraftlos hingesunken, – Und so zwischen Himmel, Hölle, Auf und ab an Rad und Welle, Ist mein Leben angeschirrt, – Wehe, wie es enden wird!
Freunde I. Freunde, die mein lautes Wohl getrunken Und mich stießen, wenn ich hingesunken; Freunde, die mein Herz in Händen trugen Und mich hinterrücks mit Ruten schlugen; Freunde, die mir breiten Lorbeer brachten Und im Stillen meinen Dank verlachten; Freunde, die mein bißchen Brot genossen Und vom eig'nen Mahl mich ausgeschlossen … Ach, wenn ich die schlimme Kette sehe, Weiß mein armes Herz nicht aus vor Wehe. Niemals mocht' ich meinen Degen zücken Nach des Feindes unbewehrtem Rücken; Und wo Haß gedieh und Sünde blühte, Schont' ich ihrer noch mit Menschengüte; Was in eig'ner Seele schlecht geblieben, Geißle ich mir aus mit blut'gen Hieben – – – Aber wenn mich jene Wunden schmerzen, Die von Freundeshand und Freundesherzen, Möcht' ich flieh'n und mir ein Grab bereiten Fern vom Jammer ihrer Sterblichkeiten!
Gott Auf hohem Berge, da wohnest du, ich wandle empor, immerzu, immerzu ... Millionen Jahre wandle ich schon und schaue noch immer nicht deinen Thron. Einst rauchen die Höhen wunderbar, da stehe ich oben, Sonne im Haar. Wir schauen uns an und lächeln uns zu, denn du bist ich und ich bin du.
Eine Seele In deinen Liedern lebt mein Leben, Durch meine Lieder strömt dein Blut. Ein unerschöpftes Nehmen, Geben Und eine unerschöpfte Glut. Ein Lächeln nur und nureinLeiden, Du bist in mir und ich in dir. Und kommt das Glück, es winkt uns beiden, Und keiner bettelt: Komm zu mir! Und wenn mein Blick vom letzten Ziele Ins fremde Land hinüberrinnt, Du fühlst es mit, wie ich es fühle, Weil wir so ganz verkettet sind.