Zufälliger Spruch von Ludwig Jacobowski

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Freunde I. Freunde, die mein lautes Wohl getrunken Und mich stießen, wenn ich hingesunken; Freunde, die mein Herz in Händen trugen Und mich hinterrücks mit Ruten schlugen; Freunde, die mir breiten Lorbeer brachten Und im Stillen meinen Dank verlachten; Freunde, die mein bißchen Brot genossen Und vom eig'nen Mahl mich ausgeschlossen … Ach, wenn ich die schlimme Kette sehe, Weiß mein armes Herz nicht aus vor Wehe. Niemals mocht' ich meinen Degen zücken Nach des Feindes unbewehrtem Rücken; Und wo Haß gedieh und Sünde blühte, Schont' ich ihrer noch mit Menschengüte; Was in eig'ner Seele schlecht geblieben, Geißle ich mir aus mit blut'gen Hieben – – – Aber wenn mich jene Wunden schmerzen, Die von Freundeshand und Freundesherzen, Möcht' ich flieh'n und mir ein Grab bereiten Fern vom Jammer ihrer Sterblichkeiten!
Jacobowski, Leuchtende Tage. Neue Gedichte 1896-1898, Minden 1900
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