Ludwig Kossarski (1810–1873)

3 Sprüche Romantik

Das Leben Beklage nicht, daß deinem Leben Der Herr nur kurze Frist gegeben, Dem Traume gleich dein Dasein ist. Zu bösen Thaten, wie zu guten, Brauchst du nur wenige Minuten; - Wie lang' ist deines Lebens Frist! Wie bei dem Vater aller Seelen Jahrtausende nur Tage zählen, Zählt jeder Tag Jahrtausend' dir: In einem Tage soviel Gutes Kannst du vollbringen frohen Mutes, Als wärst du ein Jahrtausend hier!

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Die Blumen schwanden, auch die letzten, Die Mensch und Tier und Flur ergötzten Mit Blütenduft und Farbengold; Doch alle keimten, wuchsen, blühten, Und ehe sie im Herbst verglühten, Erfüllten sie, was sie gesollt. Laß meines Lebens Herbst erst kommen, O Herr, wenn ich zu Nutz und Frommen Der Welt gewirkt auf meiner Bahn! Ruf mich zu dir an jenem Tage, Wo ich mit Zuversicht mir sage: Was ich gesollt, hab ich gethan!

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Laß meines Lebens Herbst erst kommen, O Herr, wenn ich zu Nutz und Frommen Der Welt gewirkt auf meiner Bahn! Ruf' mich zu dir an jenem Tage, Wo ich mit Zuversicht mir sage: Wie ich gesollt, hab' ich gethan!

Hammer (Hg.), Leben und Heimath in Gott. Eine Sammlung Lieder zu frommer Erbauung und sittlicher Veredlung, hg. von Julius Hammer 1862. Aus: Herbst