Erste Wünsche Könnt' ich zu dir, mein Licht, Nur einmal, einmal dringen! Von deinem Angesicht Nur einem Strahl erschwingen! Könnt' ich an dein Gewand Nur einmal, einmal rühren! Und deine kleine Hand Mit süßem Schauer spüren! Könnt' ich an deinem Mund Nur einmal, einmal hangen! Und dann vergeh'n zur Stund' In wonnevollem Bangen!
Reichtum Im Banne deiner Augen verweilte ich manche Stunde, doch hast du nie geschauet in meiner Seele Grund. Nie hast du dich gebeuget über meines Herzens Weh, Dein Bild darin zu sehen wie in tiefer dunkler See. Nie hat an meinem Busen Dein liebes Haupt gelauscht, wie heimlich in der Tiefe die Liebe klingt und rauscht. Die Perle ruht im Meere, der Edelstein im Schacht - kehr ein, du heißgeliebte, in meines Busens Nacht! Ihm ist von allen tiefen an Reichtum keine gleich - in meinem Herzen, dann liegt dir von Liebe ein König Reich.
Dornröschen O Röslein, schön und jugendlich, Auf deinem Dornenreise! Gleich einer Biene schwebt um dich Mein Lied und flüstert leise: Ich liebe dich mit Weh und Lust, Du Blume meiner Schmerzen! Die Rose trag ich an der Brust Und ach! den Dorn im Herzen.
Bitte O wende dich nicht ab von mir, O schau mich wieder freundlich an! Nur einen solchen Blick von dir, Wie er mir sonst so wohlgetan! Ich will ja folgen wie ein Kind, Ich will ja schweigen wie das Grab, Mit keinem Wörtlein, noch so lind, Gestehn, daß ich so lieb dich hab. Gern will ich tragen jede Pein, Nur sei mir wieder gut und mild! Ach! Ohne Hoffnung kann ich sein, Nicht ohne dich, du süßes Bild!
Du Liebe du! Jüngst sagt ich dir mit kühnem Scherzen Ein Liebeswort von trautem Schall, Das klingt mir fort und fort im Herzen Und schlägt wie eine Nachtigall – Das trillert ohne Rast und Ruh': Du Liebe du! Gern möcht' ich dir es öfter sagen, Dies holde Wort, so treu gemeint; Gar lockend ist's, mit süßem Zagen Zu wagen, was verboten scheint – Vergönne, daß ich's wieder tu': Du Liebe du! Dürft' ich dich so im Ernste nennen! Dürft' all mein Ich im Du vergehen! Im freien, freudigen Bekennen, Wie gut sich Herz und Herz verstehen – O laß mich sagen immerzu: Du Liebe du!
Erhörung O sel'ger Tag! O sel'ge Lust! Mein bist du! Wie ein junger Held, So lieg' ich stolz an deiner Brust, Als läg' ich an der Brust der Welt. Stumm darf ich ruh'n an deinem Mund, Bis ich versinke ganz in dir; Das Meer der Lust ist ohne Grund Und schlägt zusammen über mir.
Sicherheit Wer Liebe trägt in tiefer Brust, der ist eine sel'ger Mann – er ist es sich so klar bewußt, daß nichts ihn schrecken kann. Was auch an seinem Busen schlägt, er geht mit frohem Schritt – wer seinen Himmel in sich trägt, der fürchtet die Hölle nit.
Erkenntnis Was einst mein Herz erquickte, Der Himmel Stern an Stern, Seit in Dein Aug ich blickte, Wie lass' ich ihn so gern! Nach einem Zauber heb' ich Mein Aug', nach einer Zier: Ah! alle Schönheit geb' ich Um einen Blick von dir. Was einst mein Leben schmückte, Des Wissens goldner Kern, Seit ich ans Herz dich drückte, Wie miss' ich ihn so gern! Nach einem Glücke streb' ich, Nach einem Trostpanier: Ach! alle Weisheit geb' ich Um ein Kuß von dir.
Fassung Kaum ruhte ich in ihren Armen Wie nach dem Sturm im Hafen aus, So reißt die Welle ohn' Erbarmen Mich wieder in die See hinaus. So tobt denn, Winde! heule, Brandung! Ihr wilden Fluten meint es gut – Nur nach dem Sturme freut die Landung, Und nur im Kampfes reift der Mut.
Unermeßlich O Sterne, goldene Sterne! Wohl scheint ihr so wunderlicht; Doch wie die Äugelein scheinen Von der Herzigen, von der Meinen, Wenn sie sagt: – Ich hab' dich so gerne! – So scheinet ihr nicht. O Sonne, goldene Sonne! Wohl hast du ein scharf Gesicht; Du miß'st mit einem Strahle So viel tausend Gebirge und Tale. Doch die Wonne, o meine Wonne – Die miß'st du nicht.
Begrabene Liebe Und wenn ich dich jetzt wieder seh', Bewegt mein Herz sich kaum; Da thut mir's in der Seele weh Daß alles Glück nur Traum. Wie wir geliebt einst und geglüht, Vergessen hätt' ich's bald; Dein schönes Antlitz ist verblüht, Ach! und mein Herz ist kalt. Bedenk' ich wie in Lust und Schmerz Du mein warst und ich dein, Da könnt ich weinen daß ein Herz Kann gar so treulos sein.
Wie ich dich liebe Wie ich dich liebe, Soll ich dir sagen? Wie ich dich liebe, Kannst du mich fragen? O du mein Alles, Das ich nicht lasse! Einz'ger Gedanke Den ich noch fasse! Weil ich die liebe, Kann ich's nicht sagen; Kann ich nur stumm die Seligkeit tragen. Schau mir in's Auge Laß' dich umfassen – Wirst mir die Antwort, Liebster, erlassen. Wie das im Herzen Wonniglich wühlet, Daß kann nur sagen Wer es nicht fühlet.
Unwandelbar O fürchte nicht, wenn dir das Alter Vom Haupte Blüt' um Blüte bricht, Daß dann ein Blick, ein trüber, kalter, Fall' auf dein bleiches Angesicht. Wohl blässer wird der äuß're Schimmer, Doch heller wird der inn're Schein; Drum lieber nur und tiefer immer Schau' ich ins Auge dir hinein. Da seh' ich all' die Liebesfülle, Die reicher ward von Jahr zu Jahr; Es dringet durch des Alters Hülle Der Seele Schönheit hell und klar. Da seh' ich nicht die müden Wangen, Der Jahre Furchen seh' ich nicht – Es ist mir strahlend aufgegangen Dein inn'res Engelsangesicht.