Ludwig Tieck (1773–1853)

23 Sprüche Klassik

Wer Glück liebt, muß auch sein Unglück willkommen heißen.

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Wir sind nur darum auf kleine Augenblicke glücklich, um unser Unglück nachher desto schärfer zu fühlen. Es ist der alte Fluch, Glück muß mit Unglück wechseln, und eben darin besteht unser Leben und unser Elend.

Tieck, Geschichte des Herrn William Lovell. An Rosa, 1795/96 (anonym), hier in der Fassung von 1828

Die Liebe macht listig und erfinderisch.

Tieck, Der Hexensabbat. Novelle, 1831

Die Liebe ist bei den meisten Menschen die erste bewegende Kraft, die ihre Fähigkeiten entwickelt, und dem trägen, einförmigen Gange des gewöhnlichen Lebens einen neuen, raschen Schwung gibt. Sie ist überhaupt das größte und notwendigste Rad in der menschlichen Gesellschaft. Was ist es anders, als die Liebe, um welche sich das Interesse der ganzen Welt dreht? Ist sie nicht der eigentliche Mittelpunkt, um welchen alle Wünsche und Plane der Sterblichen laufen?

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Wie herrlich glänzt die Rosenpracht, Wenn Liebreiz rings die Felder schmücket, Die Lieb aus tausend Rosen blicket, Aus Sternen ihrer Wonnennacht.

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Schmerz Ja, es gibt ein schönes Sehnen, Das wie aus der tiefsten Nacht In dem Herzen aufgewacht, Greift nach Waffen, findet Tränen. Viele lieben, viele wähnen, Daß Liebe nur Lust dem Herzen Schenken soll und keine Schmerzen: Alle Farben müssen fließen, Wenn ein Licht sich soll ergießen Aus dem goldenen Brand der Kerzen.

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Wozu sind die Millionen Menschen auf dieser Erde, da so wenige nur einen finden, der sie liebt! – Ach, sie kömmt mir wüst und entvölkert vor, sie ist nur eine große Masse, voller stummen Leichen, die in und auf ihr sind. Sind sich alle die Armseligen selber genug? Haben sie kein Bedürfnis nach Liebe und Mitempfindung? Sie sterben alle, ohne gelebt zu haben, sie sind Leichen, die sich bewegen, und diese Fähigkeit an die Natur abgeben und sich hinlegen und verwesen.

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Wunder der Liebe Mondbeglänzte Zaubernacht, Die den Sinn gefangen hält, Wundervolle Märchenwelt, Steig auf in der alten Pracht! Liebe läßt sich suchen, finden, Niemals lernen, oder lehren, Wer da will die Flamm' entzünden Ohne selbst sich zu verzehren, Muss sich reinigen der Sünden, Alles schläft, weil er noch wacht, Wann der Stern der Liebe lacht, Goldne Augen auf ihn blicken, Schaut er trunken von Entzücken Mondbeglänzte Zaubernacht. Aber nie darf er erschrecken, Wenn sich Wolken dunkel jagen, Finsternis die Sterne decken, Kaum der Mond es noch will wagen, Einen Schimmer zu erwecken. Ewig steht der Liebe Zelt, Von dem eignen Licht erhellt, Aber Mut nur kann zerbrechen, Was die Furcht will ewig schwächen, Die den Sinn gefangen hält. Keiner Liebe hat gefunden, Dem ein trüber Ernst beschieden, Flüchtig sind die goldnen Stunden, Welche immer den vermieden, Den die bleiche Sorg' umwunden: Wer die Schlange an sich hält, Dem ist Schatten vorgestellt, Alles was die Dichter sangen, Nennt der Arme, eingefangen, Wundervolle Märchenwelt. Herz im Glauben auferblühend Fühlt alsbald die goldnen Scheine, Die es lieblich in sich ziehend Macht zueigen sich und seine, In der schönsten Flamme glühend, Ist das Opfer angefacht, Wird's dem Himmel dargebracht, Hat dich Liebe angenommen, Auf dem Altar hell entglommen Steig auf in der alten Pracht.

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Wunder der Liebe Mondbeglänzte Zaubernacht, Die den Sinn gefangen hält, Wundervolle Märchenwelt, Steig auf in der alten Pracht! Liebe läßt sich suchen, finden, Niemals lernen oder lehren, Wer will da die Flamm entzünden, Ohne selbst sich zu verzehren, Muß sich reinigen der Sünden. Alles schläft, weil er noch wacht, Wann der Stern der Liebe lacht, Goldne Augen auf ihn blicken, Schaut er trunken von Entzücken Mondbeglänzte Zaubernacht. Aber nie darf er erschrecken, Wenn sich Wolken dunkel jagen, Finsternis die Sterne decken, Kaum der Mond es noch will wagen, Einen Schimmer zu erwecken. Ewig steht der Liebe Zelt, Von dem eignen Licht erhellt, Aber Mut nur kann zerbrechen, Was die Furcht will ewig schwächen, Die den Sinn gefangen hält. Keiner Liebe hat gefunden, Dem ein trüber Ernst beschieden, Flüchtig sind die goldnen Stunden, Welche immer den vermieden, Den die bleiche Sorg umwunden: Wer die Schlange an sich hält, Dem ist Schatten vorgestellt, Alles, was die Dichter sangen, Nennt der Arme, eingefangen, Wundervolle Märchenwelt. Herz im Glauben auferblühend Fühlt alsbald die goldnen Scheine, Die es lieblich in sich ziehend Macht zu eigen sich und seine, In der schönsten Flamme glühend. Ist das Opfer angefacht, Wird's dem Himmel dargebracht, Hat dich Liebe angenommen, Auf dem Altar hell entglommen Steig auf in der alten Pracht.

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Liebe denkt in süßen Tönen, Denn Gedanken stehn zu fern. Nur in Tönen mag sie gern Alles, was sie will, verschönen.

Tieck, L., Gedichte. Aus: Glosse

Gar mancher steht und wartet in der Welt Und weiß nicht recht, worauf er warten soll; Wer zu viel Freundschaft hofft, sieht selbst im Freunde Den kalten Fremden: diese Alltagswelt Ist voll von leeren Busen, leeren Herzen, Daß man die Liebe nicht verschleudern muß, Um nicht in jenen schlimmsten Fall zu kommen, Um Liebe einst zu betteln, und wie Bettler Mit Höhnen von der Thür gewiesen werden.

Tieck, Prinz Zerbino oder die Reise nach dem guten Geschmack. Gewissermaßen eine Fortsetzung des gestiefelten Katers. Ein deutsches Lustspiel in sechs Aufzügen, Erstdruck 1799. Zweiter Akt, 3. Szene, Waldbruder

Die Liebe selbst ist niemals ein Mißverständnis, nur stößt oder verwundet sie sich leicht an den Mißverständnissen des Lebens und der Wirklichkeit.

Tieck, Der Hexensabbat. Novelle, 1831

Macht die Liebe nicht alle Stände gleich?

Tieck, Der gestiefelte Kater. Ein Kindermärchen in drei Akten, mit Zwischenspielen, einem Prologe und Epiloge, 1797. Originaltext

Wie kurz ist das Leben, und warum sollen wir es mit unseren Beängstigungen noch mehr verkürzen?

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Wo der Teufel nicht selbst hin will, schickt er ein Weib.

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Hoffnung und Furcht ist die Lebenskraft, die unser Herz in Bewegung erhält und in jedem Moment der Leidenschaft sollten wir schon auf diese Abwechslung rechnen.

Tieck, Geschichte des Herrn William Lovell. An Rosa, 1795/96 (anonym), hier in der Fassung von 1828. Mortimer an Eduard Burton

Die Kraft zu lieben, die Gesundheit, sich, das Leben, Freundschaft und Geist zu genießen und zu erwidern, ist der Zauber, der alles bezwingt.

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Es ist eine Kunst in der Freundschaft wie in allen Dingen, und vielleicht daher, daß man sie nicht als Kunst erkennt und treibt, entspringt der Mangel an Freundschaft, über welchen alle Welt jetzt klagt.

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Man lebt, wenn man das Glück hat, mehrere Freunde zu besitzen, mit jedem Freunde ein eignes, abgesondertes Leben.

Tieck, Phantasus, 3 Bde., 1812-16

Wer lust'gen Mut zur Arbeit trägt und rasch die Arme stets bewegt, sich durch die Welt noch immer schlägt. Der Träge sitzt, weiß nicht wo aus, und über ihn stürzt ein das Haus. Mit frohen Segeln munter fährt der Frohe das Leben hinunter.

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7. Arbeit Vorwärts wandeln, wiederkehren, Und das Rohe neu gestalten, Ordnung in Verwirrung schalten, Wird auf Erden immer währen. Was gewesen, kommt auch wieder, Zukunft ist dereinst vergangen, Sterben muß jedwed' Verlangen, Und die Erde zieht uns nieder. Menschen, Element, Naturen Stehn zum Kampfe stets gerüstet, Alles schreckt und lockt; uns lüstet Wandeln auf der Erde Spuren. Jeder weiß, wie es gewesen, Wenn er Gegenwart beachtet; Wer sich selber recht betrachtet, Kann die ganze Erde lesen. Wie der Streit sich selbst versöhnet, Friede wird aus Krieg erzeuget, Wie der Regen hebt und beuget, So die Erde wird verschönet. Alle Mühe rennt zum Ziele, Zum Genusse wird das Streben: Also zieht Arbeit und Leben In der Erde wild Gewühle.

Tieck, L., Gedichte. Erster Teil, Erstdruck P. G. Hilscher, Dresden 1821. Lebenselemente