Stille Frage Es quillt des Abendsterns Geheimnißvoller Schein, So nah' und auch so fern, Mir in das Herz hinein. Drin glüht ein and'res Licht, So nah' und auch so fern, Das Herz umschließt es dicht – Doch weit ist's wie der Stern. Du gold'ner Liebesstrahl, Geh', frage deinen Stern, Bleibt er zu deiner Qual, Dir ewig, ewig fern?
Kam die Liebe in mein Herz gezogen, Kam nicht wie ein heitrer Sommertag, Kam nicht wie das junge Grün im Walde, Wie die duft'ge Blume auf der Halde, Kam wie Noth und bitt'res Ungemach. Wohl ist wie ein Sommertag sie kommen, Aber ganz von Staub und Gluth erfüllt; Wie das Grün vom nächt'gen Frost verheeret, Wie die Blume, die der Wurm verzehret, Eh' die Knospe sich noch ganz enthüllt! Anders, anders ahnte sie die Seele, Anders hoffte sie mein pochend Herz; Aber, ob sie mir im Festgeschmeide Sei erschienen, ob im Trauerkleide, Nimmer tausch' ich meinen süßen Schmerz!
Todte Freundschaft Es ist vorbei – auch dieser Traum ist aus, Auch diesen Kelch hat leer das Herz getrunken, Auch dieser Stern ist in den Staub gesunken – Hinweg, hinweg – es führt in dieses Haus Kein Gott mich mehr zurück! Weh' euren Banden – Ihr habt mich nie geliebt und nie verstanden! Warum denn locktet ihr mich falsch hinein, Warum habt meine Seele ihr gebettet Auf des Vertrauens Pfühl, bis sie gekettet Sich an euch fest mit ihrem ganzen Sein? Warum? Da eure Zungen dann bekannten – Daß ihr mich nie geliebt und nie verstanden! War ich ein Spielzeug nur in eurer Hand, Ein Zeitvertreib, den Geist euch zu ergetzen? Ihr labtet euch an meines Herzens Schätzen, Dann warfet achtlos ihr es in den Sand; Sprecht, ob von Schaam nicht eure Stirnen brannten – Die ihr mich nie geliebt und nie verstanden! Ich gehe – nimmer mißt zurück mein Fuß Die Straße – gehe sonder Muth und Glaube; Entrüstung hebt empor mich aus dem Staube, Allein es starb der Freundschaft Genius. Euch ist nur Wahn, was andre wahr empfanden – Mich habt ihr nie geliebt und nie verstanden!
Weiser Vorsatz Ich will nicht dein gedenken, Sollst nicht mehr bei mir sein In allem meinem Denken, In meinem ganzen Sein. Die Rose wird gepflücket Vom Sturm, an einem Tag, Den Felsen selbst zerstücket Ein einz'ger Donnerschlag. So will ich's auch erringen, Dem Alles ist geweiht – Schnell soll dies Herz erzwingen Sich die Vergeßlichkeit! Nicht, wie ja Alles müde Zu Grabe endlich schwankt, Nein, wie die Ros' verblühte, Und wie der Felsen wankt. So flieh miteinemSchlage Du Leid, so herb gesinnt, Dich tödt' aneinemTage, Vernunft, der rauhe Wind! Umsonst, umsonst ihr Mühen, Es trotzt ihr jede Stund – Nie wird des Herzens Glühen Besiegt vom weisen Mund!