Luise Otto-Peters (1819–1895)

5 Sprüche Romantik

Die wahre Liebe ist es, die jedes Wesen läutert, jeden schlummernden Keim des Edlen und Guten aus ihm hervorlockt, zur herrlichen Blüte bringt; sie allein ist es auch, die dem Leben trotzt und standhält, die in Wahrheit alles trägt und glaubt und hofft und des Gesetzes Erfüllung ist – des Gesetzes des Lebens.

Otto-Peters, Der Genius des Hauses, 1869

Liebe läßt sich nicht lehren, nicht von außen beibringen, wenn sie nicht von selbst im Herzen sich entfaltet – sie ist eine Blume, die, wie eine jede, den rechten heimischen Boden und Sonnenglanz und Wärme braucht, um in ihrer ganzen Schönheit und Größe erblühen zu können.

Otto-Peters, Der Genius des Hauses, 1869

Talismann Daß dieses Herz, das unruhvolle, Nicht ganz in sich verzagen darf, Auf welche öde, kalte Scholle Es auch ein hartes Schicksal warf! Daß meine Augen leuchtend glänzen, Als schauten sie gelobtes Land, Als weilten sie auf Siegeskränzen, Anstatt auf Kett und Sklavenband! Das dank ich einem Talismane, Den mir ein Bote Gottes gab, Ein Engel mit der Friedensfahne, Erhaben über Tod und Grab. Und soll ich noch das Kleinod nennen? O liebe nur – dann ist es Dein! Dann magst Du's einer Welt bekennen: Im Lieben nur ist Trost allein!

Otto-Peters, Mein Lebensgang. Gedichte aus 5 Jahrzehnten, 1893

Mission der Kunst Heißtdasdem Leben seine Schuld bezahlen, Weil wir ein höchstes Ziel doch nie erreichen, Die Müh' zu scheuen, zu ihm aufzusteigen Auf steilem Pfad umringt von Warnungsmalen? Die Sonne winkt mit ihren goldnen Strahlen Zur Höhe wo die Alltagsnebel weichen – Dort wird die Welt im andern Licht sich zeigen Heißt Deine Losung:treu dem Idealen.Ist sie Dir fest und treu ins Herz geschrieben, So laß nicht ab vom mut'gen Aufwärtsstreben, Bist Du auch noch so fern vom Ziel geblieben! Die Selbstvollendung schuldest Du dem Leben! Versuche denn, von Menschenlieb getrieben,Das Ideal der Menschheit zu verweben!

Otto-Peters, Mein Lebensgang. Gedichte aus 5 Jahrzehnten, 1893

Die Grundlage der Erziehung muß das Haus übernehmen, aber die Selbsterziehung, zu welcher der Mensch nur in der Einsamkeit, in der Stunde des Nachdenkens über sich selbst, im stillen Verkehr mit seinem eigenen Fühlen und Denken kommt, darf ebensowenig fehlen wie die Erziehung durchs Leben, die im Umgang mit andern, zumeist unbewußt von diesen und von diesen nicht minder erfolgreich, wie durch mannigfaltige Schicksale, erworben wird.

Otto-Peters, Der Genius des Hauses, 1869