Marianne Ehrmann (1755–1795)

4 Sprüche Klassik

Das, was die Menschen gewöhnlich Liebe heißen, ist nicht Liebe, sondern das Werk ihrer Sinnen, oder der Wiederhall ihrer Eigenliebe.

Ehrmann, Kleine Fragmente für Denkerinnen. Von der Frau Verfasserinn der Philosophie eines Weibs, 1789. Originaltext

Von allen Leidenschaften ist Liebe die allgemein herrschende, und ich darf beinahe sagen, daß sie die einzige ist, der ehrliche Leute frohnen, denn – man wird den ehrlichsten Mann, das ehrlichste Weib – verliebt sehen. Und der Sieg über sie ist nur dem Mißtrauen in sich selbst, und der Flucht gewähret.

Ehrmann, Philosophie eines Weibs. Von einer Beobachterin, 1784 (anonym)

Alle Herzen sind zu fühlen geschaffen, und alle Vergnügungen scheinen gemacht zu seyn, der Seele Liebe einzuflößen.

Ehrmann, Philosophie eines Weibs. Von einer Beobachterin, 1784 (anonym)

Im Gemählde der Welt ist der männliche Ernst Schatten gegen den weiblichen Witz, der so oft Licht verbreitet. Darauf war ich weniger bedacht als auf den Wunsch, daß nur einige wenigstens aus dem guten Rath, den gemeiniglich die Erfahrung eines dritten zu geben pflegt, … diese Wahrheit liebgewinnen möchten: daß sie nie Friede in ihrem Herzen, nie Beruhigung in ihren Begierden finden werden, wenn sie je die Hallen des Leichtsinns betreten.

Ehrmann, Philosophie eines Weibs. Von einer Beobachterin, 1784 (anonym). Vorrede. Originaltext