Marie von Ebner-Eschenbach (1830–1916)

115 Sprüche Romantik

Der sich keine Annehmlichkeit versagen kann, wird sich nie ein Glück erobern.

Ebner-Eschenbach, Aphorismen. Parabeln, Märchen und Gedichte (= Gesammelte Schriften, 1. Band), 1893

Auch in ein neues Glück muß man sich schicken lernen.

Ebner-Eschenbach, Aphorismen, 1880

Du kannst dem Glück nicht ein Pförtlein öffnen, ohne zugleich der Sorge ein Tor aufzureißen.

Ebner-Eschenbach, Aphorismen, Parabeln, Märchen und Gedichte, 1905

Man sollte nicht sprechen von der Kunst, glücklich zu sein, sondern von der Kunst, sich glücklich zu fühlen.

Ebner-Eschenbach, Aphorismen, 1880

Daß andere Leute kein Glück haben, finden wir sehr leicht natürlich, daß wir selbst keines haben, immer unfaßbar.

Ebner-Eschenbach, Aphorismen. Parabeln, Märchen und Gedichte (= Gesammelte Schriften, 1. Band), 1893

Sich glücklich fühlen können auch ohne Glück – dasistGlück.

Ebner-Eschenbach, Aus einem zeitlosen Tagebuch, 1916

Ich gedachte, Wie mit der Zeit sich stets der Kreis erweitert, In dem ich sucht' und fand mein reinstes Glück: Wie manches neue, kleine Wesen kam, Das einen Platz erstrebte zwischen uns Und ihn erhielt und jedes obendrein Bei seinem Eintritt auch mein ganzes Herz. Dasganze Jedes– henkt die Mathematik! Denn immer noch ein ganzes bleibt mir übrig, Es zu verschenken, wenn es wieder gilt. Nicht protzen möcht ich, aber solcher Reichtum Ist unerhört in meinen hohen Jahren. Ich dank' ihn euch, so seid mir denn bedankt, Ihr Großen und ihr Kleinen, Fernen, Nahen. Durch meiner Liebe, eurer Liebe Kraft Begibt an mir ein schönes Wunder sich: "Die Kinderlose hat die meisten Kinder."

Ebner-Eschenbach, Aphorismen. Parabeln, Märchen und Gedichte (= Gesammelte Schriften, 1. Band), 1893. Aus: Liebeserklärung

Die meisten Menschen brauchen mehr Liebe, als sie verdienen.

Ebner-Eschenbach, Aphorismen, 1880

Hoffnungslose Liebe macht den Mann kläglich und die Frau beklagenswert.

Ebner-Eschenbach, Aphorismen. Parabeln, Märchen und Gedichte (= Gesammelte Schriften, 1. Band), 1893

Nichts macht uns feiger und gewissenloser als der Wunsch, von allen Menschen geliebt zu werden.

Ebner-Eschenbach, Aphorismen (in: Sämtliche Werke, Erster Band), 1920

Liebe ist Qual, Lieblosigkeit ist Tod.

Ebner-Eschenbach, Aphorismen. Parabeln, Märchen und Gedichte (= Gesammelte Schriften, 1. Band), 1893

Die Liebe hat nicht nur Rechte, sie hat auch immer recht.

Ebner-Eschenbach, Aphorismen (in: Neue Monatshefte für Dichtkunst und Kritik), 1877

Die größte Gewalt über einen Mann hat die Frau, die sich ihm zwar versagt, ihn aber in dem Glauben zu erhalten versteht, daß sie seine Liebe erwidere.

Ebner-Eschenbach, Aphorismen, 1880

Die Kraft verleiht Gewalt, die Liebe leiht Macht.

Ebner-Eschenbach, Aphorismen. Parabeln, Märchen und Gedichte (= Gesammelte Schriften, 1. Band), 1893

Die Liebe überwindet den Tod, aber es kommt vor, daß eine kleine üble Gewohnheit die Liebe überwindet.

Ebner-Eschenbach, Aphorismen. Parabeln, Märchen und Gedichte (= Gesammelte Schriften, 1. Band), 1893

Es gibt Frauen, die ihre Männer mit einer ebenso blinden, schwärmerischen und rätselhaften Liebe lieben, wie Nonnen ihr Kloster.

Ebner-Eschenbach, Aphorismen (in: Neue Monatshefte für Dichtkunst und Kritik), 1876

Ist eine Liebe langsam und allmählich entstanden, dann wird sie auch lange nicht vergehen. Ist sie gleich einem Blitze entflammt, dann mag es sein, dass sie auch rasch wie dieser wieder verschwindet.

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Die uns gespendete Liebe, die wir nicht als Segen und Glück empfinden, empfinden wir als eine Last.

Ebner-Eschenbach, Aphorismen, 1880

Die Menschen, die wir am meisten verwöhnen, sind nicht immer die, die wir am meisten lieben.

Ebner-Eschenbach, Aphorismen, 1880

Treue Liebe kann zwischen Menschen von sehr verschiedenem, dauernde Freundschaft nur zwischen Menschen von gleichem Werte bestehen. Aus diesem Grunde ist die zweite viel seltener als die erste.

Ebner-Eschenbach, Aphorismen. Parabeln, Märchen und Gedichte (= Gesammelte Schriften, 1. Band), 1893

Es gibt eine schöne Form der Verstellung: die Selbstüberwindung – und eine schöne Form des Egoismus: die Liebe.

Ebner-Eschenbach, Aphorismen, 1880