Die Liebe Die Liebe hemmet nichts; sie kennt nicht Tür noch Riegel, Und dringt durch alles sich; Sie ist ohn Anbeginn, schlug ewig ihre Flügel, Und schlägt sie ewiglich.
Ich habe Dich geliebet und ich will Dich lieben, Solang Du goldner Engel bist; In diesem wüsten Lande hier, und drüben Im Lande wo es besser ist.
Liebt euch auf Erden, liebt, und wißt, Daß Gott im Himmel Liebe ist.
Phidile Ich war erst sechszehn Sommer alt, Unschuldig und nichts weiter, Und kannte nichts als unsern Wald, Als Blumen, Gras, und Kräuter. Da kam ein fremder Jüngling her; Ich hatt ihn nicht verschrieben, Und wußte nicht wohin noch her; Der kam und sprach von Lieben. Er hatte schönes langes Haar Um seinen Nacken wehen; Und einen Nacken, als das war, Hab ich noch nie gesehen. Sein Auge, himmelblau und klar! Schien freundlich was zu flehen; So blau und freundlich, als das war, Hab ich noch keins gesehen. Und sein Gesicht, wie Milch und Blut! Ich hab's nie so gesehen; Auch, was er sagte, war sehr gut, Nur konnt ich's nicht verstehen. Er ging mir allenthalben nach, Und drückte mir die Hände, Und sagte immer Oh und Ach, Und küßte sie behende. Ich sah ihn einmal freundlich an, Und fragte, was er meinte; Da fiel der junge schöne Mann Mir um den Hals, und weinte. Das hatte niemand noch getan; Doch war's mir nicht zuwider, Und meine beide Augen sahn In meinen Busen nieder. Ich sagt ihm nicht ein einzig Wort, Als ob ich's übelnähme, Kein einzigs, und – er flohe fort; Wenn er doch wiederkäme!
Ja, die Lieb ist 'n eigen Ding.
Die Liebe ruhet nicht; sie kann in ihren Wirkungen und in ihrem Wohltun gestöret und gehindert werden; aber sie hört nicht auf zu lieben, wie die Sonne nicht aufhört zu scheinen.
Es freut mich jedesmal in die Seele, wenn ich von einem Menschen höre, der bei einer Leidenschaft den Kopf immer noch oben behält, und Braut und Bräutigam für etwas Bessers vergessen kann.
An die Nachtigall Er liegt und schläft an meinem Herzen, Mein guter Schutzgeist sang ihn ein; Und ich kann fröhlich sein und scherzen, Kann jeder Blum und jedes Blatts mich freun. Nachtigall, Nachtigall, ach! Sing mir den Amor nicht wach!
Dazu bleiben wir nicht ewig unter den Sternen und unser Erdenleben ist nur eine kleine Strecke auf der ganzen Bahn unsrer Existenz.
Wir sind nicht umsonst in diese Welt gesetzt; wir sollen hier reif für eine andre werden.
Und man holt recht gut Luft, ohne zu wissen wie sie geholt werden muß und geholt wird.
An – als ihm die – starb Der Säemann säet den Samen, Die Erd empfängt ihn, und über ein kleines Keimet die Blume herauf – Du liebtest sie. Was auch dies Leben Sonst für Gewinn hat, war klein Dir geachtet, Und sie entschlummerte Dir! Was weinest Du neben dem Grabe Und hebst die Hände zur Wolke des Todes Und der Verwesung empor? Wie Gras auf dem Felde sind Menschen Dahin, wie Blätter! Nur wenige Tage Gehn wir verkleidet einher! Der Adler besuchet die Erde, Doch säumt nicht, schüttelt vom Flügel den Staub, und Kehret zur Sonne zurück!
Du mußt deinen Freund mit allem was an ihm ist in deinen Arm und in deinen Schutz nehmen.
Mache nicht schnell jemand deinen Freund, ist er's aber einmal, so muß er's gegen den dritten Mann mit allen seinen Fehlern sein.
Es gibt einige Freundschaften, die im Himmel beschlossen sind und auf Erden vollzogen werden.
Hat dein Freund an sich das nicht taugt; so mußt du ihm das nicht verhalten und es nicht entschuldigen gegen ihn. Aber gegen den dritten Mann mußt du es verhalten und entschuldigen.
Das erste Gesetz der Freundschaft soll doch sein: daß einer des andern Freund sei. Und das zweite ist, daß du's von Herzen seist und Gutes und Böses mit ihm teilest, wie's vorkömmt. Die Delikatesse, da man den und jenen Gram allein behalten und seines Freundes schonen will, ist meistens Zärtelei; denn eben darum ist er dein Freund, daß er mit untertrete und es deinen Schultern leichter mache. Drittens laß du deinen Freund nicht zweimal bitten. Aber, wenn's not ist und er helfen kann; so nimm du auch kein Blatt vors Maul, sondern gehe und fordre frisch heraus, als ob's so sein müßte und gar nicht anders sein könne.
Einerlei Gefühl, einerlei Wunsch, einerlei Hoffnung einigt; und je inniger und edler dies Gefühl, dieser Wunsch und diese Hoffnung sind, desto inniger und edler ist auch die Freundschaft, die daraus wird.
Niemand ist weise von Mutterleibe an; Zeit und Erfahrung lehren hier, und fegen die Tenne.
Dein Dichter soll nicht ewig Wein Nicht ewig Amorn necken! Die Barden müssen Männer sein, Und Weise sein, nicht Gecken!
Wenn Dich jemand will Weisheit lehren, so siehe in sein Angesicht. Dünket er sich noch; und sei er noch so gelehrt und noch so berühmt, laß ihn und gehe seiner Kundschaft müßig. Was einer nicht hat, das kann er auch nicht geben.