Michel de Montaigne (1533–1592)

106 Sprüche Renaissance

Nach meiner Meinung ist es das glückliche Leben und nicht das glückliche Sterben, worin die menschliche Glückseligkeit beruht.

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Die Liebe duldet es nicht, daß man sich anders als durch sie bindet.

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Wenn ein Mann einer Frau verspricht, sie ewig zu lieben, dann setzt er voraus, daß sie immer liebenswert bleiben wird.

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Das heißt wirklich lieben: Jemand beleidigen und verwunden, um ihn zu bessern! Ich finde es hart, jemanden zu beurteilen, bei dem die schlechten Eigenschaften die guten überwiegen.

Montaigne, Essais, Erstdruck 1579, erste Gesamtausgabe 1595 (posthum)

Venus und Bacchus sind gerne beisammen, wie das Sprichwort sagt. Bei mir ist Venus munterer, wenn sie von der Nüchternheit begleitet ist.

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Die Liebe will nicht, daß man sich anders als durch sie allein gebunden fühlt, sie hängt nur lose mit solchen Bindungen zusammen, die, wie die Ehe, unter anderen Gesichtspunkten geknüpft worden sind und zusammengehalten werden: Verwandtschaft und Besitz beanspruchen dabei ebenso viel Berücksichtigung wie Anmut und Schönheit.

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Die Liebe ist wie der Mond: Wenn sie nicht zunimmt, dann nimmt sie ab.

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Selbst jene, welchen das Alter die körperlichen Kräfte geraubt hat, zittern, wiehern und spreizen sich vor Liebe.

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Wenn ein Mann mich drängte, ihm einen Grund anzugeben, warum ich ihn liebe, könnte ich nur folgende Antwort geben: weil er es ist, weil ich es bin.

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Unser großes und ruhmreiches Meisterstück ist es, angemessen zu leben. Alles andere – zu herrschen, Schätze zu bewahren, aufzubauen – sind bestenfalls Anhängsel und Requisite.

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Die Nützlichkeit des Lebens liegt nicht in seiner Länge, sondern in seiner Anwendung.

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Die oberste Aufgabe, zu der wir berufen sind, ist für jeden, sein eigenes Leben zu führen.

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Unser großes und herrliches Meisterwerk ist: richtig leben.

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Wer die Menschen sterben lehrt, lehrt sie leben.

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Es liegt in eurem Willen, nicht in der Anzahl der Jahre, daß ihr hinlänglich gelebt habt.

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Ich schildere nicht das Sein, ich schildere das Unterwegssein; weniger von einem Lebensalter zum anderen als von Tag zu Tag, von Minute zu Minute.

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Das Menschenleben hat seine Gesetze, man muß sich ihnen mit freundlichem Gesicht fügen: Es ist uns bestimmt, zu altern und manchmal schwach oder krank zu werden, und zwar aller Ärztekunst zum Trotz.

Montaigne, Essais, Erstdruck 1579, erste Gesamtausgabe 1595 (posthum)

Wie kann man das Leben verstehen, wenn man es nicht auffaßte als das Arbeiten jedes Einzelnen am Geiste, man kann wohl sagen, am Heiligen Geiste.

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Recht zu leben – das sollte unser großes und leuchtendes Meisterwerk sein! Alle anderen Dinge wie Herrschen, Horten und Häuserbauen sind höchstenfalls Anhängsel und Beiwerk.

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Eine außerordentliche Sorge trieb den Menschen, sein Dasein zu verlängern. Er hat alles, was ihm möglich war, dazu getan. In betreff seines Körpers die Grabmäler, in betreff seines Namens den Ruhm.

Montaigne, Essais, Erstdruck 1579, erste Gesamtausgabe 1595 (posthum)

Das Meisterstück eines Menschen, auf das er besonders stolz sein kann, ist, sinnvoll zu leben: Alles übrige – wie regieren, Schätze sammeln, Bauten errichten – sind Nebensachen.

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