Nikolaus Lenau (1802–1850)

26 Sprüche Klassik

Frage O Menschenherz, was ist dein Glück? Ein rätselhaft geborner Und, kaum gegrüßt, verlorner, Unwiederholter Augenblick!

Lenau, N., Gedichte. Entst. wahrscheinlich 1821/22

Welke Rosen In einem Buche blätternd fand Ich eine Rose welk, zerdrückt, Und weiß auch nicht mehr, wessen Hand Sie einst für mich gepflückt. Ach, mehr und mehr im Abendhauch Verweht Erinn'rung; bald zerstiebt Mein Erdenlos, dann weiß ich auch Nicht mehr, wer mich geliebt.

Lenau, N., Gedichte

Auf dem Teich, dem regungslosen, Weilt des Mondes holder Glanz, Flechtend seine bleichen Rosen In des Schilfes grünen Kranz. Hirsche wandeln dort am Hügel, Blicken in die Nacht empor; Manchmal regt sich das Geflügel Träumerisch im tiefen Rohr. Weinend muß mein Blick sich senken; Durch die tiefste Seele geht Mir ein süßes Deingedenken, Wie ein stilles Nachtgebet!

Lenau, N., Gedichte. Schilflieder

Nie soll weiter sich ins Land Lieb von Liebe wagen, Als sich blühend in der Hand Läßt die Rose tragen.

Lenau, N., Gedichte. Aus: An die Entfernte, 1837

An die Entfernte 1. Diese Rose pflück ich hier, In der fremden Ferne; Liebes Mädchen, dir, ach dir Brächt ich sie so gerne! Doch bis ich zu dir mag ziehn Viele weite Meilen, Ist die Rose längst dahin, Denn die Rosen eilen. Nie soll weiter sich ins Land Lieb von Liebe wagen, Als sich blühend in der Hand Läßt die Rose tragen; Oder als die Nachtigall Halme bringt zum Neste, Oder als ihr süßer Schall Wandert mit dem Weste. 2. Rosen fliehen nicht allein Und die Lenzgesänge, Auch dein Wangenrosenschein, Deine süßen Klänge. O, daß ich, ein Tor, ein Tor, Meinen Himmel räumte! Daß ich einen Blick verlor, Einen Hauch versäumte! Rosen wecken Sehnsucht hier, Dort die Nachtigallen, Mädchen, und ich möchte dir In die Arme fallen!

Lenau, N., Gedichte. Liebesklänge

Liebesfeier An ihren bunten Liedern klettert Die Lerche selig in die Luft; Ein Jubelchor von Sängern schmettert Im Walde, voller Blüt und Duft. Da sind, so weit die Blicke gleiten, Altäre festlich aufgebaut, Und all die tausend Herzen läuten Zur Liebesfeier dringend laut. Der Lenz hat Rosen angezündet An Leuchtern von Smaragd im Dom; Und jede Seele schwillt und mündet Hinüber in den Opferstrom.

Lenau, N., Gedichte. 1832

Blick einem Weibe, das dich liebt, Ins Auge, und dein Gram zerstiebt [...].

Lenau, Faust. Ein Gedicht. Drama, entstanden 1836. Der Jugendfreund. Isenburg

Scheideblick Als ein unergründlich Wonnemeer Strahlte mir dein tiefer Seelenblick; Scheiden mußt' ich ohne Wiederkehr, Und ich habe scheidend all mein Glück Still versenkt in dieses tiefe Meer.

Lenau, N., Gedichte

Noch leichter als die Jugend flieht die Liebe.

Lenau, N., Gedichte. Aus: Jugend und Liebe, 1836

Durch die tiefste Seele geht Mein süßes Deingedenken, Wie ein stilles Nachtgebet!

Lenau, N., Gedichte. Schilflieder. Aus: Sehnsucht, 1831

An * (1837) Ach wärst du mein, es wär' ein schönes Leben, So aber ist's Entsagen nur und Trauern, Nur ein verlornes Grollen und Bedauern; Ich kann es meinem Schicksal nicht vergeben. Undank tut wohl und jedes Leid der Erde; Ja! meine Freund' in Särgen, Leich' an Leiche, Sind ein gelinder Gram, wenn ich's vergleiche Dem Schmerz, daß ich dich nie besitzen werde.

Lenau, N., Gedichte

Frage nicht Wie sehr ich dein, soll ich dir sagen? Ich weiß es nicht und will nicht fragen; Mein Herz behalte seine Kunde, Wie tief es dein im Grunde. O still! ich möchte sonst erschrecken, Könnt ich die Stelle nicht entdecken, Die unzerstört für Gott verbliebe Beim Tode deiner Liebe.

Lenau, N., Gedichte

Trübe wird's die Wolken jagen, Und der Regen niederbricht, Und die lauten Winde klagen: "Teich, wo ist dein Sternenlicht?" Suchen den erlosch'nen Schimmer Tief im aufgewühlten See. Deine Liebe lächelt nimmer Nieder in mein tiefes Weh!

Lenau, N., Gedichte. Schilflieder, 1832

Das Mondlicht Dein gedenkend irr ich einsam Diesen Strom entlang; Könnten lauschen wir gemeinsam Seinem Wellenklang! Könnten wir zusammen schauen In den Mond empor, Der da drüben aus den Auen Leise taucht hervor. Freundlich streut er meinem Blicke Aus dem Silberschein Stromhinüber eine Brücke Bis zum stillen Hain. – Wo des Stromes frohe Wellen Durch den Schimmer ziehn, Seh ich, wie hinab die schnellen Unaufhaltsam fliehn. Aber wo im schimmerlosen Dunkel geht die Flut, Ist sie nur ein dumpfes Tosen, Das dem Auge ruht. Daß doch mein Geschick mir brächte Einen Blick von dir! Süßes Mondlicht meiner Nächte, Mädchen, bist du mir! Wenn nach dir ich oft vergebens In die Nacht gesehn, Scheint der dunkle Strom des Lebens Trauernd stillzustehn; Wenn du über seinen Wogen Strahlest zauberhell, Seh ich sie dahingezogen, Ach! nur allzuschnell!

Lenau, N., Gedichte. 1827 oder 1831/32

Das Leben täuscht uns lange, Du zeigst, der Schminke bar, Des Lebens welke Wange, Oh Schmerz; wie bist du wahr!

Lenau, N., Gedichte. Aus: Der Schmerz

Der Lebensgang ist Schlachtengang.

Lenau, Faust. Ein Gedicht. Drama, entstanden 1836. Görg

Doch wer da lebt, die Erde zu gestalten, Kann drauf nicht lang und tiefe Ruhe halten.

Lenau, Die Albigenser. Versepos, entstanden 1838/1842

Das Leben ist ein vielbesagtes Wandern, ein wüstes Jagen ist's von dem zum andern, und unterwegs verlieren wir die Kräfte.

Lenau, N., Gedichte. Aus: Eitel nichts, 1844

Der Postillion (1833) Lieblich war die Maiennacht, Silberwölklein flogen, Ob der holden Frühlingspracht Freudig hingezogen. Schlummernd lagen Wies und Hain, Jeder Pfad verlassen; Niemand als der Mondenschein Wachte auf der Straßen. Leise nur das Lüftchen sprach, Und es zog gelinder Durch das stille Schlafgemach All der Frühlingskinder. Heimlich nur das Bächlein schlich, Denn der Blüten Träume Dufteten gar wonniglich Durch die stillen Räume. Rauher war mein Postillion, Ließ die Geißel knallen, Über Berg und Tal davon Frisch sein Horn erschallen. Und von flinken Rossen vier Scholl der Hufe Schlagen, Die durchs blühende Revier Trabten mit Behagen. Wald und Flur im schnellen Zug Kaum gegrüßt – gemieden; Und vorbei, wie Traumesflug, Schwand der Dörfer Frieden. Mitten in dem Maienglück Lag ein Kirchhof innen, Der den raschen Wanderblick Hielt zu ernstem Sinnen. Hingelehnt an Bergesrand War die bleiche Mauer, Und das Kreuzbild Gottes stand Hoch, in stummer Trauer. Schwager ritt auf seiner Bahn Stiller jetzt und trüber; Und die Rosse hielt er an, Sah zum Kreuz hinüber: »Halten muß hier Roß und Rad, Mags euch nicht gefährden: Drüben liegt mein Kamerad In der kühlen Erden! Ein gar herzlieber Gesell! Herr, 's ist ewig schade! Keiner blies das Horn so hell Wie mein Kamerade! Hier ich immer halten muß, Dem dort unterm Rasen Zum getreuen Brudergruß Sein Leiblied zu blasen!« Und dem Kirchhof sandt er zu Frohe Wandersänge, Daß es in die Grabesruh Seinem Bruder dränge. Und des Hornes heller Ton Klang vom Berge wieder, Ob der tote Postillion Stimmt' in seine Lieder. – Weiter gings durch Feld und Hag Mit verhängtem Zügel; Lang mir noch im Ohre lag Jener Klang vom Hügel.

Lenau, N., Gedichte. Reiseblätter

Kein Frühling weiß so traut und wohl zu klingen, Als wenn zum Herzen Freundesworte dringen; So tönt kein Lied in kummervollen Stunden, Wie wenn der Freund das rechte Wort gefunden.

Lenau, Die Albigenser. Versepos, entstanden 1838/1842

Ich habs erfahren: Weib und Kind Das höchste Gut auf Erden sind.

Lenau, Faust. Ein Gedicht. Drama, entstanden 1836. Der Jugendfreund. Isenburg