Die Liebe ging auf dunkler Bahn Vom Monde nur erblickt, Das Schattenreich war aufgetan Und seltsam aufgeschmückt. Ein blauer Dunst umschwebte sie Mit einem goldnen Rand, Und eilig zog die Phantasie Sie über Strom und Land. Es hob sich ihre volle Brust In wunderbarem Mut; Ein Vorgefühl der künft'gen Lust Besprach die wilde Glut. Die Sehnsucht klagt' und wußt' es nicht, Daß Liebe näher kam, Und tiefer grub in ihr Gesicht Sich hoffnungsloser Gram. Die kleine Schlange blieb getreu: Sie wies nach Norden hin, Und beide folgten sorgenfrei Der schönen Führerin. Die Liebe ging durch Wüstenein Und durch der Wolken Land, Trat in den Hof des Mondes ein Die Tochter an der Hand. Er saß auf seinem Silberthron, Allein mit seinem Harm; Da hört' er seines Kindes Ton, Und sank in ihren Arm.
Man betrachte nur die Liebe. Nirgends wird wohl die Notwendigkeit der Poesie zum Bestand der Menschheit so klar, als in ihr. Die Liebe ist stumm, nur die Poesie kann für sie sprechen.
1. Welcher Lebendige, Sinnbegabte, Liebt nicht vor allen Wundererscheinungen Des verbreiteten Raums um ihn Das allerfreuliche Licht – Mit seinen Stralen u[nd] Wogen Seinen Farben, Seiner milden Allgegenwart Im Tage. Wie des Lebens Innerste Seele Atmet es die Riesenwelt Der rastlosen Gestirne Die in seinem blauen Meere schwimmen, Atmet es der funkelnde Stein, Die ruhige Pflanze Und der Tiere Vielgestaltete, Immerbewegte Kraft –
Wenn sanft von Rosenhügeln Der Tag nach Westen schleicht, Der Nacht mit Schlummerflügeln Und Sternenchor entweicht, Will ich die Liebe singen Auf der Theorbe hier, Mein Lockenhaar umschlingen Mit süßen Myrten ihr. Es soll dann widertönen In dieser Grotte Nacht Das Loblied meiner Schönen, Wenn nur die Quelle wacht. Und wenn vom Morgensterne Mir Wonne niederblinkt, Und sich die heitre Ferne Mit Rosenkranz umschlingt, Tön ich in kühlen Klüften Auch meiner Liebe Lied, Umtanzt von Blumendüften, Wenn aller Schlummer flieht, Und rund um mich erwachet Der Nachtigallen Chor Und jede Aue lachet Und jeder Hirt ist Ohr: Nein, Süßers als die Liebe Empfand kein Sterblicher, Was hie bevor war trübe, Wird durch sie lieblicher.
Man genoß das Leben mit langsamen, kleinen Zügen wie einen köstlichen Trank, und mit desto reinerem Wohlbehagen, da alle widrige gehässige Leidenschaften, wie Mißtöne von der sanften harmonischen Stimmung verscheucht wurden, die in allen Gemütern herrschend war.
Unser Leben ist kein Traum, aber es soll und wird vielleicht einer werden.
Leben ist der Anfang des Todes. Das Leben ist um des Todes willen.
Alles Leben ist ein überschwenglicher Erneuerungsprozeß, der nur (von der Seite) den Schein eines Vernichtungsprozesses hat.
Unser ganzes Leben ist Gottesdienst.
Leben ist ein Feuerprozeß. Je reiner der Geist, desto reiner und feuriger das Leben, die Säuerung oder Animierung.
Gottlob! daß ich auf Erden bin Und Leib und Seele habe; Ich danke Gott in meinem Sinn Für diese große Gabe. Der Leib ist mir doch herzlich lieb Trotz seiner Fehl und Mängel, Ich nehme gern mit ihm vorlieb Und neide keinen Engel. Ich küsse gern mein braunes Weib Und meine lieben Kinder, Und das tut wahrlich doch mein Leib, Und mir ist es gesünder, Als wenn ich mit Philosophie Die Seele mir verdürbe, Denn ein klein wenig Not macht sie, Die liebe Weisheit, mürbe.
Alle Menschen seh ich leben Viele leicht vorüberschweben Wenig mühsam vorwärtsstreben Doch nur Einem ists gegeben Leichtes Streben, schwebend leben. Wahrlich der Genuß ziemt Toren In der Zeit sind sie verloren, Gleichen ganz den Ephemeren[.] In dem Streit mit Sturm und Wogen Wird der Weise fortgezogen Kämpft um niemals aufzuhören Und so wird die Zeit betrogen Endlich unters Joch gebogen Muß des Weisen Macht vermehren. Ruh ist Göttern nur gegeben Ihnen ziemt der Überfluß Doch für uns ist Handeln Leben Macht zu üben nur Genuß.
Das Wunderbarste, das ewige Phänomen ist das eigene Dasein.
Leben ist eine Krankheit des Geistes, ein leidenschaftliches Tun.
Das Leben soll kein uns gegebener, sondern ein von uns gemachter Roman sein.
Alles Leben ist ein ununterbrochener Strom. Leben kommt nur vom Leben.
Helft uns nur den Erdgeist binden, Lernt den Sinn des Todes fassen Und das Wort des Lebens finden; Einmal kehrt euch um.
Je mehr man lernt, nicht mehr in Augenblicken, sondern in Jahren usw. zu leben, desto edler wird man.
Für das Lebendige ist kein Ersatz.
Das Leben ist etwas wie Farben, Töne und Kraft.
Das Leben ist ein moralisches Prinzip.