Omar Chayyam (1048–1131)

19 Sprüche Mittelalter

Hast du in das Buch der Liebe deinen Namen eingeschrieben, nicht mehr denkst du an Strafe oder an Belohnung drüben.

Chayyam, Strophen des Omar Chiijam, übersetzt von Adolf Friedrich Graf von Schack 1878

… wir sind geschaffen zu lieben. Alle Genüsse des Lebens sind für diejenigen, die lieben. Seid fröhlich und ohne Angst.

Internet

Das Kommen, Gehen aller Menschen gleicht Dem Anfang, der das Ende nicht erreicht. Des Kreises Rätsel deutet nie der Mensch; Er lebt, bis Gott ihn aus dem Buche streicht.

Internet

Dem Sturme, der hinbraust zwischen Trümmern, gleicht unser Leben; es gleicht nur Stunden. Drum will ich mich um zwei Tage nicht kümmern: Um den, der noch kommt, und um den, der geschwunden.

Internet

Das Leben ist ein Schachbrett von Nächten und Tagen, auf dem das Schicksal mit menschlichen Figuren spielt: Es schiebt sie hier nach dort über das Brett, vereint und vernichtet und nimmt die Figuren eine nach der anderen wieder aus dem Spiel.

Internet

Durch all die Jahre, die ich durchgelebt, Hab' eines Bruders Freundschaft ich erstrebt, Der unsern Freundschaftsbund nicht jählings ende, Sein Wort nicht bräche, noch sich von mir wende. Bei wieviel Freunden mußt' ich dann erfahren, Daß alles eher sie als Brüder waren! Und ach, wie oft, wie oft ersetzte wieder Ich solche Brüder dann durch neue Brüder! Zuletzt, als Jahr für Jahr mir so vergangen, Sprach ich zu mir: Umsonst ist dein Verlangen. Bei Gott, so lang noch dauert hier mein Leben, Will ich nicht mehr nach Menschenfreundschaft streben.

Chayyam, Die Sinnsprüche Omars des Zeltmachers (Rubaijat-i-Omar-i-Khajjam), übersetzt von Friedrich Rosen 1909. Aus: Rosen (Gedichtfragment)

Soviel Herzen such zu fesseln, wie du irgend fesseln kannst! Glücklich du, wenn du auf Erden einen treuen Freund gewannst! Minder wert sind hundert Kaabas, als ein Herz von guter Art, Drum nach einem Herzen richte, statt nach Mekka, deine Fahrt!

Chayyam, Strophen des Omar Chiijam, übersetzt von Adolf Friedrich Graf von Schack 1878

Solchen selbst, auf deren Wissen alle Welt bewundernd schaut, Deren Geist des höchsten Fluges durch den Himmel sich getraut, Ja auch ihnen, wenn der Dinge Urgrund sie ergründen wollen, Wird es schwindeln, und sie wissen nicht mehr, was sie sagen sollen.

Chayyam, Strophen des Omar Chiijam, übersetzt von Adolf Friedrich Graf von Schack 1878

So viel der Weisen auf Erden auch aufgetreten Und neue Lehren auf die alten gepfropft, Man hat sie hinausgeworfen als falsche Propheten Und ihnen die Münder mit Erde gestopft.

Internet

Von wohl siebzig Religionen hör ich, die's auf Erden gibt; doch die wahre Religion ist die nur, daß der Mensch dich liebt.

Internet

Nimm an, dein Leben sei ganz nach Wunsch gewesen – was dann? Und wenn das Lebensbuch nun ausgelesen – was dann? Nimm an, du lebtest in Freuden hundert Jahr – nimm meinthalb an, es seien zweihundert gewesen – was dann?

Chayyam, Die Sinnsprüche Omars des Zeltmachers (Rubaijat-i-Omar-i-Khajjam), übersetzt von Friedrich Rosen 1909

Von allen, die das dunkle Tor durchquert, - Wie seltsam - keiner ist zurückgekehrt, Die Straße uns zu schildern, die er fuhr, Die zu erforschen jeder einstens fährt.

Internet

Meinen tongeformten Becher brach ich gestern Nacht entzwei; Trunken bin ich wohl gewesen, und mir däuchte, einen Schrei Hört' ich durch des Bechers Scherben, die am Boden lagen, schleichen: "Deinesgleichen war ich ehmals; morgen bist du meinesgleichen!"

Chayyam, Strophen des Omar Chiijam, übersetzt von Adolf Friedrich Graf von Schack 1878

Daß ich geboren ward, verdank ich Deiner Huld, mein hohes Alter Deiner Langmut und Geduld. Nach hundertjährgem Sündenleben will ich sehn, ob Deine Gnade größer oder meine Schuld.

Internet

Wahrheit, die Beweise benötigt, ist nur eine halbe Wahrheit.

Internet

Nur ein Haar trennt die Wahrheit von der Lüge.

Internet

Was für eine Torheit, daß der weltlich Gesinnte seine unsterbliche Seele mit etwas gleichsetzt, das zum Zeitpunkt des Todes zu bloßer Erde wird, der jede Spur von Schönheit fehlt.

Internet

Erkunden wollt' ich, wo der Garten Eden Und wo die Hölle sei, der Marterort; Da hört' ich meinen Meister also reden: »In dir sind beide; such sie dort!«

Chayyam, Strophen des Omar Chiijam, übersetzt von Adolf Friedrich Graf von Schack 1878

Kein Mensch erklärt die Rätsel der Natur, Kein Mensch setzt einen Schritt nur aus der Spur, Die seine Art ihm vorschrieb, und es bleibt Der größte Meister doch ein Lehrling nur.

Chayyam, Die Sinnsprüche Omars des Zeltmachers (Rubaijat-i-Omar-i-Khajjam), übersetzt von Friedrich Rosen 1909