Otto Roquette (1824–1896)

17 Sprüche Romantik

Des Glückes wahrer Wert wird erst erkannt, Wenn es entschwand.

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Die Liebe ist ein Blüthesegen, Der heilig in der Seele ruht, Ein Röslein nicht, das von den Wegen Man pflückt für seinen Wanderhut. Wenn ihr der Seelen Mai gehütet, Beklagt ihr nicht der Träume Flucht, Die Knospe, der ihr einst erglühtet, Prangt als lebend'ge Lebensfrucht.

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Zu deinen Füßen will ich ruhn Und dir ins Auge schaun, Die blaue Nacht mag leise nun Auf uns herniedertaun. Schon tauchet aus dem stillen See Des Mondes Bild empor, Und kühner schweift das scheue Reh Durch Wald und Wiesenmoor. Mein Haupt laß ruhn auf deinem Schoß, Da ruht es sanft und weich. Wie ist der Himmel weit und groß, Wie ist die Erde reich! Der schönste Stern in blauer Nacht, Der schönste Stern bist du, In deines Lichtes sanfter Pracht, O gönne mir die Ruh! An deinem Herzen laß mich ruhn, Nur kurze sel'ge Zeit! Kein Lauscher kündet unser Tun, Die Welt ist traumgefeit. An Deinen Lippen laß mich ruhn, Eh' noch die Nacht verglimmt, Bis unsre Seele träumend nun In Seligkeit verschwimmt!

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Wenn die ersten Veilchen blühn Wenn die ersten Veilchen blühn Ist die Rosenzeit nicht fern. Mädchenwangen rosig glühn, Trifft sie ein geliebter Stern. Scheitert an der Blicke Klippen Nicht der Mund, zu bittrem Leid, Von den Augen zu den Lippen Ist es dann nicht allzuweit.

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Wie wir die Menschen sehn, nicht wie sie sind, So lieben wir sie. Unser tiefstes Sehen Ist, wo wir lieben, kinderselig blind, Und mag nur mit dem Herzen sich verstehen. Erkenntniß selbst wird eingehüllt geschwind, In schönem Trug mit uns einher zu gehen. Wie reich die Armuth, die das Herz verschwendet! Wie arm der Reichthum, wenn der Trug sich wendet!

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Wie wir die Menschen sehn, nicht wie sie sind, so lieben wir sie.

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Weißt du noch? Weißt du noch, wie ich am Felsen Bei den Veilchen dich belauschte, Weißt du noch den Fliederstrauch, Wo der Strom vorüberrauschte? Weißt du noch den Bergespfad, Wo ich um den Strauß dich bat, Weißt du noch? Ach, es war ein süßes Bild, Als du da errötend standest, Und zur Erde all' die Blumen Fielen, die zum Strauß du wandest, Deine kleine, liebe Hand Spielte mit dem blauen Band, Weißt du noch? Und es sahen Fels und Strom Dein Erröten und dein Beben, Sahen auch den ersten Kuß, Halb genommen, halb gegeben! Und des Himmels goldner Strahl Überflog Gebirg und Thal, Weißt du noch?

Roquette, O., Gedichte. 3. Auflage, Stuttgart 1880

Aus reinster Tiefe muß es stammen Und wie des Himmels Blau so treu, Was eure Seelen fügt zusammen, Dann bleibt's euch ewig frisch und neu. Aus erster Lieb' und erster Wonne Sproßt jede Blüt' am Lebensbaum; wie ging die Zeit, wie ging die Sonne Dahin? – Ihr wißt es selber kaum.

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Unruhe Du mein Gestirn, dem in der Frühe Mein erster Gruß beglückt erwacht! Du meines Tages Sorg' und Mühe, Die leuchtend meines Ringens lacht! Mein Hoffnungspol im Abendreigen, Wenn Leidenschaft beruhigt quillt! Mein Traum, mein Sagen und mein Schweigen, Du heißgeliebtes Menschenbild! Du magst, in deines Daseins Blüthe Dich selig sonnend, nicht verstehn Die Regungen, die durch's Gemüthe Mir selbst unfaßbar, quälend gehn. Ein Ahnen sagt dir wohl mit Bangen Die fremde Gluth, die du entfacht, Du gehst vorüber halb befangen, Und übst doch deine ganze Macht! Du kommst und gehst, so kommt mein Hoffen, So treibt mein Trotz es in die Flucht, So fühlt mein Wesen sich getroffen Von Ungeduld und Eifersucht. Du nahst mit Lächeln meinen Kreisen: Wer glaubt's, wie bald ein Herz vergißt? Ich steh gebannt von Zauberweisen, Und muß dich lieben, wie du bist!

Roquette, O., Gedichte. 3. Auflage, Stuttgart 1880. Originaltext

Ihr könntet tausend Schätze haben, wenn ihr das Leben nicht versäumt; nicht träumen sollt ihr euer Leben, erleben sollt ihr, was ihr träumt!

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Wenn du geliebt, wenn du gehofft, Wenn du gestrebt, gerungen, Wenn du mit starkem Willen oft Dein blutend Herz bezwungen: Dann fühlst du, wie zu vollem Wert Erwacht dein ganzes Leben, Denn jeder Schmerz, der dich beschwert Wird dich nur höher heben. Dein Glück, es ist so selten echt, Und wird dich doch betören: Der Schmerz verleiht dir erst ein Recht, Dem Leben zu gehören. Ob du umfingst in Jugendluft Die Welt mit Liebesarmen, Es lehrt dich Leid erst und Verlust Ein heiligstes Erbarmen.

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Das Leben fordert viel hundertmal Sich zu wärmen, zu leuchten mit eignem Licht.

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Lehrgeld zahlen mußt' ich oft, Ach, für mancherlei Erfahrung! Und umsonst hab ich gehofft Auf Gewitztheit und Ersparung. Zu vermeiden lernt' ich zwar Manchen Schritt mit schwerer Buße, Doch vermeidend fühlt' ich gar Mich auf neuer Lehrzeit Fuße. Arbeit vollauf! Und somit, Denn was hülf' es mir zu prahlen, Werd' ich wohl beim letzten Schritt Erst das letzte Lehrgeld zahlen.

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Laß der Menschen Dankbarkeit Immerhin dir sein entbehrlich, Mit dem Wort sind sie bereit, Doch die That ist gar beschwerlich. Nur wo Gab' und Dankeszoll Stets sich in einander ranken, Sprossen, gleicher Blüthen voll, Nur die Liebe weiß zu danken.

Roquette, O., Gedichte. Aus: Von Tag zu Tage, 1880. Originaltext

Nur wer sein Herz der Liebe zugeschlossen, Und Jugend nicht mehr zu verstehen strebt, Der altert, der ist tot dieweil er lebt.

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Sei einsam, treibt dich dein Gemüth Dich selber zu bezwingen! Sei einsam, wenn dein Herz erglüht Ein Höchstes zu vollbringen! Doch einsam fliehn aus der argen Welt Weil du dich dünkst gerechter, Nur deinem lieben Selbst gesellt, Das macht dich alle Tage schlechter.

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Die verirrte Seele Verirrt zu dir ist meine Seele, Und weiß doch, daß sie nur verirrt, Wie eine fortgewehte Blüthe, Und ewig fremd dir im Gemüthe, Umsonst die Heimat suchen wird. Vergeblich, daß ich mir verhehle, Wie du nicht ahnst, was um dich ringt! Kein Hoffen täuscht das stille Bangen, Und doch verstummt nicht das Verlangen, Das keinen Frieden je mir bringt. Sie fragen quälend, was mir fehle? Der Tag ist blau, die Biene schwirrt: Bin nicht daheim, bin nicht im Leben, Seit ich die Seele hingegeben, Die willenlos zu dir verirrt!

Roquette, O., Gedichte. Dritte Auflage, 1880. Lieder in allerlei Tönen. Originaltext