Paul Steinmüller (1870–1940)

32 Sprüche Realismus

Liebe ist ohne Anfang, ohne Ende, und der Mensch ihres Laufes Bett vom Anfang bis zum Ende.

Steinmüller, Die Rhapsodien des Lebens, o.J. (um 1920)

Lieben heißt nicht nur tauschen, lieben heißt geben.

Steinmüller, Die Rhapsodien von der Freude, o.J. (um 1920)

Ohne Enttäuschung wird deine Liebe erst sein, wenn sie die Menschen mit ihren Fehlern umfängt.

Steinmüller, Die Rhapsodien von der Freude, o.J. (um 1920)

Es ist nicht auszudenken, wie groß das Verlangen nach Liebe unter den Menschen ist, und es ist nicht zu begreifen, wie wenige dies Geheimnis ihrer Tiefe ahnen.

Steinmüller, Die Rhapsodien vom verlorenen Königreich, o.J. (um 1920)

Darum vermögen wir die Liebe nicht zu ehren, weil wir nicht dankbar sind. Denn Liebe ist nichts als eine große Dankbarkeit.

Steinmüller, Die Rhapsodien vom verlorenen Königreich, o.J. (um 1920)

Keinen sprach die Liebe selig, der nicht die Fülle hat und die Fülle verschenkt.

Steinmüller, Die Rhapsodien vom verlorenen Königreich, o.J. (um 1920)

Nie soll der Mensch, der das Recht auf die Wahrheit zu haben glaubt, vergessen, dass die Liebe höher als Wahrheit steht.

Steinmüller, Die Rhapsodien vom verlorenen Königreich, o.J. (um 1920)

Wenn Liebe die Brücke von Mensch zu Mensch schlägt, kann sie auch die Kluft überbrücken, die ihn vom Tode trennt.

Steinmüller, Die Rhapsodien vom verlorenen Königreich, o.J. (um 1920)

Liebe, die nie vom Zorn schmeckte, ist nicht Liebe.

Steinmüller, Alltägliches im Licht, 1923

Ihr bangt vor der großen Stille? Allein in ihr ist nur der, dem ich nichts zu sagen weiß.

Steinmüller, Die Rhapsodien des Lebens, o.J. (um 1920)

Wenn ihr doch lerntet, dass Leben nichts heißt, als den Kranz runden und zu seinem Ursprung zurückkehren!

Steinmüller, Die Rhapsodien des Lebens, o.J. (um 1920)

Wer grübelt, was das Leben sei, der hat es nie gekannt.

Steinmüller, Die Rhapsodien des Lebens, o.J. (um 1920)

Besser einäugig leben, als zweiäugig sterben.

Steinmüller, Die Rhapsodien des Lebens, o.J. (um 1920)

Besser einsam durch den Sommer, als zu zweien durch die Winterkälte wandern.

Steinmüller, Die Rhapsodien des Lebens, o.J. (um 1920)

Spärlich sind die glänzenden Steine wolkenloser Sommertage in den Jahresgürtel gefügt.

Steinmüller, Die Rhapsodien von der Freude, o.J. (um 1920)

Das ist das Leben. Überall Irrtum, allenthalben Fallstricke!

Steinmüller, Die Rhapsodien von der Freude, o.J. (um 1920)

Tragen heißt aufwärts schauen, wenn zu unsern Füßen noch alles im Dunkel liegt.

Steinmüller, Alltägliches im Licht, 1923

Auf dem stürmischen Höhenpfad der Erdenwanderung verliert der Mensch viel, ohne dafür anderes zu finden.

Steinmüller, Rhapsodien vom wahren Frieden, o.J. (um 1940)

Danken heißt sich freuen.

Steinmüller, Die Rhapsodien von der Freude, o.J. (um 1920)

Keiner dankt dem Schatten, in dem er wandelt, weil er ihn nicht als geschenkt empfängt.

Steinmüller, Alltägliches im Licht, 1923

Sich fügen und in sein Los sich finden kann auch zur Kunst werden.

Steinmüller, Die Rhapsodien von der Freude, o.J. (um 1920)