Plinius der Jüngere
Jede Zeit ist umso kürzer, je glücklicher sie ist.
Mit dem Genuss des Glücks wächst der Schmerz des Verlustes.
Das nämlich ist wahres Glück, des Glückes für würdig zu gelten.
In der Liebe übertroffen zu werden ist überaus beschämend.
Es ist nämlich von Natur aus so, dass nichts in gleicher Weise die Liebe entflammt wie die Furcht vor Verlust.
Furcht vergeht, wenn man sich entfernt, Liebe aber bleibt.
Geliebt zu werden, ist das schönste im menschlichen Leben, nicht weniger schön ist es jedoch, selbst zu lieben.
Was aber ist so beschränkt und kurz wie noch das längste Menschenleben?
Wer seinen Gelüsten ergeben gleichsam in den Tag hinein lebt, beendet täglich den Sinn seines Lebens; wer aber an die Nachwelt denkt und die Erinnerung an sich durch seine Werke verlängern will, dem ist jede Todesstunde zu plötzlich, weil sie stets irgendetwas noch nicht Vollbrachtes abbricht.
Sorgen wir solange wir leben dafür, dass der Tod möglichst wenig bei uns findet, was er zerstören kann.
Die besten Richter sind Achtung, Befangenheit und Furcht.
Keine Beschäftigung ist derart wichtig, dass Freundschaftspflichten vernachlässigt werden dürfen.
Denn eine Ähnlichkeit der Charaktere ist das stärkste Band der Freundschaft.
Es ist leichtfertig, mit einem Erfolg nicht zufrieden zu sein.
Rechnet man die Jahre zusammen, erscheint die Lebenszeit kurz; bedenkt man aber den Wandel der Dinge, scheint es einem eine Ewigkeit.
Was aber ist im Alter beglückender als das, was in der Jugend am angenehmsten war?
Krieg aber erzeugt Krieg.
Für einen charaktervollen Menschen liegt der Lohn der Tugend eher in seinem eigenen Bewusstsein als in der öffentlichen Meinung.
Strenge mit gleicher Freundlichkeit zu mildern und mit großer Würde ebenso große Höflichkeit zu verbinden, ist so schwierig wie edel.
Ein großer und freier Geist wird einen Verlust nicht im Verbund mit Schande ertragen können.