Richard Münzer (1864–1930)

11 Sprüche Realismus

„Jeder ist seines Glückes Schmied“; aber er muss als Schmied geboren sein.

Münzer, Tausendundein Aphorismus, 1914

Warum so wenig Kluges über die Liebe gesagt wird? Weil die Verliebten hierzu nicht den Verstand, und die Nüchternen nicht die Liebe haben.

Münzer, Tausendundein Aphorismus, 1914

Dass der Mensch zum Despoten neigt, zeigt jeder, der sich geliebt weiß.

Münzer, Tausendundein Aphorismus, 1914

Die Weisheit spiegelt sich im Kopfe des Weisen als Selbstverständlichkeit.

Münzer, Tausendundein Aphorismus, 1914

Das Betrübende an der Weisheit ist, dass sie nur Weisen übermittelt werden kann.

Münzer, Tausendundein Aphorismus, 1914

Was den Humor so liebenswürdig macht, ist, dass es zu seinem Wesen gehört, eine Dosis Güte beigemischt zu haben.

Münzer, Tausendundein Aphorismus, 1914

Was die Arbeit genussreich macht, ist, dass sie die Betätigung jenes Kraftgefühls ist, das wir Leben nennen.

Münzer, Tausendundein Aphorismus, 1914

Den Anspruch auf Dankbarkeit verwirkt man, wenn man ihn geltend machen will.

Münzer, Tausendundein Aphorismus, 1914

Gern tut jeder nur das, was ihm Freude macht. Das sollten unsere Pädagogen wissen.

Münzer, Tausendundein Aphorismus, 1914

Wenn das Band, das die Ehegatten vereint, sichtbar wird, ist es schon eine Kette.

Münzer, Tausendundein Aphorismus, 1914

Auf ihrem Wege zur „Wahrheit“ tauschen die Menschen fortwährendeineArt Irrtümer für eine andere ein.

Münzer, Tausendundein Aphorismus, 1914