Robert Eduard Prutz (1816–1872)

13 Sprüche Romantik

Kannst Du nicht der Welt entsagen, Winkt das Glück dir nimmer zu.

Prutz, R. E., Gedichte. Otto Wigand, Leipzig 1841. Dichterliebe. Aus: V.

Vorsatz Ich will's dir nimmer sagen, wie ich so lieb dich hab'; im Herzen will ich's still tragen, will stumm sein wie ein Grab. Kein Lied soll dir's gestehen, soll flehen um mein Glück! Du selber sollst es sehen, du selbst in meinem Blick. Und kannst du es nicht lesen, was dort so zärtlich spricht, so ist's ein Traum gewesen: Dem Träumer zürne nicht.

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Im Begrenzten nur, im Engen findest du das höchste Gut.

Prutz, R. E., Gedichte. Otto Wigand, Leipzig 1841. Dichterliebe. Aus: VI

Was sind mir Berge, Thäler, Ströme, Lieder, Was ist der Himmel, Mädchen, ohne dich? Allein zu sein – o Traumbild eitler Stunden! Denn nur zu Zweien wird das Glück gefunden.

Prutz, R. E., Gedichte. Aus: Wiederkehr

Liebe Was die Liebe kann begehren, Liebe darf es frei gewähren. Was von Liebe ward verschuldet, Gern von Liebe wird's geduldet. Alles Fehlen, alles Irren, Liebe weiß es zu entwirren. Trägt mit seliger Gebärde Alle Not und Schuld der Erde; Am Geliebten jeden Flecken Weiß sie sorgsam zu verdecken; Ja, ihn völlig freizusprechen, Lächelnd teilt sie sein Verbrechen.

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Neues Gelübde Du sollst ihn wieder haben, Denselben ganz und gar Glückselig heitern Knaben, Der ich im Anfang war; Auf dessen Stirn geschrieben Ein Wort der Liebe stand, Dem, wie vom Sturm getrieben, Dein Herz sich rasch verband! Du sollst es nicht bereuen! Ob Erd' und Meer vergehn, So sollst du deinen Treuen Doch nimmer wanken sehn. Kein Schmerz soll mir zerspalten Die treue, starke Brust, Dich werd' ich mir erhalten, In Leiden dich und Lust! Und wie beim Morgenwehen Die dunkle Nacht verfliegt, So soll dem Gram geschehen, Der jetzt mich hat besiegt: Ein lindes Maienfächeln Weht in mein Herz hinein, Es soll dein liebes Lächeln Mir Morgensonne sein! O schau, schon kommt sie wieder, Die süße Frühlingszeit, Schon singen neue Lieder Die alte Zärtlichkeit. Ich fühl' mein Herz gesunden, Es schlägt so jung, so warm, Vernarbt sind alle Wunden: Dir lieg' ich, dir im Arm!

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Atlantis Wer sie zu finden wüßte, Glückseligster Pilot, Die wundervolle Küste, Wo uns kein Schmerz mehr droht! Wo nimmer Mund vom Munde, Vom Herzen Herz sich reißt, Wo keine letzte Stunde Uns bittern Abschied heißt! Wo nicht das Flügelrauschen Der Zeit uns mehr erschreckt, Kein Spähen mehr, kein Lauschen In unserm Glück uns neckt; Wo wie in Meeresgrunde, Versteckt von tiefster Flut, Unendlich ew'ge Stunde Mein Herz an deinem ruht! Es ist kein falsch Gelüste, In eitlem Hirn erdacht, Die wundervolle Küste, Sie ist kein Traum der Nacht; In deinem Aug' und Mienen, Da fand ich ihre Spur, Da ist sie mir erschienen, Die Paradiesesflur! Herz, breite deine Schwingen! Es gilt ein köstlich Gut, Zu kämpfen und zu ringen, Wohlauf und habe Mut! Gieb dich getrost den Winden, Nicht scheue Sturm und Riff, Du wirst dein Eden finden; Führt Liebe doch dein Schiff!

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Im Glück Dem Schmerze konnt' ich Worte geben, In Liedern sang ich meine Qual; Doch seit mein herbstlich ödes Leben Durch dich erblüht zum zweitenmal, Und seit in meiner Seele Gründen Ein neuer Frühling Wunder thut, Da weigert sich mein Mund zu künden Des Herzens sel'ge Wonneglut. Kein irdisch Auge kann ertragen Der Sonne volle Strahlenpracht; So kann dir auch mein Lied nicht sagen, Was meine Seele jauchzen macht. Drum siehst du sprachlos mich erbeben, O frag', Geliebte, nicht warum: Dem Schmerze konnt' ich Worte geben, Doch meine Seligkeit ist stumm.

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Gieß in meine Seele deine Gieß in meine Seele deine, Meine hast du längst getrunken, Wie im Morgensonnenscheine Untergehn der Sterne Funken: Daß mit wonnevollen Schmerzen Gleiche Flammen uns durchwühlen! Dass wir beide tief im Herzen Eines Blutes Pulsschlag fühlen.

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Stelldichein Es kann ein Augenblick genügen, Ein einziger, zu unserm Glück: In deinen süß belebten Zügen Las ich von diesem Augenblick. Ich las – und alle Pulse schlugen! Dir sagt kein Wort, was ich empfand; Ich las – und alle Sinne frugen, Ob, was ich las, ich recht verstand. Es ist so leicht, mich zu betrügen, Rasch ist ein liebend Herz bethört: O kann dein Auge, kann es lügen, das schwörend lacht und lachend schwört? O komm herab! die Sterne dringen In dieser Bäume Schatten nicht! O komm! die Nachtigallen singen Und Wahrheit wird mein Traumgesicht.

Prutz, R. E., Gedichte. Verlag Otto Wigand, Leipzig 1841. Originaltext

Sie sähn es gern, ich würde kirre Sie sähn es gern, ich würde kirre und beugete mich niederwärts; sie machten gern mein tapferes Herz in seinem stolzen Glauben irre. Sie sagten mir: Es ist vergebens, du änderst nicht den Lauf der Welt; Knecht bleibt sie doch! Und dir vergällt hast du den Sommer deines Lebens. Wohl, sei es so! Sich fügen lerne, wem Fügsamkeit genügen kann, auch Demut schmücket ihren Mann: Ich aber folge meinem Sterne! Da hilft kein Rat, da ist kein Wählen, Ich kann nicht anders, wollt' ich auch: Die Freiheit ist mein Lebenshauch, sie ist die Seele meiner Seelen! So laßt mich meine Bahn vollenden, wie sie auch sei, mein Ziel ist mein; ja, sollt' es auch ein Irrweg sein, ich will ihn doch mit Ehren enden.

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…hast du die flüchtige Stunde versäumt, Mit Tränen wirst du es büßen.

Prutz, Aus goldenen Tagen, 1861

Alter und Jugend Ihr könnt nicht uns verstehen Und wir nicht euren Rat: Wohlan, so lasst uns gehen Ein jeder seinen Pfad. Ihr legt die Stirn in Falten, Ihr nennt euch selbst die Alten, Die Nüchternen, die Kalten: Und wir sind jung und wir sind frisch Und wir sind rasch und wir sind risch, Das kann nicht Friede halten. Wir wollen euch nicht zürnen, Ade, ihr alten Herrn! Vor euren kahlen Stirnen Beugt unser Knie sich gern. Doch sagt, vor unsern Locken, Vor unsers Flaumes Flocken, Warum steht ihr erschrocken? Auch euer Haupt war einmal braun, Auch euer Auge konnte taun, Nun aber ist es trocken. Ihr habt ihn längst verloren, Den Blick für unsre Welt, Euch dünkt ein Spott der Toren, Was uns die Seele schwellt. Ihr mögt nur immer sagen, Kopfschütteln nur und fragen, Bedauern und beklagen: Uns packt es an und reißt es fort, Nun sind wir hier, nun sind wir dort, Wir wollen einmal wagen. Lebt wohl! – Zum letzten Male Kreuzt unsre Bahn sich hier: Ihr geht gemach im Tale, Auf Klippen wandern wir. Ruht aus in Abendgluten, Beim Murmeln kühler Fluten, Wie eure Väter ruhten: Denkt nie, dass ihr einst selber so Ward jugendfrisch und jugendfroh –! Das Herz müsst euch ja bluten. Du aber, Reich der Jugend, Steig auf, du ewig jung, Du Götterreich der Tugend Und der Begeisterung! Und sollten wir verderben, Wir wollen für dich werben, Die Zukunft soll dich erben! Das Alter mag im Lehnstuhl ruhn: Doch will Gott uns was Gutes tun, So lass er jung uns sterben!

Prutz, R. E., Gedichte. Neue Sammlung, 1843