Aufatmen läßt uns das Lebendige nie. Ja, jene höchsten Momente unserer Existenz, in denen eine ungeheure Freude, ein leidenschaftliches Glück, ein tiefstes Ungestüm unserer Seele uns in aller Nähe zugleich die wundervolle Spiegelung der Ferne, im Gröbsten ewige Gestalt umfangen läßt, sind doch nicht mehr als karge Durchblicke in die wahre Welt statt der wirklichen, die geahnte und still gewußte, statt der handgreiflichen, die klare statt der verworrnen.
Borchardt, Reden. Rede über Hofmannsthal, öffentlich gehalten am 8. September 1902 zu Göttingen. Instaurando Restaurat. Originaltext