Das Leben ist so schön, doch ach! es währet nicht; Drum fuß' auf dem, was sich so schnell verzehret, nicht.

Saadi, Kassiden. Übersetzt von Karl Heinrich Graf, 1850

Gäbst du dahin als Preis der ganzen Erde Reiche, Um einen Tag wird doch dein Sein vermehret nicht.

Saadi, Der Fruchtgarten, dt. auch: Lustgarten oder Duftgarten (Bustan, gelegentlich auch als Bostan oder Bastan übertragen), 1257. Übersetzt von Karl Heinrich Graf, 1850

Jedes Geheimnis, das du hast, teile nicht deinem Freunde mit, weißt du denn, ob er nicht einst dein Feind wird? Und alles Böse, was du dem Feinde zufügen kannst, tue ihm nicht, es ist ja möglich, daß er einmal dein Freund wird.

Saadi, Rosengarten (Golestan, auch Gulistan), um 1259. Übersetzt von Karl Heinrich Graf, 1846

Birg dein Geheimnis vor dem liebsten Freunde, Sonst sagt er's den(en), die ihm die Liebsten sind.

Bacher (Hg.), Muslicheddin Sa'di's Aphorismen und Sinngedichte, hg. von Dr. Wilhelm Bacher, 1879. Aus: Des Vaters letzte Lehre

Gib dem Freunde nicht so viel Kraft, daß, wenn er ein Feind wird, er es mit dir aufnehmen könne.

Saadi, Rosengarten (Golestan, auch Gulistan), um 1259. Übersetzt von Karl Heinrich Graf, 1846

Ein Weiser, der unter Toren gerät, darf von ihnen keine Ehre erwarten, und wenn ein Tor durch sein Geschwätz einen Weisen zum Schweigen bringt, so ist es kein Wunder: es ist der Kiesel, der den Edelstein zerschlägt.

Saadi, Rosengarten (Golestan, auch Gulistan), um 1259. Übersetzt von Karl Heinrich Graf, 1846

Wie viel du auch studierst, du kannst nicht wissen, ohne zu handeln. Ein mit Büchern beladener Esel ist weder ein Gelehrter noch ein weiser Mann.

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Ein Weiser soll die Dummheit eines gemeinen Menschen nicht mit Nachsicht vorbeigehn lassen, denn es bringt auf beiden Seiten Schaden: das Ansehn jenes wird verringert und die Torheit dieses wird verstärkt.

Saadi, Rosengarten (Golestan, auch Gulistan), um 1259. Übersetzt von Karl Heinrich Graf, 1846

Wenn dich Familienbande fest umstricken, So darf dein Geist nicht mehr nach Freiheit blicken: Die Sorg' um Kinder, Kleider, Nahrung, Geld, Zieht dich zurück vom Weg zur Geisterwelt. Den ganzen Tag hab' ich mir vorbedacht, Mit Gott nur umzugehn die ganze Nacht, Allein beim Beten kann ich nicht vergessen: Was werden meine Kinder morgen essen?

Saadi, Rosengarten (Golestan, auch Gulistan), um 1259. Übersetzt von Karl Heinrich Graf, 1846

Ist nicht ganz die Treue aus der Welt entschwunden, Ach! so üben sie in dieser Zeit nicht Viele. Wenn ich einen mit den Pfeilen schießen lehrte, Macht er mich zuletzt zu seines Schusses Ziele.

Saadi, Rosengarten (Golestan, auch Gulistan), um 1259. Übersetzt von Karl Heinrich Graf, 1846

Fähigkeit ohne Erziehung ist traurig, und Erziehung eines Unfähigen ist vergeblich.

Saadi, Rosengarten (Golestan, auch Gulistan), um 1259. Übersetzt von Karl Heinrich Graf, 1846

Unmäßiger Zorn bringt Entfremdung und unzeitige Güte nimmt die Achtung; sei nicht so strenge, daß man deiner überdrüssig werde, und nicht so sanft, daß man gegen dich anmaßend werde.

Saadi, Rosengarten (Golestan, auch Gulistan), um 1259. Übersetzt von Karl Heinrich Graf, 1846

Der König fragte den Heiligen: "Denkst du auch an mich?" Der Heilige antwortete: "Ja, dann, wenn ich Gott vergesse."

Tolstoi, Für alle Tage. Ein Lebensbuch. Erste vollständig autorisierte Übersetzung, hg. von Dr. E. H. Schmitt und Dr. A. Skarva, 2 Bde., Dresden 1906/07

Der hat mit Größe sich nicht geputzt, wer große Namen nur beschmutzt.

Saadi, Rosengarten (Golestan, auch Gulistan), um 1259. Übersetzt von Friedrich Rückert

Ich sah nie einen Mann in die Irre gehen, der einem geraden Weg folgte.

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Der Hund vergißt den einz'gen Bissen nicht, und wirfst du ihm auch hundert Steine nach. Im Menschen, den du jahrelang gepflegt, wird durch ein Nichts Verrat und Feindschaft wach.

Saadi, Rosengarten (Golestan, auch Gulistan), um 1259. Übersetzt von Karl Heinrich Graf, 1846

O unglückselig ist, wer Menschen quält, Weil es im Unglück ihm an Freunden fehlt.

Saadi, Rosengarten (Golestan, auch Gulistan), um 1259. Übersetzt von Karl Heinrich Graf, 1846

Ein Mensch von bösem Charakter ist in der Hand eines Feindes gefangen, und wo er auch hingeht, kann er sich aus den Klauen seiner Pein nicht losmachen.

Saadi, Rosengarten (Golestan, auch Gulistan), um 1259. Übersetzt von Karl Heinrich Graf, 1846