Sándor Petőfi
Was nützt es, wenn das brache Feld ... Was nützt es, wenn das brache Feld Die Furche nur vom Pflug erhält? Streust du nicht Samen auch hinein, Wird Unkraut nur die Ernte sein! Mein Schatz, mit deinem Blick, so mild, Hast du das Herz mir aufgewühlt, Ja scharf, wie eines Pfluges Erz, Fuhr mir's da mitten durch das Herz. Doch ward mein Herz umsonst gepflügt, Da doch nur Gram darinnen liegt – O pflanze deine Liebe drein, Dann wird es voll von Rosen sein!
In hundert Gestalten Mancherlei Gestalt hat meine Liebe, hundertfach verwandeln kann sie sich. Wie die Flut – als wärst du eine Insel brandet meine Leidenschaft um dich. So, als wärst du eine Kathedrale, die ehrwürdig ragt zum Himmel auf, rankt sie demütig zum andern Male wie der Efeu sich an dir hinauf. Manchmal springt sie, wie ein Straßenräuber einen Reichen überfällt, dich an, manchmal tritt sie zag und unterwürfig, einem Bettler gleich, an dich heran. Bald bestürmt sie dich wie ein Gewitter der Karpaten Firn, mit Donnerhall, bald besingt sie dich, so wie der Rose süße Lieder singt die Nachtigall. Also wandelt stets sich meine Liebe wie das Leben, und sie endet nie. Strömt sie wie ein stiller Strom oft sanfter, glaub mir, um so tiefer nur ist sie.
Heut' ein Jahr ist's, heut' ein Jahr ist's … Heut' ein Jahr ist's, heut' ein Jahr ist's, Daß du wurdest meine Braut! Heut' ein Jahr ist's, daß dein erster Kuß am Munde mir getaut. O wie war so süß berauschend Dazumal dein Kuß: jedoch – Wer mag's glauben, wer mag's glauben? Heut' ist er viel süßer noch. Wie vom Wind erfaßt den Falter, Sehen wir die Zeit entflieh'n, Sichtbar schwindet hin das Leben, Sichtbar welket es dahin. Mag's verblühn in Gottes Namen! Wahrlich, es betrübt mich kaum; Nicht verloren geht, was nieder Fällt von meinem Lebensbaum: Was da abstirbt mir vom Leben, Rasch als Liebe aufersteht … Denn sie wächst im selben Maße, Als das Leben mir vergeht!
Wie vom Wind erfaßt den Falter, Sehen wir die Zeit entflieh'n,
Es fliegen unsere Hoffnungen, die schönen Vögel, hoch – Jedoch Wenn sie am höchsten fliegen, In reinster Himmelsluft sich wiegen, Wo selbst der Adler Flug bereits ein träger, Da kommt die Wirklichkeit, der finstre Jäger, Und schießt sie herab!
Was ist Hoffnung? Eine feile Dirne; Jeden lockt sie, gibt hin allen sich. Hast du ihr den reichsten Schatz geopfert – Deine Jugend – dann verläßt sie dich.
Erfahrung ist ein überreiches Bergwerk, aus dem viele Menschen Lebensschätze ausgraben.
Das Schicksal ist ein Kläffer, nur Den Feigen fällt es an, Dem Tapfern geht es aus dem Weg, Drum steh' ihm als ein Mann!