Ein Wort – ein Zunder Im Briefe Dein Das Wörtchen klein: "Ich liebe Dich!" Wie fesselt's mich! Daß ich darauf muß immer sehn, Bis mir die Augen übergehn! Das Wort im Brief Wie warf es tief Mir seine Glut In Seel' und Blut! Vielleicht geschrieben ohne Acht, Was hat dies Wort in mir entfacht!
Des Weibes Blätterfall Du frägst, mein Freund, wie sich wohl künden »Das Altern« mag in Seel' und Leib, Was leiden mag und was empfinden, – Beginnt's zu altern erst – das Weib? Noch eh' im Spiegel es gewahr wird, Daß seine Jugend ihm entweicht, Noch eh' es ihm im Herzen klar wird, Daß sich das Alter zu ihm schleicht, Sagt's ihm des Mannes Blick, ich glaube Der nach ihm nimmer gierig langt, Weil – wie die Gais am jungen Laube – Des Mannes Blick an Jugend hangt! Noch ist das Weib von Reiz umstrahlet, Von Kraft und Fülle die Gestalt Wie sich am ersten Herbsttag malet Im Sonnenstrahl der Eichenwald; Doch wie in grüner Blätter Prangen Sich da und dort ein welkes zeigt, Zum Zeichen, daß der Lenz vergangen, Und daß zum Herbst der Sommer neigt: So kündigt sich der Jugend Weichen Beim Weib in leiser Spur schon an! Ein Haar will da und dort erbleichen – Und aus der Reihe fehlt ein Zahn, – Und wenn auch Furchen nicht gegraben Der Jahre Pflug in Stirn und Kinn: Die zarten Farben, die drauf haben Den Lenz gemalt, sie – schwinden hin. ... Doch, was im Lied' ich nicht kann sagen, Weil keinen Reim es dafür giebt: Das Leid ist's, das ein Herz ertragen Muß, das zum letztenmal dann – liebt!