Sigmund Freud (1856–1939)

38 Sprüche Realismus

Was man im strengsten Sinne Glück heißt, entspringt der eher plötzlichen Befriedigung hoch aufgestauter Bedürfnisse und ist seiner Natur nach nur als episodisches Phänomen möglich.

Freud, Das Unbehagen in der Kultur, 1930

Wie die Triebbefriedigung Glück ist, so wird es Ursache schweren Leidens, wenn die Außenwelt uns darben läßt, die Sättigung unserer Bedürfnisse verweigert.

Freud, Das Unbehagen in der Kultur, 1930

Es gibt [...] viele Wege, die zu dem Glück führen können, wie es dem Menschen erreichbar ist; keinen, der sicher dahin leitet.

Freud, Das Unbehagen in der Kultur, 1930

Die Absicht, dass der Menschglücklichsei, ist im Plan derSchöpfungnicht enthalten.

Freud, Das Unbehagen in der Kultur, 1930

Die beiden Eckpfeiler des Glücks: Liebe und Arbeit.

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Glück ist die Erfüllung von Kinderwünschen.

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Auf der Höhe eines Liebesverhältnisses bleibt kein Interesse für die Umwelt übrig.

Freud, Das Unbehagen in der Kultur, 1930

Niemals sind wir ungeschützter gegen das Leiden, als wenn wir lieben, niemals hilfloser unglücklich, als wenn wir das geliebte Objekt oder seine Liebe verloren haben.

Freud, Das Unbehagen in der Kultur, 1930

Wenn man ein Liebesobjekt verloren hat, so ist die nächstliegende Reaktion, daß man sich mit ihm identifiziert, es gleichsam durch Identifizierung von innen her ersetzt.

Freud, Das Unbehagen in der Kultur, 1930

Die Bestandteile der echten Liebe sind zwei: Die erotische Anziehung und die zärtlichen Gefühle, welche aber so funktionieren, daß sie die erotische Anziehung zurücktreiben.

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Liebe ist das probateste Mittel, das Schamgefühl zu überwinden.

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Niemals sind wir so verletzlich, als wenn wir lieben.

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Das Leben, wie es uns auferlegt ist, ist zu schwer für uns, es bringt uns zuviel Schmerzen, Enttäuschungen, unlösbare Aufgaben. Um es zu ertragen, können wir Linderungsmittel nicht entbehren.

Freud, Das Unbehagen in der Kultur, 1930

Wenn du das Leben aushalten willst, richte dich auf den Tod ein.

Freud, Zeitgemäßes über Krieg und Tod, 1915. II. Unser Verhältnis zum Tode

Das Leben ist bekanntlich sehr schwierig und sehr kompliziert, und es gibt viele Wege zum Zentralfriedhof [...].

Freud, S., Briefe. An Wilhelm Fließ, 28. Mai 1888

Der Humor ist nicht resigniert, er ist trotzig, er bedeutet nicht nur den Triumph des Ichs, sondern auch den des Lustprinzips, das sich hier gegen die Ungunst der realen Verhältnisse zu behaupten vermag.

Freud, Der Humor, 1927

Der Humor hat nicht nur etwas Befreiendes wie der Witz und die Komik, sondern auch etwas Großartiges und Erhebendes, welche Züge an den beiden anderen Arten des Lustgewinns aus intellektueller Tätigkeit nicht gefunden werden.

Freud, Der Humor, 1927

Wenn man der unbestrittene Liebling der Mutter gewesen ist, so behält man fürs Leben jenes Eroberergefühl, jene Zuversicht des Erfolges, welche nicht selten wirklich den Erfolg nach sich zieht.

Freud, Eine Kindheitserinnerung aus Dichtung und Wahrheit, 1917

Die große Mehrzahl der Menschen arbeitet nur notgedrungen, und aus dieser natürlichen Arbeitsscheu der Menschen leiten sich die schwierigsten sozialen Probleme ab.

Freud, Das Unbehagen in der Kultur, 1930

Gedanken sind die Proben zu Handlungen.

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Die Religiosität führt sich biologisch auf die lang anhaltende Hilflosigkeit und Hilfsbedürftigkeit des kleinen Menschenkindes zurück, welches, wenn es später seine wirkliche Verlassenheit und Schwäche gegen die großen Mächte des Lebens erkannt hat, seine Lage ähnlich wie in der Kindheit empfindet und deren Trostlosigkeit durch die regressive Erneuerung der infantilen Schutzmächte zu verleugnen sucht.

Freud, Eine Kindheitserinnerung des Leonardo da Vinci, 1910. V.