Sophie Verena (1826–1892)

9 Sprüche Romantik

Das Tiefste und Heiligste des Herzens bleibt unausgesprochen und wird doch von dem anderen liebenden Herzen verstanden.

Verena, Über Alles die Pflicht. Roman, 1870

Nie kommt das Ich weniger zur Geltung, als an dem Krankenlager eines geliebten Menschen, da konzentriert sich alles in dem einen Wunsche, lindern, helfen, retten zu können; da werden Wunder des Mutes und der Kraft vollbracht, die Staunen erregen: die zarteste und schwächlichste Natur entwickelt eine Stärke und Ausdauer im Pflegen und Wachen, welche überrascht; mit brechendem Herzen lächelt der Mund, und die heißen Tränen fließen nach innen, nur um dem teuren Kranken seine eigene Gefahr zu verbergen.

Verena, Über Alles die Pflicht. Roman, 1870

Wie wenige Menschen leben ihr Leben voll und reich aus und bringen etwas Tüchtiges zu Stande; und bei der übergroßen Mehrzahl bleibt es Stückwerk, und Schmerz und Kämpfe reiben sie auf. Wieder andere sterben dahin, ohne einmal recht zu wissen, daß sie je gelebt haben; das denke ich mir das Schimpflichste.

Verena, Ein Sohn des Südens. Roman, 1859

Es gibt für den Sterblichen kein Zurück; auch nicht eine Minute kehrt in gleicher Weise wieder.

Verena, Über Alles die Pflicht. Roman, 1870

Wir leben wahrlich nicht nur, um uns zu amüsieren; Gott hat uns in die Welt gesandt, damit wir etwas schaffen, ein tüchtiges Stück Arbeit vollbringen sollen, und wer das meiste und beste gefördert, je nach seinen Kräften, der wird ihm einst der Liebste und Vollkommenste sein.

Verena, Über Alles die Pflicht. Roman, 1870

Die Tiefen der Menschenseele sind unergründlich, die Wandlungen eines Herzens rätselhaft und unberechenbar.

Verena, Über Alles die Pflicht. Roman, 1870

Kein anderer hat die Macht, eine rechte Seele, einen starken, kräftigen Willen umzuschaffen. Wo ein solches Hineingreifen in die heiligsten Menschenrechte vorkommt, da räumt die eigene Schwäche dem andern das Feld ein; denn was wir sind, das sind wir aus uns, durch uns selber, und niemand kann uns zu dem Werkzeuge seines Wollens machen, ohne unsere Zustimmung.

Verena, Ein Sohn des Südens. Roman, 1859

Von dem Heiligsten und Höchsten, was die Seele bewegt, spricht man ungern, ehrt es am besten durch Schweigen.

Verena, Über Alles die Pflicht. Roman, 1870

Ein jeder Mensch soll streben, stets so klar dazustehen, daß auch nicht der Hauch eines Mißtrauens oder Argwohns ihn berühren kann, vornehmlich gilt dies für Frauen.

Verena, Über Alles die Pflicht. Roman, 1870