Theodor Toeche-Mittler (1837–1907)

23 Sprüche Romantik

Genieße feierlich den Augenblick des Glücks, stark zu bleiben für die Zukunft.

Toeche-Mittler, Stimmungsgedanken über Raum und Zeit, 1907

Jeder Tag ohne Liebe zu erweisen, oder zu empfangen, ist ein verlorener in Gottes Reich.

Toeche-Mittler, Stimmungsgedanken über Raum und Zeit, 1907

Ehe sie den Wert des Lebens erkannt, haben die meisten es schon halb durcheilt.

Toeche-Mittler, Stimmungsgedanken über Raum und Zeit, 1907

Mit wenigsten Mitteln das meiste erreichen Ist im menschlichen Wirken das Meisterzeichen.

Toeche-Mittler, Stimmungsgedanken über Raum und Zeit, 1907

„Raum für alle hat die Erde“, wer aber gibt jedem die ihm gebührende Zeit?

Toeche-Mittler, Stimmungsgedanken über Raum und Zeit, 1907

Unendlich ist der Raum, durch den wir in dunkler Nacht sternenweit schauen, aber bei lichtem Tage bietet er sich fassbar umgrenzt dem Auge. Nie die Zeit: unsichtbar bleibt sie, stumm, unerbittlich, ein Geheimnis dem Menschen, eine Macht, die uns alle unterjocht.

Toeche-Mittler, Stimmungsgedanken über Raum und Zeit, 1907

Nütze die Zeit: Die Zeit, so lehrte mein Urgroßvater, hat ein Janusgesicht, von vorn zeigt sie sich Dir jung und frisch: greife sie fest an der Stirnlocke; hinten hat sie eine Glatze.

Toeche-Mittler, Stimmungsgedanken über Raum und Zeit, 1907

In Hoffnung schwört Ihr teurere Gelübde, als Ihr in Dank sie einlöst.

Toeche-Mittler, Stimmungsgedanken über Raum und Zeit, 1907

Wandle in Hoffnung und Du gewinnst Zuversicht; in der Zuversicht aber wurzelt die Treue: so gelangst Du ans Ziel.

Toeche-Mittler, Stimmungsgedanken über Raum und Zeit, 1907

Ja, lerne zeitig begreifen, dass Dein ganzes Leben Dich vorbereiten muss, den Tod zu bestehen.

Toeche-Mittler, Stimmungsgedanken über Raum und Zeit, 1907

Strebenheißt leben: vertausche zwei Buchstaben, es genügt, dass alles sich ins Gegenteil fügt:sterben.

Toeche-Mittler, Stimmungsgedanken über Raum und Zeit, 1907

Mit dem Alter beginnen die Schwächen des Lebens; umso mehr muss die Seele ihnen standzuhalten bereit sein.

Toeche-Mittler, Stimmungsgedanken über Raum und Zeit, 1907

Nicht die Zahl der Jahre, sondern die Erlebnisse altern den Mann, und auch diese dann erst am schwersten, wenn er sie Gott nicht anvertraut.

Toeche-Mittler, Stimmungsgedanken über Raum und Zeit, 1907

Es ist das Priesteramt des Greisen, Den Weg zum Himmel uns zu weisen.

Toeche-Mittler, Stimmungsgedanken über Raum und Zeit, 1907

Wohl dem, dem nicht körperliche Schwäche, nicht Entsagung, sondern Erfahrungsreichtum, Weisheit die Anzeichen des Alters bringen!

Toeche-Mittler, Stimmungsgedanken über Raum und Zeit, 1907

Jugend ordnet unter Begriffe, das Alter unter Erlebnisse.

Toeche-Mittler, Stimmungsgedanken über Raum und Zeit, 1907

Dein Alter setze im Kampfe der Meinungen stets als Dein schwächstes Vorrecht an. Zwar ist es von Gott Dir gewährt, gilt aber als solches vor allem Dir selbst.

Toeche-Mittler, Stimmungsgedanken über Raum und Zeit, 1907

Endlos ist ziellos; ungemessene Schätze vergeudet man; erst, indem das Leben an den Tod rückt, empfängt es Gestalt und Schwerkraft.

Toeche-Mittler, Stimmungsgedanken über Raum und Zeit, 1907

Ich wollte das Alter gern der Jugend gleichsetzen, wenn es nur nicht die Enge der Bewegung, die Schwere der Erinnerung, die Bitternis der Erfahrung hätte.

Toeche-Mittler, Stimmungsgedanken über Raum und Zeit, 1907

Später Dank und späte Freuden gleichen der Wintersonne: sie wärmen wenig und wecken müde Kräfte.

Toeche-Mittler, Stimmungsgedanken über Raum und Zeit, 1907

Das Alter hat am meisten zu erzählen, aber wie wenige wollen es hören und beherzigen!

Toeche-Mittler, Stimmungsgedanken über Raum und Zeit, 1907