Walther Rathenau
Hüte dich, Mensch, daß sie dich nicht lieben wie ein schönes Tier, nicht aus Liebe, sondern aus Habsucht.
Ach, was ist Liebe! Wüßten wir doch nur, was wir lieben!
Wäre die Liebe ein physiologisches Phänomen, als Freude am Besitz, Freude an Vollkommenheit, Erinnerung an Freude oder dergleichen, so liebten wir nicht Unvollkommenes, Abwesendes, Missetäter, Tote. Je vollkommener und je gegenwärtiger etwas ist, desto schwerer ist es uns, es zu lieben.
Das Dramatische ist die Einheit des Kampfes mit dem Leben.
Es gibt kein größeres Sakrileg, als vom Zweck des Lebens oder Zweck der Welt zu sprechen. Es gibt nirgends einen Zweck als in der Verderbtheit. Der Zweck ist teuflisch, das gottfeindliche Prinzip.
Unser Leben sei wie unser Atem: rhythmisch und leidend, stetig sich selbst erfüllend, keines Zweckes gedenkend.
Bei allen Menschen ist es zu wissen wichtig, ob sie aus Not, aus Eitelkeit, aus Langeweile oder aus Liebe schaffen.
Wer scheut sich nicht, ein Menschenleben um eine Stunde zu verkürzen! Aber eine Stunde ihm zu verderben – wer hätte das Schlimmste nicht schon verschuldet?
Hart, blank, scharf und biegsam, einer edlen Klinge vergleichbar: das ist die Schönheit des Gedankens.
Jedes echte Wort hat klingende Kraft, und jeder Gedanke, der nicht in den Labyrinthen des dialektischen Verstandes, sondern im blutwarmen Schoße der Empfindung geboren ist, zeugt Leben und Glauben.
Liebet Gott und die Kreatur, feiert die Sonne und machet Musik: So habt ihr eine Religion!
Die Stimme des Schicksals Erbarmen nicht, noch Göttergunst, noch Bitten versöhnen dein Geschick; uralter Stempel, aus Demant geschnitten, prägt Leid und Glück. Wie lange trübt der dunkle Quell der Trauer, der Lust den Lebensstrom? Nur Dumpfheit malt auf leere Nebelmauer ihr Schreckphantom. Getrost hinab die innerlichen Schächte, von Finsternis geschwellt; im Mittelpunkt vermählen sich die Mächte: Recht, Wille, Welt.
Erbarmen nicht, noch Göttergunst, noch Bitten versöhnen dein Geschick; uralter Stempel, aus Demant geschnitten, prägt Leid und Glück.
Wehe dem, der ein Kind in Furcht erzieht, und wenn es die Furcht vor Gott wäre! Denn er schändet unabsehbare Menschengeschlechter.
Wir sind nicht da um des Besitzes willen, nicht um der Macht willen, auch nicht um des Glückes willen; sondern wir sind da zur Verklärung des Göttlichen aus menschlichem Geiste.
Gott lieben ist nicht das Letzte. Das Letzte ist Gottseligkeit.
Es kommt mir so vor, als ob ich nichts aus mir heraus willkürlich tun kann, als ob ich geführt werde, sanft, wenn ich mich füge, rauh, wenn ich widerstehe.