Was ist wichtig, was gering? Seit Jahrtausenden mühen die Menschen sich ab um eine Antwort auf die Frage, die der Glückliche mit einem Worte löst: Wichtig ist alles, was glücklich macht.
Im großen Pflanzenwuchsgetriebe Des Lebensackers ist kein Kraut, Das so viel Gift zusammenbraut Als langsam abgedorrte Liebe.
Wenn sich die Wimpern senken Zur nächtlich stillen Ruh, Da bist mein letztes Denken, Mein letzter Herzschlag du! Und wenn sie froh sich heben Zum Tageslicht zurück, Bist du mein erstes Leben, Bist du mein erstes Glück.
Wir alle sind der flüchtigen Stunde Spiel. Wer kann anklagen und wer verdammen? Nur das Leben lohnt und rächt das Leben.
Seltsame Genossen Ist das ein seltsamliches Gewander: Ihr schrittet noch eben vergnügt miteinander durch Wälder und Wiesen und Sonnenschein, du siehst dich um – da gehst du allein. Er blieb zurück am Weggelände, das Wort auf den Lippen, er sprach's nicht zu Ende; ein wunderlich Gebaren, und doch scheint deins verwunderlicher noch. Ganz ruhig gehst des Weges du weiter, hast schnell einen andern vergnügten Begleiter, und fröhlich wieder zieht ihr drein durch Wälder und Wiesen und Sonnenschein. So geht's eine Weile, das seltsame Wandern: Dann kommt es an dich, dann hörst du die andern noch weiter lachen ins sonnige Land, und du bleibst einsam am Wegesrand.
Daß außer ihren Gegenständen aus einer fernen Vergangenheit auch noch eine Gegenwart um ihn herum vorhanden sei, kam ihm nur äußerst schattenhaft zur Empfindung; für sein Gefühl waren Marmor und Bronze nicht tote Mineralien, vielmehr das einzig wirklich Lebendige, den Zweck und Wert des Menschenlebens zum Ausdruck Bringende.
Lied In allen trüben Stunden, Die mir die Welt gebracht, Hab' ich allzeit empfunden Des alten Wortes Macht: Ein Saatgefilde ist die Zeit, Du erntest Lust, du erntest Leid – Der Tag hat seine Stunden Und ihre Zeit die Nacht. Das hab' ich immer feste Gehalten vor dem Sinn, Es kam und schwand das Beste So wie das Schlimmste hin. Harr' aus nur eine Weile lang, Bis es erinnernd wiederklang, Und was da bleibt vom Reste, Der Rest bleibt doch Gewinn.
Ein Saatgefilde ist die Zeit, du erntest Lust, du erntest Leid – Der Tag hat seine Stunden und ihre Zeit die Nacht.
Auf dem Schwarzwald Die Wolken ziehen vom Mittag her, weißleuchtende Segel in blauem Meer. Wie alte Tempelsäulen stehn ernstgraue Felsen; im Windeswehn darüber wallend ein grüner Kranz, und um sie im schimmernden, flimmernden Glanz, wie reiches Geschmeide, rotblühende Heide. Doch im Dämmern des Waldes in moosiger Kluft von Tannennadeln ein schauernder Duft; ein Lichtstrahl, der verloren irrt, ein plätschernder Quell, ein Tauber girrt; verhallend stößt der kreisende Weih fernher aus den Lüften klagenden Schrei hoch über den Zweigen; sonst tiefes Schweigen. Im Gerank und Gestein ein Pfad noch kaum, nur einsame Wildnis im Mittagstraum. Da schillert es auf wie ein spiegelnder Bach, aus silbernen Schindeln ein glitzerndes Dach, eine letzte Behausung, weithin allein und verlassen im zitternden Sonnenschein; nur Rispen und Ranken lispeln und schwanken. Kein Laut; weit offen das graue Tor, zwei winzige Geschöpfchen nur knien davor; ein Büblein, ein Mägdlein, zusammengeschmiegt, barfüßig, barhäuptig. So reglos liegt auf den Knien das Pärchen. Ein Hauch bewegt ihm das flächserne Haar; aneinander gelegt hält stumm es nach oben die Hände gehoben. Ist's zum Mittagsgebet? Kein Herdrauch steigt vom Dachfirst auf, und alles schweigt. Durchs Stubenfenster nur schimmert es hell: Ein Linnen, gespreitet auf niedrem Gestell, ein Kopf, heraufgebettet am Rand, ein weißes Gesicht; eine reglose Hand hält licht wie von Golde eine Blütendolde. Wie Silber rieselt's vom glimmernden Dach; die Mutter liegt tot im dumpfen Gemach, der Vater stieg zum Kirchhof hinab in der Mittagsrast und bestellt ein Grab; tief drunten klirrt sein Schritt durchs Gestein, gleichmäßig. Die Kinder blieben allein, die Hände faltend und Totenwacht haltend.
Es gibt Fälle im Leben, wo es einem so recht ersichtlich wird, daß Gottes Vorsehung getreulich über uns waltet und uns kein ander Maß zuteilt, als unsere Kräfte zu tragen fähig sind.