Wer kann mit der Zunge die Herzen bezaubern, Ohne selbst in der Seele bezaubert zu sein?
Sieg Mit kalter Strenge wollt' ich heilen Mein Herz von dieser Leidenschaft; Ich sehe dich sie mit mir theilen Und fühle wanken meine Kraft. Ich hatte schon dein Bild vertrieben Aus meinem Sinn – es kam zurück. Ich darf es nicht, und muß dich lieben Und träumen vom versagten Glück. So treibt vom Ufer losgerissen Mein Kahn in's wildbewegte Meer; Ein Ziel verwehrt mir mein Gewissen, Mein Fühlen jede Wiederkehr. Dich zu begehren ist vermessen, Zu hoffen, gegen das Gebot; Vor dir entfliehen, dich vergessen, Das wäre der lebendge Tod. Wo soll ich Frieden, Freiheit suchen Vom Zaubernetz das mich umstrickt? Muß ich durchaus dem Tage fluchen An dem ich dich zuerst erblickt?
Es bleibt, was ist seit Stern' und Sterne ziehn, Doch wird es uns nur kurze Zeit geliehn. Wir sind ein Strom, sein Bett besteht ein Weilchen, Doch was ihn füllt, sind immer neue Teilchen.
So geizen die Götter mit ihren Gaben Und versagen der Sehnsucht die Seligkeitsfülle. Wer sein Glück verspielt hat, dem werfen sie spöttisch In den Schooß das Geschenk aus Schadenfreude Und gewähren den Wunsch wann er wertlos geworden!