Wilhelm von Humboldt (1767–1835)

62 Sprüche Klassik

Solange man lebt, muß man das Leben erhalten, sich ihm nicht entfremden, sondern darin eingreifen, wie es die Kräfte und die Gelegenheit erlauben.

Humboldt, W., Briefe an eine Freundin (gemeint ist Charlotte Diede), 2 Bde., 1847. 1. Januar 1832

Es kommt nur darauf an, das innere Wesen festzuhalten, mit einer Art schonungsloser Kühnheit ins Leben einzugreifen und es auszuleben.

Humboldt, W., Briefe. An Karoline, am 24. März 1804

Leben wir allein für dieses Leben, so sind wir die elendesten aller erschaffenen Wesen.

Humboldt, W., Briefe an eine Freundin (gemeint ist Charlotte Diede), 2 Bde., 1847. 12. Juni 1829

Jetzt fühle ich, daß es nur schon zu hohe Zeit ist, etwas hervorzubringen, einen Beweis zu hinterlassen, daß man verdiente, da gewesen zu sein [..].

Humboldt, W., Briefe. An Friedrich Gentz, 29. November 1797

Das Leben leicht tragen und tief genießen ist ja doch die Summe aller Weisheit.

Humboldt, W., Briefe. An seine Frau Caroline von Humboldt, 1804

Das Arbeiten ist, meinem Gefühl nach, dem Menschen so gut ein Bedürfnis als Essen und Schlafen.

Humboldt, W., Briefe an eine Freundin (gemeint ist Charlotte Diede), 2 Bde., 1847. 19. Juli 1827

Zur Beruhigung des Gemüts trägt angemessene Beschäftigung viel bei.

Humboldt, W., Briefe an eine Freundin (gemeint ist Charlotte Diede), 2 Bde., 1847. 5. Juni 1832

Die Zeit ist nur ein leerer Raum, dem Begebenheiten, Gedanken und Empfindungen erst Inhalt geben.

Humboldt, W., Briefe an eine Freundin (gemeint ist Charlotte Diede), 2 Bde., 1847. 7. April 1833

Es liegt in dem Alter selbst, daß man diese Flüchtigkeit der Zeit beschleunigt findet. Je weniger man zu Stande bringt, desto kürzer scheint sie.

Humboldt, W., Briefe an eine Freundin (gemeint ist Charlotte Diede), 2 Bde., 1847. 20. Dezember 1833 bis 7. Januar 1834

Die Zeit verläuft doch nicht leer, sie bringt und nimmt und läßt zurück. Man wird durch sie immer reicher, nicht gerade an Genuß, aber an etwas Höherem.

Humboldt, W., Briefe an eine Freundin (gemeint ist Charlotte Diede), 2 Bde., 1847. 4. Januar 1831

Wer auf den Dank der Leute rechnete, wäre immer schlimm daran, und selbst der allgemeine Beifall, auch was man Ruhm nennt, hat nur Wert, wenn man es ganz wie eine freie Gabe empfängt und auf keine Weise darauf begierig ist.

Humboldt, W., Briefe. An Karoline, am 9. Juni 1817

Die Menschen sind nie so dankbar auch gegen die kleinste Wohltat, als wenn sie von eben der Hand kommt, die alle Macht ihnen zu schaden hat, von der sie nur Stolz, Vernachlässigung, Härte erwarten.

Humboldt, W., Tagebücher. Tagebuch der Reise nach Paris und der Schweiz, 9. August 1789

Ich habe lange genug in der offenen Türe des Todes gestanden; es wird Zeit hinauszutreten und sie hinter mir zuzumachen.

Wehl, Der Ruhm im Sterben. Ein Beitrag zur Legende des Todes, 1886. Letzte Worte

Jedes Schicksal ist ein Stoff, an dem ich meine Seele übe.

Humboldt, W., Briefe. An Johanna Motherby, 1790

Gewiß ist es fast noch wichtiger, wie der Mensch das Schicksal nimmt, als wie sein Schicksal ist.

Humboldt, W., Briefe an eine Freundin (gemeint ist Charlotte Diede), 2 Bde., 1847. 6. September 1825

Es ist ebenso nutzlos als töricht, sich nicht in das Unabänderliche ruhig und still zu fügen.

Humboldt, W., Briefe an eine Freundin (gemeint ist Charlotte Diede), 2 Bde., 1847. 22. Juni 1830

Es ist eine sprichwörtliche Redensart, daß jeder sich das seinige [Schicksal] schafft, und man pflegt das so zu nehmen, daß er es sich durch Vernunft oder Unvernunft gut oder schlecht bereitet. Man kann es aber auch so verstehen, daß, wie er es aus den Händen der Vorsehung empfängt, er sich so hinein paßt, daß es ihm doch wohl darin wird, wieviel Mängel es darbieten möge.

Humboldt, W., Briefe an eine Freundin (gemeint ist Charlotte Diede), 2 Bde., 1847. 6. September 1825

Ergebung in das, was geschehen kann, Hoffnung und Vertrauen, daß nur dasjenige geschehen wird, was heilsam und gut ist, und Standhaftigkeit, wenn etwas Widerwärtiges eintrifft, sind alles, was man dem Schicksale entgegenstellen kann.

Humboldt, W., Briefe an eine Freundin (gemeint ist Charlotte Diede), 2 Bde., 1847. 12. Januar 1824

Die Schicksale des Lebens gehen ihren Gang, scheinbar fühllos, fort.

Humboldt, W., Briefe an eine Freundin (gemeint ist Charlotte Diede), 2 Bde., 1847. 1. Januar 1832

Das Resultat der Erziehung hängt ganz und gar von der Kraft ab, mit der der Mensch sich auf Veranlassung oder durch den Einfluß derselben selbst bearbeitet.

Humboldt, W., Briefe an eine Freundin (gemeint ist Charlotte Diede), 2 Bde., 1847. 29. November 1823

Es [das Alter] ist ein natürlicher menschlicher Zustand, dem Gott seine eigenen Gefühle geschenkt hat, die ihre eigenen Freuden in sich tragen.

Humboldt, W., Briefe an eine Freundin (gemeint ist Charlotte Diede), 2 Bde., 1847. 17. März 1830