[…] daß die Liebe blind macht, wußten schon die Heiden. Und bliebe man denn wenigstens noch blind; aber zur Unzeit gehen einem doch die Augen auf, und man findet sein Täubchen als Geier wieder, der einem die Leber abfrißt.
Überhaupt gibt's keine wahre Freundschaft, die sich nicht erst wund gerissen und wieder ausgeheilt hätte an dem Bewußtsein gesühnter Schuld.
Bei der Silbernen Hochzeit weiß man erst, was eine Ehe ist.
Es steht nirgends geschrieben, daß Gott unseren Kopf verlange, wohl aber unser Herz.
Ein jeder aber hält für Wahrheit, was er sieht, und tut so lange recht daran, als er allein steht und niemand fragen kann, ob er etwa dasselbe auch sähe. Aber so, wie ein Auge dem andern aushilft und erst durch diese gegenseitige Aushilfe ein richtiges Bild gefaßt werden kann, so kommt auch die Vernunft erst durch gegenseitige Aushilfe derer, die wirklich nach Wahrheit fragen, ganz zu sich selber und erhebt sich von der Subjektivität zur Objektivität, und das erst ist die Vernunft in ihrer Einheit, welche als das köstlichste Gut der Menschheit gepriesen wird.