Wolfram von Eschenbach
Die Lieb’ hat Freude wie Beschwer. Wer der Liebe Freud und Qualen Legt’ in verschiedne Waagschalen, Hielt' er ewig sich am wägen, Sie bleiben gleich schwer allerwegen.
Wessen Leben derart zu Ende geht, daß Gott die Seele nicht geraubt wird durch die Sündenschuld des Leibes, und wer die Gunst der Welt dennoch ehrenvoll zu bewahren versteht, der unterzieht sich einer nützlichen Mühe.
Wes Leben so sich endet, Daß Gott nicht wird gepfändet Der Seele durch des Leibes Schuld, Und er dennoch sich die Huld Der Welt erhielt mit Würdigkeit, Der blieb vom rechten Ziel nicht weit.
Wer's tat und wer es tut, daß er bei seiner Liebsten ruht, Aufpassern unverborgen, der braucht sich nicht am Morgen fortzustehlen, er kann den Tag erwarten, man braucht ihn nicht hinauszuleiten in Sorge um sein Leben.