Alter Sprüche – romantisch

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So ein alter Kerl ich bin, wo ich Liebe sehe, ist mir's immer, als wär ich im Himmel.

Goethe, Erwin und Elmire, 1774/75. Bernardo

Alter liebt das Wenig, Jugend das Zuviel.

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Wenn man auch früher verliebt war, das schadet nichts, wenn man nur später gemütlich wird.

Busch, Eduards Traum, 1891

Vor manchen, manchen Jahren, als ich zuerst dich sah, war eine Locke rabenschwarz, braun deine Wange da. Jetzt ist die Wange blässer, wie Silber glänzt dein Haar, und dennoch bist du lieber mir, ja lieber, als mir der Jüngling war. Des Lebens schroffe Hügel erstiegen Hand in Hand wir, wie es Wind und Wetter gab. hin über Fels und Sand; jetzt ist der Abend milder, wir steigen sanft hinab, und dort am Fluß erwartet uns zusammen ein Brautgemach, das Grab.

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Die zeigen Ekel der verblühten Rose, Die vor der Knospe knieten.

Shakespeare, Antonius und Cleopatra, Erstdruck 1623

Und dieser Frühling macht dich bleicher, in weite Wiesen will dein Fuß, dein Lied wird leis, dein Wort wird weicher, mit jedem Wink, mit jedem Gruß.

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In Sternennacht, wenn's dämmert sacht über Feld und Heide, mußt himmelwärts o Menschenherz dich heben in Lust und Leide.

Sonntagsfeier. Andachten aus der Schatzkammer der Denker und Dichter, Verlag des Vereins für soziale Ethik und Kunstpflege in Berlin

Greise hängen mit zärtlichen Gefühlen an den Erinnerungen ihrer Jugend.

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Amor verleiht so spät zärtliche Liebe nicht mehr.

Properz, Elegien (Elegiae)

Herbstgefühl O wär' es bloß der Wange Pracht, Die mit den Jahren flieht! Doch das ist's, was mich traurig macht, Daß auch das Herz verblüht; Daß, wie der Jugend Ruf verhallt, Und wie der Blick sich trübt, Die Brust, die einst so heiß gewallt, Vergißt, wie sie geliebt. Ob von der Lippe dann auch kühn Sich Witz und Scherz ergießt, 's ist nur ein heuchlerisches Grün, Das über Gräbern sprießt. Die Nacht kommt, mit der Nacht der Schmerz Der eitle Flimmer bricht; Nach Tränen sehnt sich unser Herz Und findet Tränen nicht. Wir sind so arm, wir sind so müd, Warum, wir wissen's kaum; Wir fühlen nur, das Herz verblüht, Und alles Glück ist Traum.

Geibel, E., Gedichte. Jugendgedichte. Zweites Buch. Berlin

Und überhaupt, ich hab das Liebesgewerbe anheimgesagt; ich gehör nicht zu die Männer, die den Alten-Weiber-Sommer ihrer Gefühle für Jugendglut halten, die glauben, ihr Herz lebt noch, weil's manchmal Zuckungen macht wie ein galvanisierter Froschschenkel, und 's ist deßtwegen doch schon tot.

Nestroy, Die beiden Herren Söhne, 1845

Daß die Herzen mancher Greise – Wohl ganz seltsamer Weise – Ungeheuer Schnell ins Feuer Oft geraten, wenn sie schauen Schöne Mädchen oder Frauen, Schneller als bei Jungen dies mitunter Vorzukommen pflegt – nimmt mich nicht Wunder; Denn das grüne Holz ist ja viel nässer, Und das dürre brennt d'rum immer besser.

Fliegende Blätter, humoristische deutsche Wochenschrift, 1845-1944

Ich möchte weinen, doch ich kann es nicht; Ich möcht mich rüstig in die Höhe heben, Doch kann ich's nicht; am Boden muß ich kleben, Umkrächzt, umzischt von eklem Wurmgezücht. Ich möchte gern mein heitres Lebenslicht, Mein schönes Lieb, allüberall umschweben, In ihrem selig süßen Hauche leben – Doch kann ich's nicht, mein krankes Herze bricht. Aus dem gebrochnen Herzen fühl ich fließen Mein heißes Blut, ich fühle mich ermatten, Und vor den Augen wird's mir trüb und trüber. Und heimlich schauernd sehn ich mich hinüber Nach jenem Nebelreich, wo stille Schatten Mit weichen Armen liebend mich umschließen.

Heine, H., Gedichte. Buch der Lieder. Junge Leiden. Sonette. Fresko-Sonette an Christian S., 9.

Freit ein Alter ein junges Mädchen, nicht windet der Liebe Göttin ihm Rosen, sie flicht beißende Kress' ihm zum Kranz.

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Amarylle Oh stille Amarylle, Du blühst, wenn Herbst schon leer. Von Frucht- und Blütenfülle Bliebst du mir und nichts mehr. Ich trug dich in mein Zimmer, Balkon war schon zu kalt. Leucht Sommers letzten Schimmer Du mir. Das Jahr ist alt. Und alt ist auch mein Herz schon, Und weiß ist schon mein Haar. Sei du mein letzter Herbstlohn – Stumm, traurig. Und was mir war An Herzblühn und Geistfruchtzeit, Ist abgewelkt, wurmtaub. Auf Schmerz und Mühn und Sucht streut Enttäuschung totes Laub. Ach wenn auf meinem Grab nur Die stille Flamme ständ! Oh Amaryll, ich hab nur Das Licht, das jenseits brennt.

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Kleine, wenn wir alt geworden … Kleine, wenn wir alt geworden, Hat das Leben uns getrennt – Du im Süden, ich im Norden, Wo den andern keiner kennt. Deine Taille nicht mehr zierlich, Deine Rosenwangen blaß, Und behäbig-reputierlich Handelst du mit irgendwas. Ich – von mancher Lebensschlappe Schon gekerbt und wenig froh – Trage meine Aktenmappe Auf ein dämliches Bureau. Kleine, wenn wir alt geworden, Gibt sich unser leichter Sinn; Und ich kriege einen Orden, Weil ich so manierlich bin. Und was dir das Herz entflammte Ist verweht nach froher Frist, Und es führt zum Standesamte Dich ein Steuerakzessist. Und du liest in deinem Blättchen, – Abends liegt es vor der Tür, – Daß ich Lieder und Sonettchen Manchmal dichte noch, wie früh'r. Kleine, wenn sich Blüt' auf Blüte In die Haare steckt der Mai, Klingt ein Echo durchs Gemüte Und die Brust wird jung und frei. Wenn die Kinder längst entschliefen, Und der Alte sitzt beim Skat, Blätterst du in gelben Briefen – Aber nicht vom Steuerrat; Holst du dir die Liederbände, Die ich zärtlich damals schrieb; Und ich halte deine Hände, Und du hast mich wieder lieb. Kleine, höre was ich künde, Sieh mich lächelnd an dabei: Eine ew'ge große Sünde Ist der holde Monat Mai. Trotzend Muckern und Zeloten Raubt sich keck der Liebe List, Was auf Erden so verboten Und was, ach, so himmlisch ist. Denn wie wär' in dürren Tagen, Schneebedrückt und sorgenschwer, Wohl der Winter zu ertragen, Wenn kein Mai gewesen wär? Stunden, ach, zum Teufelholen Schleppt das Leben noch heran, Aber aus verrauschten Bowlen Mild erinnernd düftet's dann. Und auf gelben Blättern lesen Wir, wie einst der Puls uns schlug. Da wir keck und jung gewesen Und die Stirne Kränze trug. Ob den Frohsinn zu ermorden Uns ins Herz die Sorge kroch, Kleine, wenn wir grau geworden, Atmet unser Frühling noch!

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Ein Lied Mir schien, man altert nicht so bald, Man hält sich recht in Schwung Mit Hanteln und Florett, So bleibt der Körper jung. Doch daß das Herz auch alt wird, ach, Wer hätte das gedacht? An Wörtern fehlt's mir nicht, jedoch, Welch Weib ist schon beglückt, Wenn ich nicht mehr in Ohnmacht fall, Sobald ich sie erblickt? Doch daß das Herz auch alt wird, ach, Wer hätte das gedacht? Oh, das Begehren ist noch da, Nur nicht das Herz. Ich hätte Gemeint, daß es den Leib verzehrt Noch auf dem Totenbette, Denn daß das Herz auch alt wird, ach, Wer hätte das gedacht?

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… und nichts ist am Greise so lächerlich wie die Liebe, obwohl sie es außer anderen Wunderdingen oft zuwege bringt, ohne Rücksicht auf die Jahre ein erfrorenes Herz von neuem auflodern zu lassen.

Castiglione, Der Hofmann (Il Libro del Cortegiano), 1528

Ich kann nicht mehr recht sehen, ich kann nicht mehr recht hören, ich kann nur noch lieben.

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Ich beklage einen verliebten Greis, die Leidenschaften der Jugend richten einen verbrauchten und welken Körper furchtbar her.

Vauvenargues, Nachgelassene Maximen, übersetzt von Fritz Schalk, in: Die französischen Moralisten, 1938

Dreiste Blicke Über die Knie Unter ein Röckchen zu schaun – – Wenn sie doch das und die Haben, die schönen Fraun! Über einen öffnenden Saum In Täler zwischen Brüstchen Darf Blick wie stiller Traum Stürzen sein Lüstchen. Sollen doch Frauen auch So blicken, – nicht schielen – Wenn Arm, Popo und Bauch In Fältchen spielen. Nimm, was der Blick dir gibt, Sei es, was es sei. Bevor sich das selber liebt, Ist's schon vorbei.

Ringelnatz, J., Gedichte. Flugzeuggedanken, 1929