Charakter Sprüche – zeit
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Und so sag ich zum letzten Male: Natur hat weder Kern Noch Schale; Du prüfe dich nur allermeist, Ob du Kern oder Schale seist!
Gedrungen Schnell wachsende Keime Welken geschwinde; Zu lange Bäume Brechen im Winde. Schätz nach der Länge Nicht das Entsprungne! Fest im Gedränge Steht das Gedrungne.
Macht ohne Großmut und äußere Trauer ohne Schmerz, das sind Dinge, die man nicht mit ansehen kann.
Sei immer du und sei es ganz! Früh stirbt die Blume, nie der Kranz.
An den Scherben erkennt man den Topf.
Kein greulicher Aas denn von Menschen.
Es geht eins nach dem andern hin, Und auch wohl vor dem andern; Drum laßt uns rasch und brav und kühn Die Lebenswege wandern. Es hält dich auf, mit Seitenblick, Der Blumen viel zu lesen; Doch hält nichts grimmiger zurück, Als wenn du falsch gewesen.
Prahlt Mit mildem Brauch, meßt ängstlich eure Schritte; Gerader Sinn geht über alle Sitte, Und wächst auch wild auf, wie der Baum im Wald!
Der Charakter der Menschen ist ihren Gesichtern eingepräget. Alle Leidenschaften verursachen besondere Züge in dem Gesicht. Sind sie von langer Dauer, so werden die Züge unauslöschlich.
Darnach der Mann geraten, Wird ihm die Wurst gebraten.
Wir sind wie der Löwe in der Fabel, der seine Reißzähne beschimpft, sobald ihm das Opfer geschmeckt hat.
Es ist zweifellos viel wert, Spuren im Sand der Zeit zu hinterlassen, wichtiger aber ist es noch, daß sie auch in eine löbliche Richtung zeigen.
Ein Mann wird in hundert Jahren nicht vollkommen, aber verdorben wird er in weniger als einem Tag.
Über nichts wird flüchtiger geurteilt, als über die Charaktere der Menschen, und doch sollte man in nichts behutsamer sein.
Mancher verdirbt, noch ehe er stirbt.
Allerdings, Freund, taugen die Menschen und die Gurken nichts, sobald sie reif sind.
Ach, unsre Zeit verträgt es schwer, daß einer geht auf gerader Bahn, und daß ein Mensch sei ohne Falsch, sieht man als grauses Wunder an.
Perlen, die im Brausen des Sturms und unter dem Krachen des Donners entstehen, sind hohl und haben nur eine schöne Schale, aber keinen Kern.
Die Leute sagen immer: die Zeiten werden schlimmer; die Zeiten bleiben immer, die Leute werden schlimmer.
»Vor seinem Tode«, sagt Solon, »ist niemand glücklich zu schätzen« – und wir dürfen auch sagen: Vor seinem Tode ist niemand als Charakter zu preisen.
Wie ein Baum hart wird und dann die Unbilden des Himmels und die Unwetter in den Lüften erträgt, genau so erträgt der Mensch, sobald er härter geworden, Beschwerden der Welt und Stürme des Geschicks, die er nicht ertragen hätte, solange er noch zarter war.