Erfahrung Sprüche – sinn

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Nichts ist geeigneter, uns erhaben über alles Irdische zu machen, als die Fähigkeit, jeden Gegenstand, der uns im Leben aufstößt, richtig und vernunftgemäß zu untersuchen und ihn stets auf solche Art zu betrachten, daß es uns zugleich klar wird, in welchem Zusammenhange er stehe, welchen Nutzen er gewähre, welchen Wert er für das Ganze, welchen für den einzelnen Menschen habe [...].

Marc Aurel, Selbstbetrachtungen (Τὰ εἰς ἑαυτόν), entstanden vermutlich 170-180 n. Chr. 3,11. Übersetzt von Albert Wittstock, 1879

Unser ganzes Leben würde einen erhabeneren und ernsteren Charakter annehmen, wenn wir uns daran gewöhnen könnten, uns in Gedanken nicht fortwährend als Eins zu fühlen mit dem Gehäuse, das uns zur Wohnung dient, sondern mit dem wahren menschlichen Ich, das dieses Haus bewohnt. Wir würden dann die Unannehmlichkeiten des Lebens wie den Staub von unseren Kleidern abschütteln und zu der Erkenntnis gelangen, daß das Wertmaß für alles, was uns begegnet, nicht in den Leiden oder Freuden liegt, die dadurch unserem Körper zuteil werden, sondern darin, inwiefern es dem Menschen in uns zu seinem Fortschritte förderlich oder hinderlich ist, und da alle Vorkommnisse nur Mittel zur Erfahrung sind, und wir aus allen etwas lernen können, so sollten wir den Kümmernissen und Sorgen ihren Stachel nehmen, indem wir bei allem nach der Lehre forschen, die in ihm wie die Blüte in der Knospe eingeschlossen liegt.

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Ein Pädagoge: "Unter den vielen, vielen Lehrmeistern läßt sich einer die allerhöchsten Honorare zahlen: das Leben."

Weiß, So seid Ihr! Zweite Folge, 1909

Wer kein Geschäft mit dem Leben machen will, zeige an, daß er seinen Bestand an Bekanntschaften zu reduzieren beabsichtigt und seine Erfahrungen unter dem Einkaufspreis abgibt.

Kraus, Sprüche und Widersprüche, 4. Auflage 1924 (EA: 1909). IX. Sprüche und Widersprüche

Unsereiner Wird immer kleiner, Je tiefer er ins Leben geguckt hat.

Ringelnatz, J., Gedichte. 103 Gedichte, 1933. Aus: Viel gesiebt

In dem Maße, in dem die eigene Person aufhört, Wunder und Zweck zu sein, bis sie zuletzt ein kaum gespürtes Zwischenelement wird, gleichsam Schatten eines Körpers, den man nicht kennt, noch erkennen kann, in dem Maße wächst die Schwierigkeit und Gefährlichkeit des Lebens mit und unter den Menschen, sowie der geheimnisvolle Charakter alles dessen, was man Realität und Erfahrung nennt.

Wassermann, Mein Weg als Deutscher und Jude, 1921