Erziehung Sprüche – philosophisch
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Die Offenbarung ist nichts Abgeschlossenes und Vollendetes, sondern etwas ewig Flüssiges, ewig Erdendes, eine unendliche Entwicklung, kurz: die Erziehungsmethode der Menschheit – Erziehung ist Offenbarung, die dem einzelnen geschieht, und Offenbarung ist Erziehung, die dem ganzen Menschengeschlecht geschehen ist.
Die moderne Erziehung macht die Verständigung mit der Jugend immer schwieriger. Nicht genug damit, daß man ihre Fragen nicht mehr beantworten kann - man weiß oft nicht einmal, wovon die Rede ist.
Über drei Dinge wird in unseren Tagen zuviel geschrieben und geredet: Über Kunst, Gesundheit und Erziehung. Folge davon, daß wir unkünstlerisch, kränkelnd und ungezogen geworden sind.
Bildung der Denkart, der Gesinnungen und Sitten ist dieeinzigeErziehung, die diesen Namen verdient, nicht Unterricht, nicht Lehre.
Die Bildung des Willens ist der eigentliche Mittelpunkt der Pädagogik.
Es muß jede Erziehung in erster Linie eine moralische, in zweiter eine intellektuelle sein. Eine vollständige intellektuelle Erziehung vor einer moralischen, oder gar ohne eine solche, ist unmöglich und eine unvollständige ist ein Unglück.
Aufgabe der Erziehung wäre es, den metaphysischen Hunger der Menschheit durch Mitteilung von Tatsachen mit weisem Maß zu stillen statt ihn durch Märchen, was ja die Dogmen sind, zu betrügen.
Unsre Erzieher warnen uns erst vor Lügen, dann vor Wahrheiten.
Wenn ein Menschenkind, wie sich ein Philosoph ausdrückt, erstens discipliniert, zweitens kultiviert, drittens zivilisiert und viertens moralisiert werden muß, so muß es fünftens auch divinisiert, das heißt zum göttlichen Leben gebildet werden, wenn ihm anders das höchste Leben, das eigentliche Leben im Menschenleben, nicht fehlen soll.
Daher ist die Erziehung das größeste Problem, und das schwerste, was dem Menschen kann aufgegeben werden. Denn Einsicht hängt von der Erziehung, und Erziehung hängt wieder von der Einsicht ab.
Es ist möglich, daß man durch Tadel und Schelten, durch Moralisieren und Predigen, durch Warnung vor üblen Folgen, durch Drohung von Strafen manchen Menschen vom Bösen abhält, ja auf einen guten Weg bringt; aber eine weit höhere Kultur wird bei Kindern und Erwachsenen eingeleitet, wenn man nur bewirken kann, daß sie über sich selbst reflektieren.
Die Grundlage der Erziehung muß das Haus übernehmen, aber die Selbsterziehung, zu welcher der Mensch nur in der Einsamkeit, in der Stunde des Nachdenkens über sich selbst, im stillen Verkehr mit seinem eigenen Fühlen und Denken kommt, darf ebensowenig fehlen wie die Erziehung durchs Leben, die im Umgang mit andern, zumeist unbewußt von diesen und von diesen nicht minder erfolgreich, wie durch mannigfaltige Schicksale, erworben wird.
Nicht Überladung mit totem Wissen, sondern Läuterung und Stärkung des sittlichen Gefühls ist der höchste Zweck der Erziehung.
Wie keine gute und keine böse Natur, so gibt es auch im Menschen keine guten und keine bösen Triebe: mit rohen Trieben beginnt der Mensch, und ihre Veredlung ist die ganze Aufgabe der Erziehung. Triebe vertilgen zu wollen, anstatt sie zu veredeln, heißt den Menschen verstümmeln; und entweder gelingt dies letztere, und wir bilden Halbmenschen heran, die zu nichts Rechtem nütze sind, oder die rohgebliebene Natur sprengt die unleidlichen Fesseln und bricht sich Bahn als der Individualismus unserer Tage, der den Sinnengenuß für das Höchste hält und sich nicht scheut, seine Glückseligkeit über den Trümmern fremden Glücks zu gründen. Es gibt eben – wie Feuerbach sagt – auch eine Glückseligkeit der Schlangen.
Die sittliche Erziehung ist um so wichtiger, weil der Mensch, je mehr er bloß intellektuell gebildet ist, ohne von Tugend etwas zu wissen, desto eher zum ungerechtesten und wildesten aller Wesen ausartet, eben weil ihm sein überlegener Verstand nun mehr Waffen in die Hand gibt, andern zu schaden.
Wir haben [...] das Reale ins Auge gefaßt, in dessen Dienst die Erziehung steht; und dieses Reale ist die gesamte Menschennatur in ihrer normalen Ausgestaltung, also ein gesunder und wohlgeübter Körper, ein kenntnisreicher und denkender Geist, ein sittlich reiner und tatkräftiger Wille, ein heiteres und für das Schöne empfängliches Gemüt, eine vernünftige Religiosität.
Die höhere und seelische Erziehung hat die Aufgabe, die Eingebungen der Natürlichkeit mit den Gesetzen des guten Tons so in Harmonie zu bringen, daß man gebildet wird und doch natürlich bleibt bei aller Bildung.
Nach Absolvierung der Religionsstunde kommt in der nächsten Stunde der Lehrer für Naturwissenschaften. Gab's dort nur ewige Rätsel und nichts als Wunder, so muß jetzt ein jedes Rätsel gelöst werden, und wird jedes Wunder als Märchen, als erregte Phantasie oder ganz und gar als erlogenes Unding schlechtweg bezeichnet.
Erziehung ist Offenbarung, die dem einzelnen Menschen geschieht: und Offenbarung ist Erziehung, die dem Menschengeschlechte geschehen ist, und noch geschieht.
Die Grundursache des sittlichen Verderbens liegt in der falschen Maxime, die das Wissen von Weisheit, das Lernen von der Zucht, die Erziehung des Kopfes von jener des Menschen getrennt hat.
Die menschliche Gattung, sich selbst überlassen, ist brutal; nur die Erziehung vermag etwas.