Gedanken Sprüche – mut

36 Sprüche gefunden

Aktive Filter: Gedanken mut

Ich muß nun einmal meine Haut zu Marke tragen, meine Haare auf meiner Schädeldecke und keine Perücke. Darum, weil ich muß, will ich auch mein eignes Leben leben. Und sollte ich bis an mein Lebensende zur Miete wohnen, so sollen wenigstens meine Gedanken ein Stück eignen Grund und Bodens unter sich haben, wo sie hausen und einander bestreitend sich heimlich vertragen.

Merian (Hg.), Trotzdem. 366 deutsche Gedanken und Gedichte, Gerhard Merian, Stuttgart-Degerloch, um 1926

Am Anfang jeder übernommenen Verpflichtung stehe diese: über das Maß seiner Kraft, seiner Ausdauer, seines Opfermutes im klaren zu sein – oder die Übernahme selbst wird zur Schuld.

Schnitzler, Buch der Sprüche und Bedenken. Aphorismen und Fragmente, 1927

Wir kommen durch alle Wünsche, Klagen, Hoffnungen und Befürchtungen auch nicht den kleinsten Schritt weiter, sondern geraten nur immer tiefer in Mutlosigkeit und Verwirrung. Am besten ist's, wir legen uns klar und trocken noch einmal alles auseinander, scheiden das Richtige von dem Unrechten und gehen dann ein jeder mutig, tapfer und ergeben den vorgeschriebenen Weg.

Raabe, Die Leute aus dem Walde, ihre Sterne, Wege und Schicksale, 1863. 27. Kapitel

Große Gedanken sind wie Gebirgsschluchten wild und gefährlich.

Luck, Stimmen der Stille. Aphorismen, 1919

Unser Denkvermögen durchbricht die Bollwerke des Himmels und begnügt sich nicht, das zu wissen, was sich dem Auge darbietet.

Seneca, Von der Muße (De otio). 5. Kapitel. Übersetzt von Otto Apelt (1923)

Zu dir Sie sprangen aus rasender Eisenbahn Und haben sich gar nicht weh getan. Sie wanderten über Geleise, Und wenn ein Zug sie überfuhr, Dann knirschte nichts. Sie lachten nur. Und weiter ging die Reise. Sie schritten durch eine steinerne Wand, Durch Stacheldrähte und Wüstenbrand, Durch Grenzverbote und Schranken Und durch ein vorgehaltnes Gewehr, Durchzogen viele Meilen Meer. – Meine Gedanken. – Ihr Kurs ging durch, ging nie vorbei. Und als sie dich erreichten, Da zitterten sie und erbleichten Und fühlten sich doch unsagbar frei.

Ringelnatz, J., Gedichte. Flugzeuggedanken, 1929

Jeder neue Gedanke ist eine Gerade.

Bosshart, Bausteine zu Leben und Zeit, posthum hg. von Elsa Bosshart-Forrer, 1929

Auf einen, der einen neuen Gedanken hat, kommen hundert andere, die ihn breit treten.

Fliegende Blätter, humoristische deutsche Wochenschrift, 1845-1944

Man müsse, fügte er [Goethe] hinzu, stets auf einem großen Stück Papier beginnen, der kleine Raum beenge auch die Gedanken.

Goethe, J. W., Gespräche. Mit de l'Aspées Schülerinnen, 14. Juni 1805

Es führt dich meilenweit ... Es führt dich meilenweit von dannen Und bleibt doch stets an seinem Ort, Es hat nicht Flügel auszuspannen Und trägt dich durch die Lüfte fort. Es ist die allerschnellste Fähre, Die jemals einen Wandrer trug, Und durch das größte aller Meere Trägt es dich mit Gedankenflug, Ihm ist ein Augenblick genug! Dies leichte Schiff, das mit Gedankenschnelle Mich durch die Lüfte ruhig trägt, Sich selbst nicht von dem Ort bewegt, Das Sehrohr ists, das in die Ferne Den Blick beflügelt bis ins Land der Sterne.

Schiller, F., Gedichte. Rätsel aus »Turandot«, 1803

Deutliche Aussprache des Schwierigen gibt Geistesgegenwart.

Hille, Ich bin, also ist Schönheit, 1975 (posthum). Die Sprache

Die Gedanken der Menschen haben überall ihre Ufer. Bei den einen sind sie flach verlaufend und niedrig, bei den andern hoch und trotzig abspringend. Gleichviel, es sind Ufer. Um sie herum wogt unübersehbar der große Ozean ihrer Beschränkung. Wie mancher tollkühne Schwimmer hat in diesen Wogen schon sein Grab gefunden!

Eyth, Bilder ohne Rahmen. Aus den Papieren einer Unbekannten mitgetheilt – nicht von ihr selbst, 8. Auflage 1894 (EA: 1852) (anonym)

Ein großer Gedanke kennt keine Grenzen.

Tolstoi, Tagebücher. 1852

Der Gedanke betrachtet sich den Weg und geht bedächtig im schönen Schrittwechsel, damit er nicht über die eigenen Füße stolpert.

Conrad, Was die Isar rauscht, 1887

Klage nimmermehr der Schranke, Die hienieden dir gesetzt − Frei erhebt sich der Gedanke, Blieb das Herz dir unverletzt!

Dix, Aus jungem Herzen, 1898. Aus dem Gedicht: Ermunterung