Schicksal Sprüche – leben

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Seele des Menschen, Wie gleichst du dem Wasser! Schicksal des Menschen, Wie gleichst du dem Wind!

Goethe, J. W., Gedichte. Ausgabe letzter Hand, 1827. Vermischte Gedichte. Aus: Gesang der Geister über den Wassern

Beherzigung Ach, was soll der Mensch verlangen? Ist es besser, ruhig bleiben? Klammernd fest sich anzuhangen? Ist es besser, sich zu treiben? Soll er sich ein Häuschen bauen? Soll er unter Zelten leben? Soll er auf die Felsen trauen? Selbst die festen Felsen beben. Eines schickt sich nicht für alle! Sehe jeder, wie er's treibe, Sehe jeder, wo er bleibe, Und wer steht, daß er nicht falle!

Goethe, J. W., Gedichte. Ausgabe letzter Hand, 1827, Lieder

Es kann wohl sein, daß der Mensch durch öffentliches und häusliches Geschick zuzeiten gräßlich gedroschen wird; allein das rücksichtslose Schicksal, wenn es die reichen Garben trifft, zerknittert nur das Stroh, die Körner aber spüren nichts davon und springen lustig auf der Tenne hin und wider, unbekümmert, ob sie zur Mühle, ob sie zum Saatfeld wandern.

Goethe, Maximen und Reflexionen. Aphorismen und Aufzeichnungen. Nach den Handschriften des Goethe- und Schiller-Archivs hg. von Max Hecker, 1907. Aus: Kunst und Altertum, 5. Bandes 3. Heft. 1826, Einzelnes

Auf allen Pfaden des Lebens führen die Horen dich streng, wie es das Schicksal gebeut.

Goethe, J. W., Gedichte. Ausgabe letzter Hand, 1827. Epigramme. Venedig 1790

Dein Schicksal ruht in deiner eigenen Brust.

Schiller, Die Jungfrau von Orleans. Eine romantische Tragödie, 1801. 3. Akt, 4. Autritt, Johanna

Nicht was wir erleben, sondern wie wir empfinden was wir erleben, macht unser Schicksal aus.

Ebner-Eschenbach, Ein Spätgeborner, 1875. Vorangestelltes Motto

Wir werden vom Schicksal hart oder weich geklopft; es kommt auf das Material an.

Ebner-Eschenbach, Aphorismen. Parabeln, Märchen und Gedichte (= Gesammelte Schriften, 1. Band), 1893

Wer darf denn sagen, er stehe fest, wenn auch das Schöne seinem Schicksal so entgegenreift, wenn auch das Göttliche sich demütigen muß, und die Sterblichkeit mit allem Sterblichen teilen!

Hölderlin, Hyperion oder der Eremit in Griechenland, 2 Bde., 1797-99. Zweiter Band. Erstes Buch. Hyperion an Bellarmin

Das Schicksal ist ein Wechselspiel, Ein rätselhaftes Walten, Und ohn' Erbarmen – wie sein Ziel, Wird es auch dich gestalten. Wohin du auch gehst, was du auch magst beginnen, Glaub'! –: deinem Schicksal wirst du nicht entrinnen.

Kral (Hg.), Christliches Zitatenlexikon, hg. von Josef Kral, 1950. Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung des IGW Verlags

Wir müssen von ganzem Herzen alles, was uns trifft, willkommen heißen, wir dürfen auch innerlich nicht murren, ja uns nicht einmal wundern.

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Was einen treffen kann, kann jeden treffen.

Publilius Syrus, Sprüche (Sententiae), um 50 v. Chr

Den Willigen führt das Schicksal, den Unwilligen reißt es mit sich fort.

Seneca, Briefe an Lucilius (Epistulae morales ad Lucilium), 62 n. Chr. 107. Brief. Seneca übersetzt hier Kleanthes. Originaltext: Ducunt volentem fata, nolentem trahunt.

Beschwerlich ist jeder Pfad, welcher aufwärts führt. Die Vorsehung will es so, daß wir die Höhepunkte der Erde wie des menschlichen Daseins nur unter Hindernissen und nach langen Mühen erreichen können.

Eötvös, Gedanken, 2. Ausgabe 1867 (EA: 1864)

Der braucht das Schicksal recht, den es einen schicksalhaften Mut lehrt.

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Das Schicksal ist grausam und die Menschen sind erbärmlich.

Schopenhauer, Parerga und Paralipomena, 2 Bde., zweite vermehrte Auflage 1862 (EA: 1851). Erster Band. Aphorismen zur Lebensweisheit. Kapitel 2: Von dem, was einer ist

Das Schicksal der Menschen ist auf glückliche Augenblicke eingerichtet – jedes Leben hat solche –, aber nicht auf glückliche Zeiten.

Nietzsche, Menschliches, Allzumenschliches. Ein Buch für freie Geister, 2. erweiterte Auflage 1886 (EA: 1878). Erster Band. Achtes Hauptstück. Ein Blick auf den Staat

Man muß sein Brot mit dem Messer schneiden, das einem das Schicksal, ob stumpf oder scharf, dazu in die Hand gibt.

Raabe, Gedanken und Einfälle (Sämtliche Werke, Dritte Serie, Bd. 6), 1913

Wen ein großes Schicksal zugrunde richtet, ist klein, wen ein kleines vernichtet, der kann groß sein.

Hebbel, Tagebücher. Nach der historisch-kritischen Ausgabe von R. M. Werner, 4 Bde., 1903-04. 1835

Das Schicksal ist die Idee der Welt.

Hebbel, Tagebücher. Nach der historisch-kritischen Ausgabe von R. M. Werner, 4 Bde., 1903-04. 1839

Was man so die Launen des Schicksals nennt, das ist in Wahrheit nichts andres als die Rache der göttlichen Weisheit an den Plänen der falschen Weisen, mit denen sie ihr Spiel treibt.

France, Nützliche und erbauliche Meinungen des Herrn Abbé Jérôme Coignard, gesammelt von seinem Schüler Jacques Tournebroche, übersetzt von Friedrich von Oppeln-Bronikowski, München 1924. Die Akademiker

In alles Unvermeidliche Gieb' Dich geduldig d'rein, Sonst steigert in's Unleidliche Sich Dir des Lebens Pein.

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