Sterben Sprüche – eltern
14 Sprüche gefunden
Leichenwagen: Der Kinderwagen des Todes.
Daß liebender, im Bunde mit Sterblichen Das Element dann lebet und dann erst reich, Bei frommer Kinder Dank, der Erde Kraft, die unendliche, sich entfaltet [...].
Schwalbensiziliane. Zwei Mutterarme, die das Kindchen wiegen, es jagt die Schwalbe weglang auf und nieder. Maitage, trautes Aneinanderschmiegen, es jagt die Schwalbe weglang auf und nieder. Des Mannes Kampf: Sieg oder Unterliegen, es jagt die Schwalbe weglang auf und nieder. Ein Sarg, auf den drei Handvoll Erde fliegen, es jagt die Schwalbe weglang auf und nieder.
Stirbt ein Elternteil, so stirbt die Vergangenheit. Stirbt ein Partner, so stirbt die Gegenwart. Stirbt ein Kind, so stirbt die Zukunft.
Sterben ist ebenso natürlich wie das Geborenwerden, und für einen Säugling ist das eine vielleicht so schmerzhaft wie für uns das andere.
Wenn ich tot bin In der Truhe liegt ein weißes Kleid und ein grünes Kränzlein dicht daneben – meine Mutter hat es mir gegeben, meine Mutter tut mir gar so leid. "Trag' mein lebelang kein Festgewand, nie wird mich die Myrtenkrone schmücken" – Ging die alte Frau Zypressen pflücken, drückte sie mir weinend in die Hand. Meine Mutter bracht' es fast ins Grab, daß die Leute so verächtlich taten, weil der Herzgeliebte mich verraten, unserm Kinde keinen Namen gab. "Wenn ich tot bin, Mutter, nimm das Kleid und das Myrtenkränzlein aus der Truhe, tu mir ab die schweren Wanderschuhe, lege mir den Hochzeitsstaat bereit. Bald, ich fühl's ist meine Zeit dahin – liebe Mutter, darfst nicht um mich klagen – wenn die Leute kommen nach mir fragen, sag' – daß ich bei meinem Kinde bin…"
Auf dem Schwarzwald Die Wolken ziehen vom Mittag her, weißleuchtende Segel in blauem Meer. Wie alte Tempelsäulen stehn ernstgraue Felsen; im Windeswehn darüber wallend ein grüner Kranz, und um sie im schimmernden, flimmernden Glanz, wie reiches Geschmeide, rotblühende Heide. Doch im Dämmern des Waldes in moosiger Kluft von Tannennadeln ein schauernder Duft; ein Lichtstrahl, der verloren irrt, ein plätschernder Quell, ein Tauber girrt; verhallend stößt der kreisende Weih fernher aus den Lüften klagenden Schrei hoch über den Zweigen; sonst tiefes Schweigen. Im Gerank und Gestein ein Pfad noch kaum, nur einsame Wildnis im Mittagstraum. Da schillert es auf wie ein spiegelnder Bach, aus silbernen Schindeln ein glitzerndes Dach, eine letzte Behausung, weithin allein und verlassen im zitternden Sonnenschein; nur Rispen und Ranken lispeln und schwanken. Kein Laut; weit offen das graue Tor, zwei winzige Geschöpfchen nur knien davor; ein Büblein, ein Mägdlein, zusammengeschmiegt, barfüßig, barhäuptig. So reglos liegt auf den Knien das Pärchen. Ein Hauch bewegt ihm das flächserne Haar; aneinander gelegt hält stumm es nach oben die Hände gehoben. Ist's zum Mittagsgebet? Kein Herdrauch steigt vom Dachfirst auf, und alles schweigt. Durchs Stubenfenster nur schimmert es hell: Ein Linnen, gespreitet auf niedrem Gestell, ein Kopf, heraufgebettet am Rand, ein weißes Gesicht; eine reglose Hand hält licht wie von Golde eine Blütendolde. Wie Silber rieselt's vom glimmernden Dach; die Mutter liegt tot im dumpfen Gemach, der Vater stieg zum Kirchhof hinab in der Mittagsrast und bestellt ein Grab; tief drunten klirrt sein Schritt durchs Gestein, gleichmäßig. Die Kinder blieben allein, die Hände faltend und Totenwacht haltend.
Nimmt man das Vaterland an den Schuhsohlen mit?
An Vaters Sterbebett Ich saß an meines Vaters Sterbebett und sah sein stilles bleiches Angesicht. Im Zimmer dunkelte die Mitternacht. Ein schwacher Schimmer kam vom kleinen Licht. Den Blick nach oben und die Lider zu, so röchelte, der da im Bette lag, und bleich und groß und hehr schien das Gesicht, und einsam, totenstumm war das Gemach. Und ich – ich grub im Rätselgrund: "Wer ist es, der hier stöhnt? – Was schwindet hin? Wer ist, der um den letzten Atem ringt?" Und rang, umnachtet von dem Rätselsinn, Und Tausend - Ungezählte sah'n mich an aus fremden Zügen, die ich Vater nannte, ein ewiger Zug war's, der gestorben war, ewig der eine doch, der herzverwandte. Der Vater und des Vaters Vater war's, der noch im Bilde blickte von der Wand. Und jeder hatte einmal so erschaudernd gegriffen nach des Vaters Sterbehand; und einmal auch im Leben hatte jeder die Hand nach seines Sohnes Liebe ausgestreckt; und alle stummen Trauertränen hatten den finstern Gast, den Tod nicht fortgeschreckt. Du warst es ewig, du, der Ich sich nannte, und der doch immer nur der eine ist, der ewig ruhelos in die Ewigkeit verbannte, und den der Todmann sanft zur Ruhe küßt, damit er fort und fort im Staube schreite, am Rätsel löse und am Schauen webe. Damit er allen Erdentiefen Sinn, damit er tiefsten Gottesgrund erlebe –. Ich bin es, der hier stöhnt und der hier sinnt, ich reiche selbst im Leid mir Liebe zu, ich schloß die Augen längst, – immer weiter führt mich mein Rätsel weg aus ew'ger Ruh'.
Das Flämmchen Der Vater sitzt am Pfühl des einz'gen Kindes, In dessen Leibe Fiebergluten lodern. Er zählt die abgehetzten, irren Pulse. Dann blickt er seufzend durch das offne Fenster. Wehmütig lauscht der Mond im stillen Garten. Ein schlanker, blasser Knabe lehnt am Stamm Der blühnden Linde nah bei dem Springbrunn. Er hält ein zierlich Lämpchen in der Rechten Und bläst mit spitzen Lippen nach der Flamme, Die, waagrecht streichend und vom Dochte fliehend, Unrettbar zu erlöschen droht. Jetzt hemmt Er seinen Hauch und wieder steigt die Flamme. Dann fängt er fühllos abermals sein Spiel an. Der Springbrunn plätschert ängstig, und es schluchzt Vom tauigen Blütenzweig die Nachtigall.
Der Knabe 1 Es spielten auf der Blumenau Die Kinder allzumal, Die Sonne sank, der Mond sah hell Herab ins stille Tal. Da nahte eine Mutter sich Und winkte ihrem Sohn. Der Knabe sah sie bittend an: "Ach, liebste Mutter, schon?" Die Mutter ging mit ihm nach Haus Und zog ihm aus das Kleid, Der Knabe trotzte: fern von mir Sind Schlaf und Müdigkeit! Die Mutter brachte ihn zu Bett, Das kränkte ihn gar tief; Sein Auge war noch tränenfeucht, Als er schon ruhig schlief. Ich frug: warum muß euer Kind So früh zu Bette gehn? Die Mutter lächelte mich an: "Um fröhlich aufzustehn!" 2 Ich ging nach einer kurzen Frist Dem kleinen Haus vorbei; Ich sah die Fenster dicht verhüllt Und hörte Wehgeschrei. Ich ging hinein, da sah ich bald, Was hier geschehen war, Der muntre Knabe, still und bleich, Lag auf der Totenbahr. Die Mutter schaute auf zu mir, Sie sah mich flehend an, Ich wurde erst so still wie sie, Doch tröstend sprach ich dann: Der liebe Gott, er denkt wie du, Läßt früh ihn schlafen gehn, Damit er einst am Jüngsten Tag Kann fröhlich auferstehn!
Eltern und Kindern bleibt nichts übrig, als entweder vor- oder hintereinander zu sterben, und man weiß am Ende nicht, was man vorziehen sollte.
Der Große ist ein geborenes Kind. Wenn er stirbt, hinterlässt er der Welt die große Botschaft des Kindes.
Liebste Gattin und Mutter Es war mir nicht möglich, euch von diesen Schmerzen, die ihr jetzt um meinetwillen zu leiden habt, zu befreien. Wie hart wird es für unseren lieben Heiland gewesen sein, dass er durch sein Leiden und Sterben seiner lieben Mutter so große Schmerzen bereiten musste.