Sterben Sprüche – kinder

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Leichenwagen: Der Kinderwagen des Todes.

Bierce, Des Teufels Wörterbuch (The Cynic's Word Book), 1906 (1909 als »Devil’s Dictionary« in ›Collected Works‹, Vol. 7)

Daß liebender, im Bunde mit Sterblichen Das Element dann lebet und dann erst reich, Bei frommer Kinder Dank, der Erde Kraft, die unendliche, sich entfaltet [...].

Hölderlin, F., Gedichte. Aus: Ermunterung (Erste Fassung)

Schwalbensiziliane. Zwei Mutterarme, die das Kindchen wiegen, es jagt die Schwalbe weglang auf und nieder. Maitage, trautes Aneinanderschmiegen, es jagt die Schwalbe weglang auf und nieder. Des Mannes Kampf: Sieg oder Unterliegen, es jagt die Schwalbe weglang auf und nieder. Ein Sarg, auf den drei Handvoll Erde fliegen, es jagt die Schwalbe weglang auf und nieder.

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Stirbt ein Elternteil, so stirbt die Vergangenheit. Stirbt ein Partner, so stirbt die Gegenwart. Stirbt ein Kind, so stirbt die Zukunft.

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Den Alten macht Hunger zur Leiche, den Jungen die Seuche.

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Wer der Geburt nicht entgangen ist, entgeht nicht dem Tode.

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Was zum Galgen geboren ist, ersäuft nicht.

Simrock (Hg.), Die deutschen Sprichwörter (= Die deutschen Volksbücher, Bd. 5), 1846

Auf dem Schwarzwald Die Wolken ziehen vom Mittag her, weißleuchtende Segel in blauem Meer. Wie alte Tempelsäulen stehn ernstgraue Felsen; im Windeswehn darüber wallend ein grüner Kranz, und um sie im schimmernden, flimmernden Glanz, wie reiches Geschmeide, rotblühende Heide. Doch im Dämmern des Waldes in moosiger Kluft von Tannennadeln ein schauernder Duft; ein Lichtstrahl, der verloren irrt, ein plätschernder Quell, ein Tauber girrt; verhallend stößt der kreisende Weih fernher aus den Lüften klagenden Schrei hoch über den Zweigen; sonst tiefes Schweigen. Im Gerank und Gestein ein Pfad noch kaum, nur einsame Wildnis im Mittagstraum. Da schillert es auf wie ein spiegelnder Bach, aus silbernen Schindeln ein glitzerndes Dach, eine letzte Behausung, weithin allein und verlassen im zitternden Sonnenschein; nur Rispen und Ranken lispeln und schwanken. Kein Laut; weit offen das graue Tor, zwei winzige Geschöpfchen nur knien davor; ein Büblein, ein Mägdlein, zusammengeschmiegt, barfüßig, barhäuptig. So reglos liegt auf den Knien das Pärchen. Ein Hauch bewegt ihm das flächserne Haar; aneinander gelegt hält stumm es nach oben die Hände gehoben. Ist's zum Mittagsgebet? Kein Herdrauch steigt vom Dachfirst auf, und alles schweigt. Durchs Stubenfenster nur schimmert es hell: Ein Linnen, gespreitet auf niedrem Gestell, ein Kopf, heraufgebettet am Rand, ein weißes Gesicht; eine reglose Hand hält licht wie von Golde eine Blütendolde. Wie Silber rieselt's vom glimmernden Dach; die Mutter liegt tot im dumpfen Gemach, der Vater stieg zum Kirchhof hinab in der Mittagsrast und bestellt ein Grab; tief drunten klirrt sein Schritt durchs Gestein, gleichmäßig. Die Kinder blieben allein, die Hände faltend und Totenwacht haltend.

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Hörst du, wie um unser Haus Geht der Wind? Wein' dir nicht die Augen aus, Liebes Kind! Wolke, Wind und Herzensgram Bald vergeht, Blauer Himmel wundersam Drüber steht. Weine, weine nicht so sehr! Längst hat Ruh' Eine, die – 's ist lange her – Litt wie du.

Keller, P., Gedichte und Gedanken, 1933

Das Flämmchen Der Vater sitzt am Pfühl des einz'gen Kindes, In dessen Leibe Fiebergluten lodern. Er zählt die abgehetzten, irren Pulse. Dann blickt er seufzend durch das offne Fenster. Wehmütig lauscht der Mond im stillen Garten. Ein schlanker, blasser Knabe lehnt am Stamm Der blühnden Linde nah bei dem Springbrunn. Er hält ein zierlich Lämpchen in der Rechten Und bläst mit spitzen Lippen nach der Flamme, Die, waagrecht streichend und vom Dochte fliehend, Unrettbar zu erlöschen droht. Jetzt hemmt Er seinen Hauch und wieder steigt die Flamme. Dann fängt er fühllos abermals sein Spiel an. Der Springbrunn plätschert ängstig, und es schluchzt Vom tauigen Blütenzweig die Nachtigall.

Frey, Gedichte

Grabschrift unsres Haushahns An diesem Baume ruht der Haushahn, treu und gut. Er führt' ins achte Jahr der lieben Hennen Schar. Als wackrer Ehemann rührt' er kein Krümchen an, was wir ihm vorgebrockt, bis er die Fraun gelockt. Nun strotzt er nicht mehr im Hofe stolz umher und jagt aus seinem Ort des Nachbarn Hühner fort. Nun schützt er nicht vor Graun im Sturm und Nacht die Fraun. Nun wecket uns nicht früh sein helles Kikeriki. Vor Alter blind und taub, sank er zuletzt in Staub. Sein Kamm, so schön und rot, hing nieder, bleich vom Tod. Hier graben wir ihn ein, wir Kinder, groß und klein, und sagten wehmutsvoll: du guter Hahn, schlaf' wohl!

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Die Kapelle Droben stehet die Kapelle, Schauet still ins Tal hinab. Drunten singt bei Wies' und Quelle Froh und hell der Hirtenknab'. Traurig tönt das Glöcklein nieder, Schauerlich der Leichenchor, Stille sind die frohen Lieder, Und der Knabe lauscht empor. Droben bringt man sie zu Grabe, Die sich freuten in dem Tal. Hirtenknabe, Hirtenknabe! Dir auch singt man dort einmal.

Uhland, L., Gedichte. Geschrieben im September 1805, nach einem Spaziergang mit Freunden von Tübingen nach Wurmlingen

Der Knabe 1 Es spielten auf der Blumenau Die Kinder allzumal, Die Sonne sank, der Mond sah hell Herab ins stille Tal. Da nahte eine Mutter sich Und winkte ihrem Sohn. Der Knabe sah sie bittend an: "Ach, liebste Mutter, schon?" Die Mutter ging mit ihm nach Haus Und zog ihm aus das Kleid, Der Knabe trotzte: fern von mir Sind Schlaf und Müdigkeit! Die Mutter brachte ihn zu Bett, Das kränkte ihn gar tief; Sein Auge war noch tränenfeucht, Als er schon ruhig schlief. Ich frug: warum muß euer Kind So früh zu Bette gehn? Die Mutter lächelte mich an: "Um fröhlich aufzustehn!" 2 Ich ging nach einer kurzen Frist Dem kleinen Haus vorbei; Ich sah die Fenster dicht verhüllt Und hörte Wehgeschrei. Ich ging hinein, da sah ich bald, Was hier geschehen war, Der muntre Knabe, still und bleich, Lag auf der Totenbahr. Die Mutter schaute auf zu mir, Sie sah mich flehend an, Ich wurde erst so still wie sie, Doch tröstend sprach ich dann: Der liebe Gott, er denkt wie du, Läßt früh ihn schlafen gehn, Damit er einst am Jüngsten Tag Kann fröhlich auferstehn!

Hebbel, F., Gedichte

Wer geboren wird, schreit; wer stirbt, betet.

Oesch (Hg.), Russische Sprichwörter. Ausgewählt und übersetzt von Will A. Oesch, Zürich 1945

Eltern und Kindern bleibt nichts übrig, als entweder vor- oder hintereinander zu sterben, und man weiß am Ende nicht, was man vorziehen sollte.

Goethe, Maximen und Reflexionen. Aphorismen und Aufzeichnungen. Nach den Handschriften des Goethe- und Schiller-Archivs hg. von Max Hecker, 1907. Aus dem Nachlass. Über Literatur und Leben

Wer früh stirbt, der stirbt wohl; Wen Gott zu lieben pflegt, Der wird in seiner Blüth' in frischen Sand gelegt.

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Der Große ist ein geborenes Kind. Wenn er stirbt, hinterlässt er der Welt die große Botschaft des Kindes.

Tagore, Verirrte Vögel (Stray Birds), 1916; hier übersetzt von Helene Meyer-Franck. [125]

Ein Sprichwort in Neverland sagt, dass jedesmal, wenn du atmest, ein Erwachsener stirbt.

Barrie, Peter Pan, oder der Junge, der nicht erwachsen werden wollte (Peter Pan, or The Boy Who Wouldn’t Grow Up), 1904. Übers. Internet