Sterben Sprüche – philosophisch

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Nach dem Naturinstinkte hingegen würde dem Menschen der Arzt der wichtigste Mann sein, weil dieser ihm sein Leben fristet, darauf allererst der Rechtserfahrene, der ihm das zufällige Seine zu erhalten verspricht, und nur zuletzt (fast nur, wenn es zum Sterben kommt), ob es zwar um die Seligkeit zu tun ist, der Geistliche gesucht werden: weil auch dieser selbst, so sehr er auch die Glückseligkeit der künftigen Welt preiset, doch, da er nichts von ihr vor sich sieht, sehnlich wünscht, von dem Arzt in diesem Jammertal immer noch einige Zeit erhalten zu werden.

Kant, Der Streit der Facultäten, 1798

Letztes Ziel Es ist nicht zu bezweifeln, daß die Zeit dieses Lebens nur einen Augenblick währt, daß der Zustand des Todes ewig ist, von welcher Natur er auch sein mag, und daß darum alle unsere Handlungen und Gedanken sich in ihren Wegen dem Zustande dieser Ewigkeit so sehr anpassen müssen, daß es unmöglich ist, mit Verstand und Urteil auch nur einen Schritt zu tun, ohne ihn nach der Wahrheit jenes Punktes einzurichten, der unser letztes Ziel sein muß.

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Wie lange lebt der Mensch? Lebt er 1000 Jahre oder nur ein einziges? Lebt er eine Woche oder mehrere Jahrhunderte? Wie lange stirbt der Mensch? Was heißt eigentlich für immer?

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Ich lasse mich fallen in eine heile Welt, wo mich die Wellen der Wirklichkeit nicht mehr so kalt umspülen.

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Es wäre interessant zu sterben, d.h. aufzuhören Körper zu sein und nur Geist zu werden. Aber der Mensch, ungeduldig alles Neue zu ergründen, ist nur auf dies eine nicht neugierig.

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Liebe kann durch absoluten Willen in Religion übergehn. Des höchsten Wesens wird man nur durch Tod wert. (Versöhnungstod.)

Novalis, Fragmente. Erste, vollständig geordnete Ausgabe hg. von Ernst Kamnitzer, Dresden 1929. Mystizismen

In der Tat also [...] trachten die richtig Philosophierenden danach zu sterben, und der Tod ist ihnen unter allen Menschen am wenigsten furchtbar.

Platon, Phaidon, entstanden um 380 v. Chr. 67e. Übersetzt von Friedrich Schleiermacher (1809)

Das Sterben ist der Augenblick jener Befreiung von der Einseitigkeit einer Individualität, welche nicht den innersten Kern unsers Wesens ausmacht, vielmehr als eine Art Verirrung desselben zu denken ist: die wahre, ursprüngliche Freiheit tritt wieder ein, in diesem Augenblick, welcher, im angegebenen Sinn, als eine restitutio in integrum betrachtet werden kann.

Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung, 1819 (mehrfach ergänzt, seit 1844 in zwei Bänden). Zweiter Band. Ergänzungen zum vierten Buch. Kapitel 41. Über den Tod und sein Verhältnis zur Unzerstörbarkeit unsers Wesens an sich

Von Geburt an unruhige und ewig sich langweilend, wird er (der Mensch) nur des Lebens nicht überdrüssig; er möchte unaufhörlich leben. Krankheiten und Tod stoßen ihn ab von der Bekanntschaft mit einer anderen Welt. Alle Gewalt der Religion ist dazu erforderlich, ihn zum Nachdenken zu bewegen.

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Es schlägt endlich für jeden Menschen eine ernste Stunde des Erwachens, des stillen Nachdenkens über sich und Gott, die Erinnerung an die unausweichbaren Schicksale der Seele jenseits des Grabes. – Früh oder spät, aber jedem Menschen schlägt diese Stunde endlich, die sein Innerstes tief erschüttert und seinen Geist unwillkürlich bis an die Schwelle des Todes, an das geheimnisvolle Tor der Ewigkeit, rückt.

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Sind das Leben und der Tod des Sokrates das Leben und der Tod eines Weisen, so sind das Leben und der Tod Christi das Leben und der Tod eines Gottes.

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Traum ist alles Irdischen Erscheinung, Wahn ist jede liebende Vereinung, Und was Wahrheit wird genannt, ist Meinung.

Platen, Gedichte. Ausgabe 1834. Lieder und Romanzen

Leben ist das nicht: die Kunst zu sterben? Oder ist dieses lange Sterben nicht der Boden für die Kunst, zu leben?

Gött, Zettelsprüche. Aphorismen, hg. von Volker Schupp und Reinhard Pietsch, Universitätsbibliothek Freiburg i. Br. 1982

Der Geschmack des Todes ist auf meiner Zunge, ich fühle etwas, das nicht von dieser Welt ist.

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Erst am Ende unseres Weges stehen die Antworten.

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Jeder hat die moralische Verpflichtung auszusterben.

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Wenn du stirbst, so wirst du entweder alles erfahren, oder du wirst nicht mehr fragen.

Tolstoi, Krieg und Frieden (Война и мир), 1862-69. 5. Teil, 1. Übersetzt von Hermann Röhl

Ich sehe ein schwarzes Licht.

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Im Nirwana des Inders nimmt sich das Bild der Welt aus wie eine Null, die sich in den Schwanz beißt.

Goncourt, Ideen und Impressionen (Idées et sensations), 1866 (dt. 1904)

Die menschliche Spezies ist die einzige, die weiß, dass sie sterben muss.

Voltaire, Philosophisches Wörterbuch (Dictionnaire philosophique portatif), 1764

Ist das nicht, so frage ich, Irrsinn, zu sterben nämlich, um nicht zu sterben?

Martial, Epigramme, um 101 n. Chr. 2, 80 Übers. Internet Originaltext: Hic, rogo, non furor est, ne moriare mori?