Wahrheit Sprüche – abschied

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Die zur Wahrheit wandern, wandern allein, keiner kann dem andern Wegbruder sein.

Morgenstern, C., Gedichte. Wir fanden einen Pfad. Neue Gedichte, 1914

Die Lippen von einem Sterbenden sprechen die Wahrheit.

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Es gehört auch zur Wahrheit, daß man nicht eine Last trägt, die man eigentlich nicht mehr tragen kann.

Merian (Hg.), Das Wesentliche. 366 deutsche Gedanken und Gedichte, Verlag Gerhard Merian, Stuttgart-Degerloch, um 1928

Sprich' die Wahrheit, aber verschwinde danach sofort.

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Sag die Wahrheit. Aber dann mach, daß du wegkommst.

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Die Wahrheit kann wehtun; aber sie heilt.

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Die Welt lässt sich in keinerlei Wahrheiten zwingen!

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Manchmal hat es keinen Zweck, die Wahrheit zu sagen, wenn es zu nichts anderem führt als Schmerz.

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Wenn es um die Macht geht, darf man keinem Menschen trauen, sondern muß alle Fesseln der Verfassung anlegen.

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Sage die Wahrheit, aber dann renne!

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Laß durch nichts in der Welt dich binden als durch deine höchste innere Wahrheit.

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Gott ist nicht bei der Macht, Er ist allein bei der Wahrheit.

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Man darf die Geister nicht einkerkern. Es ist an der Zeit, über die öffentlichen Dinge frei zu reden und zu schreiben. Siegen wird in jedem Fall nur die Wahrheit.

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Lästige Wahrheiten, vor denen man zuerst erschrickt, wird man am besten los, indem man sie gelassen ausspricht. Daher auch der alte Brauch, Gefahren, Schäden, Übel jeder Art zu ›besprechen‹.

Bahr, Kritik der Gegenwart. Tagebücher vom 16. November 1919 bis 14. Dezember 1920, Augsburg 1922

Das Schöne läßt sich nicht vom Wahren trennen.

Schmidt (Hg.), Künstlerworte, gesammelt von Karl Eugen Schmidt, Leipzig 1906

Die zur Wahrheit wandern, wandern allein, keiner kann dem andern Wegbruder sein. Eine Spanne gehn wir, scheint es, im Chor ... bis zuletzt sich, sehn wir, jeder verlor. Selbst der Liebste ringet irgendwo fern; doch wer's ganz vollbringet, siegt sich zum Stern, schafft, sein selbst Durchchrister, Neugottesgrund – und ihn grüßt Geschwister Ewiger Bund.

Morgenstern, C., Gedichte. Wir fanden einen Pfad. Neue Gedichte, 1914

Im Süden So häng’ ich denn auf krummem Aste Und schaukle meine Müdigkeit. Ein Vogel lud mich her zu Gaste, Ein Vogelnest ist’s, drin ich raste. Wo bin ich doch? Ach, weit! Ach, weit! Das weiße Meer liegt eingeschlafen, Und purpurn steht ein Segel drauf. Fels, Feigenbäume, Turm und Hafen, Idylle rings, Geblök von Schafen, — Unschuld des Südens, nimm mich auf! Nur Schritt für Schritt — das ist kein Leben, Stets Bein vor Bein macht deutsch und schwer. Ich hieß den Wind mich aufwärts heben, Ich lernte mit den Vögeln schweben, — Nach Süden flog ich über’s Meer. Vernunft! Verdrießliches Geschäfte! Das bringt uns allzubald an’s Ziel! Im Fliegen lernt’, ich, was mich äffte, — Schon fühl’ ich Mut und Blut und Säfte Zu neuem Leben, neuem Spiel… Einsam zu denken nenn’ ich weise, Doch einsam singen — wäre dumm! So hört ein Lied zu eurem Preise Und setzt euch still um mich im Kreise, Ihr schlimmen Vögelchen, herum! So jung, so falsch, so umgetrieben Scheint ganz ihr mir gemacht zum Lieben Und jedem schönen Zeitvertreib? Im Norden — ich gesteh’s mit Zaudern — Liebt’ ich ein Weibchen, alt zum Schaudern: „Die Wahrheit“ hieß dies alte Weib…

Nietzsche, Die fröhliche Wissenschaft (La gaya scienza), 1882 (ergänzt 1887). Anhang. Lieder des Prinzen Vogelfrei

Nur ein Haar trennt die Wahrheit von der Lüge.

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Die schwachen Seelen sind Leute, welche die Wahrheit erkennen, sie aber nur so weit unterstützen, als es für sie von Vorteil ist; aber sie lassen sie im Stich, wenn das nicht der Fall ist.

Pascal, Gedanken über die Religion und einige andere Gegenstände (Pensées sur la religion et sur quelques autres sujets), Erstdruck 1669/70 (posthum)

Nimm Dich der Wahrheit an, wenn Du kannst, und laß Dich gerne ihrentwegen hassen; doch wisse, daß Deine Sache nicht die Sache der Wahrheit ist, und hüte, daß sie nicht ineinanderfließen, sonst hast Du Deinen Lohn dahin.

Claudius, Asmus omnia sua secum portans, oder Sämtliche Werke des Wandsbecker Bothen, 1774-1812. An meinen Sohn Johannes 1799

Jede Sekte hat ihre Wahrheit und jede Wahrheit ihre Sekte.

Wyss-Vögtlin (Übers.), 700 chinesische Sprichwörter, 1965 (EA: 1942)