Zeit Sprüche – philosophisch

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Was ist also die Zeit? Wenn mich niemand darüber fragt, so weiß ich es; wenn ich es aber jemandem auf seine Frage erklären möchte, so weiß ich es nicht. Das jedoch kann ich zuversichtlich sagen: Ich weiß, daß es keine vergangene Zeit gäbe, wenn nichts vorüberginge, keine zukünftige, wenn nichts da wäre. Wie sind nun aber jene beiden Zeiten, die Vergangenheit und die Zukunft, da ja doch die Vergangenheit nicht mehr ist, und die Zukunft noch nicht ist?

Augustinus, Bekenntnisse (Confessiones), entstanden 397-401. XI, 14

Die Zeit ist nur ein leerer Raum, dem Begebenheiten, Gedanken und Empfindungen erst Inhalt geben.

Humboldt, W., Briefe an eine Freundin (gemeint ist Charlotte Diede), 2 Bde., 1847. 7. April 1833

Man rühmt das achtzehnte Jahrhundert, daß es sich hauptsächlich mit Analyse abgegeben; dem neunzehnten bliebt nun die Aufgabe, die falschen obwaltenden Synthesen zu entdecken und deren Inhalt aufs neue zu analysieren.

Goethe, Maximen und Reflexionen. Aphorismen und Aufzeichnungen. Nach den Handschriften des Goethe- und Schiller-Archivs hg. von Max Hecker, 1907. Aus: Wilhelm Meisters Wanderjahren. Betrachtungen im Sinne der Wanderer, 1829. Aus Makariens Archiv

Weder Vergangenheit noch Zukunft gibt es, sondern es gibt eine Gegenwart [Vergegenwärtigung] der vergangenen Dinge, ferner eine Gegenwart [Vergegenwärtigung] der gegenwärtigen Dinge, schließlich eine Gegenwart [Vergegenwärtigung] der zukünftigen Dinge. Diese drei Zeitformen nehmen wir in unserem Geiste wahr, aber sonst nirgendwo.

Augustinus, Bekenntnisse (Confessiones), entstanden 397-401. XI, 20

Die Zeitrubriken Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind für unser Seelenleben nur momentweise und nur bedingt vorhanden. Der Regel nach umfaßt die Tätigkeit der Gedanken wie des Gefühls mit abwechselnder Klarheit sie alle schrankenlos und gleichzeitig.

Weiß (Hg.), Tausend und Ein Gedanke. Aphorismen für Geist und Herz, zusammengestellt von Heinrich Weiß, 6. Auflage 1904 (EA: 1880)

Die Zeit ist kein diskursiver, oder, wie man ihn nennt, allgemeiner Begriff, sondern eine reine Form der sinnlichen Anschauung.

Kant, Kritik der reinen Vernunft, 2., erweiterte Auflage 1787 (EA: 1781). I. Transzendentale Elementarlehre

Jede Zeit wie jeder Mensch hat ein gewisses Gedankenfeld, über das hinaus nichts wahrgenommen wird.

Suttner, Memoiren, 1909

Endlich und Unendlich miteinander zu vergleichen, aufeinander zu beziehen, ist unmöglich. Von dem einen haben wir eine Anschauung, vom andern nicht. Die beiden sind also schlechterdings unvergleichbar für uns.

Bosshart, Bausteine zu Leben und Zeit, posthum hg. von Elsa Bosshart-Forrer, 1929

Zeit gibt auf alles eine Antwort, ohne die notwendigen Fragen zu stellen.

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Alles Echte dauert ewig, alle Wahrheit, alles Persönliche.

Novalis, Fragmente. Erste, vollständig geordnete Ausgabe hg. von Ernst Kamnitzer, Dresden 1929. Magische Philosophie

Soll zum Sieg Die Wahrheit gelangen, Mußt du den Krieg In dir anfangen.

Wagner, Tage und Worte. Gesammelte Reisesprüche für die Wanderung durch das Leben, 1903

Jedes Zeitalter findet ein paar große Wahrheiten, ein paar allgemeine Sätze, mit denen es sich seine eigene Welt erobert.

Riehl, Die bürgerliche Gesellschaft, 1851

Ein schlechter Lehrer bietet die Wahrheit an, doch der gute lehrt, wie man sie findet.

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In allem hat unsere Zeit die fixe Idee, die Dinge nur inmitten ihrer wirklichen Umgebung zu zeigen, und unterdrückt dadurch das Wesentliche, den geistigen Akt, der sie von der Wirklichkeit isoliert.

Proust, Auf der Suche nach der verlorenen Zeit (À la recherche du temps perdu), 7 Bde., Erstdruck 1913-27. Band 2: Im Schatten der jungen Mädchen (À l'ombre des jeunes filles en fleurs), 1919. Übersetzt von Walter Benjamin und Franz Hessel, Berlin 1927

Im Grunde ist alles eins Man redt von Zeit und Ort, von Nun und Ewigkeit: Was ist denn Zeit und Ort und Nun und Ewigkeit?

Silesius, Cherubinischer Wandersmann, 1675

Angeboren ist das Zeitbewußtsein nicht; dem Säugling fehlt es noch; es muß irgendwie erworben, aus irgendwelchen Vorbedingungen psychologisch entstanden sein.

Liebmann, Gedanken und Thatsachen. Philosophische Abhandlungen, Aphorismen und Studien. Erster Band, drittes Heft, Straßburg 1899. Das Zeitbewußtsein. Originaltext