Adalbert Stifter (1805–1868)

35 Sprüche Romantik

Unter den Menschen sind es nur einzelne, die, ohne an sich zu denken, die reine Freude an dem haben, was Gott selbst im Kleinsten so schön geschaffen hat.

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Letztes Lied Liebte dich, liebte dich Innig und treu; Röslein im Tod verblich; Hin ist der Mai. Hin ist Hin! Tot ist tot! Lebe wohl, lebe wohl! Mein Mädchen mild. In meinem Busen soll Nie verglühn dein Bild. Hin ist Hin! Tot ist tot! Schlummre still, schlummre still, Ewig hinfür. Ich auch bald ruhen will, Ruhen bei dir. Hin ist Hin! Tot ist tot!

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Der Unterricht ist viel leichter als die Erziehung. Zu jenem braucht man nur etwas zu wissen und es mitteilen können; zur Erziehung muß man etwas sein.

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Ist es nicht töricht, ich alter Mann schreibe an eine Gattin, die mir vor 29 Jahren angetraut worden war, Liebesbriefe, wie sie kaum ein Jüngling an seine holde Braut schreibt. Gott, besser's. Aber er wird es hoffentlich nicht bessern, und es wird immer ärger werden. Was weiß auch so ein gelbschnabliger Jüngling, der in die roten Lippen und in die braunen Augen eines Mädchens vernarrt ist, von der Güte, Treue, Rechtschaffenheit und Unwandelbarkeit eines Herzens, das man 29 Jahre haben muß, das recht wie Stein und Bein in unser eigenes Herz hineinwächst. Darum wird die Liebe in dem noch höheren Alter noch höher werden.

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Im Alter empfindet man es als ein ungemeines Glück, wenn man in der Abwägung der Welt im Reinen ist und die Dinge weder durch die eigenen Empfindungen, noch durch die Darstellung anderer in wechselnden Farben sieht

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In der Jugend ist man bei seinen Eltern, in späteren Jahren bei seinen Kindern, und im Alter allein.

Stifter, Witiko, 3 Bde., 1865-67

Des Menschen größtes Glück ist seine Tat. Des Menschen größte Freude ist der Mensch. Des Menschen schönste Betrachtung ist die Natur. Des Menschen ewige Hoffnung ist Gott.

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Der Schmerz ist ein heiliger Engel, und durch ihn sind Menschen größer geworden, als durch alle Freuden der Welt.

Stifter, A., Briefe. An August Pechwill, 3. Februar 1853

Das Schönste, was Gott hervorbringen kann, das Einfachste, das Lauterste, das Kleinste, das doch wieder das Größte einschließt, ist die menschliche Seele.

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Die Klarheit seines Innern ist für den Menschen das höchste Gut.

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Was im Menschen rein und herrlich ist, bleibt unverwüstlich, und ist ein Kleinod in allen Zeiten.

Stifter, Der Nachsommer. Eine Erzählung, 1857. Dritter Band. 4. Der Rückblick

Macht in Amt und Würde, Größe und Ansehen durch Geburt, ja selbst die glänzendste Begabung und Talente sind nichts und verschwinden gegen das einzige Große, was der Mensch zu erreichen vermag: die Rechtschaffenheit und Schönheit des Charakters.

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Jede Gabe ist ein Geschenk Gottes, der Charakter aber ein Produkt der eigenen Seele, weshalb Gaben entzücken, Charaktere aber geliebt werden.

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Wir haben alle eine tigerartige Anlage, so wie wir eine himmlische haben, und wenn die tigerartige nicht geweckt wird, so meinen wir, sie sei gar nicht da!

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