Anna Dix (1874–1947)

47 Sprüche Realismus

Absichtlich zur Schau getragenes Glück erweckt, wie auffälliger Schmuck, nur zu leicht den Verdacht der Unechtheit.

Dix, Aphorismen und Sinnsprüche, 1900

Du glaubst, ein großes Glück tragen zu können, – und versagst in einem kleinen Schmerze?

Dix, Aphorismen und Sinnsprüche, 1900

Das sind die Glücklichen, denen das Gegebene für erwünscht, das nicht zu Erlangende für entbehrlich gilt.

Dix, Aphorismen und Sinnsprüche, 1900

Glück Man malt das Glück zumeist als stolzes Weib, In Purpurpracht gehüllt den holden Leib, Mit offner Hand, die junge Rosen streut. − Ich aber denke mir's: Ein lachend Kind, Das seine Locken zausen lässt vom Wind, Und sich am grauen Regenhimmel freut.

Dix, Aus jungem Herzen, 1898

Das Wissen nützt. Die Liebe hilft.

Dix, Aphorismen und Sinnsprüche, 1900

Liebe ist Heimat-Suchen. Liebe ist Heimat-Geben.

Dix, Aphorismen und Sinnsprüche, 1900

Wo Liebe – da Ewigkeitsglaube.

Dix, Aphorismen und Sinnsprüche, 1900

Liebe verbürgt die Ewigkeit.

Dix, Aphorismen und Sinnsprüche, 1900

Mancher hat vielleicht nur darum kein Glück in der Liebe, weil er zu viel Glück bei Frauen hatte.

Dix, Aphorismen und Sinnsprüche, 1900

Der Sabbat deines Lebens will ich sein Der Sabbat deines Lebens will ich sein. Wenn dich umstrickt des Alltags grau Gespinst − In meine Seele flüchte dich hinein, Dass du dein tiefstes Wesen neu gewinnst. So oft dicht laut umdrängt des Tages Strom, Der Schrei der Tiefe dir entgegengellt − In meine Stille strebe, wie zum Dom Der Gläubige, wenn ihn bedrängt die Welt.

Dix, Vom unsichtbaren Königreich, 1913

Eiche und Rose Es hat sich eine Rose gerankt An eine alte Eiche. Da haben leise gebebt, geschwankt Die zeitbewährten Zweige. Die Eiche hat nie im Sturm gewankt, Kein Blitz hat sie erschüttert − Doch als doch zu ihr die Rose gerankt, Da ist sie leise erzittert.

Dix, Aus jungem Herzen, 1898

Trost im Altern Es dunkelt schon. Die Sterne schauen trübe, Des Tages Klänge schweigen und verhallen − Lass mich die Hände auf den deinen falten, − Des Alters Stachel raubt allein die Liebe! Wie reich die Lieder dir am Herzen fluten! O sei gewiss, mein Freund, mein Trautgefährte, Dass ich im weißen Haar dich lieben werde Noch brünstiger, denn einst in Jugendgluten.

Dix, Aus jungem Herzen, 1898

Lass dich vom Leben bilden, – dann bilde dir dein Leben.

Dix, Aphorismen und Sinnsprüche, 1900

Wir müssen uns dem Leben hingeben, wenn es uns befruchten soll.

Dix, Aphorismen und Sinnsprüche, 1900

Die Gesetze des Lebens soll die Erziehung, – ihre Anwendung muss das Leben selbst lehren.

Dix, Aphorismen und Sinnsprüche, 1900

Das ereignisreichste Leben ist durchaus nicht unbedingt das gehaltvollste.

Dix, Aphorismen und Sinnsprüche, 1900

Heilige das Leben, auf dass der Tod dir milde sei.

Dix, Aphorismen und Sinnsprüche, 1900

Erst, wenn wir des Lebens Ernst erfahren haben, erwachen wir zum bewussten Verständnis seiner Freuden.

Dix, Aphorismen und Sinnsprüche, 1900

Auf dass dein Leben sich heiter gestalte – nimm es ernst.

Dix, Aphorismen und Sinnsprüche, 1900

Das Leben lehrt uns lernen.

Dix, Aphorismen und Sinnsprüche, 1900

Es ist möglich, dass zwei Menschen ein ganzes Leben nebeneinander zubringen, ohne sich auch nur einmal in Wahrheit zu berühren.

Dix, Aphorismen und Sinnsprüche, 1900