Anna Dix (1874–1947)

47 Sprüche Realismus

Das Schicksal Ich kenn' es längst. In meiner Kindheit Tage Rief es gebietend seine große Frage ... Hart ist sein Blick, − und seine blasse Rechte Schwer, wie das Grauen schlummerloser Nächte. Wohl ist in mir ein Frühling schlafen gangen Dereinst, als seine Fesseln mich umfangen. Doch klag' mich nicht. Die Stunde sei gesegnet Um deinetwillen, da ich ihm begegnet.

Dix, Vom unsichtbaren Königreich, 1913

Die Erziehung hat an der Stelle einzusetzen, wo die unberechtigte Eigenheit und die berechtigte Eigenart einander berühren.

Dix, Aphorismen und Sinnsprüche, 1900

In einer rechten Ehe muß mit dem sicheren Bewußtsein verläßlichen Besitzes doch ein zartes Werben Hand in Hand gehen.

Merian (Hg.), Dein Weg. 366 Gedanken und Gedichte deutscher Denker und Dichter, Verlag Gerhard Merian, Stuttgart-Degerloch, um 1921

Wenn die Jugend ohne Feuer war, wird leicht das Alter ohne Wärme sein.

Dix, Aphorismen und Sinnsprüche, 1900

Beobachte den Menschen, wie er sich dem Glück Anderer gegenüber verhält, und du kennst sein Herz.

Dix, Aphorismen und Sinnsprüche, 1900